Medizin

Querschnittssyndrom: Genabschaltung lässt Nervenzellen sprießen

Montag, 9. August 2010

Boston - US-Forscher ist es bei querschnittsgelähmten Mäusen gelungen, die durchtrennten Nervenzellen ein wenig zur Regeneration zu bewegen. Die Ergebnisse in Nature Neuroscience (2010; doi: 10.1038/nn.2603) sind ein sehr früher erster Schritt zur Therapie von Querschnittslähmungen.

Während der Embryonalphase werden permanent neue Nervenzellen gebildet, deren Axone sich selbständig zu dem engen Netzwerk des Zentralnervensystems verknüpfen. Diese Fähigkeit zum Nervenwachstum geht bald nach der Geburt verloren. Der Grund ist nicht etwa in einer passiven Folge der Ausreifung der Nervenzellen zu suchen.

Nach den Erkenntnissen der Gruppe um Zhigang He von der Harvard Medical School in Boston wird das Wachstum vielmehr aktiv durch das Enzym PTEN (für phosphatase and tensin homolog) blockiert, der wiederum einen Stoffwechselweg namens mTOR steuert. 

Die Ausschaltung von PTEN könnte deshalb die Regenerationsfähigkeit der Nervenzellen auch im Erwachsenenalter wieder herstellen. Bei Querschnittslähmungen könnten die proximalen Enden der Axone im besten Fall in die Nervenscheiden des distalen Abschnitts einwachsen und mit der Zeit die Nervenverbindungen wieder herstellen.

Vor anderthalb Jahren konnten die Forscher zeigen, dass auf diese Weise ein Nervenwachstum im Sehnerv stimuliert werden kann (Science 2008; 322: 963-066). Nach der Ausschaltung von PTEN begannen die Nervenzellen zu sprossen. Das Wachstum war aber auf wenige Zellen beschränkt und nach einigen Millimetern war es bereits vorbei. Die Therapie ist deshalb weit von einer praktischen Anwendung entfernt. Aber der prinzipielle Beweis war erbracht.

Jetzt haben die Forscher die Experimente an Mäusen mit einer Querschnittslähmung wiederholt. Auch hier setzte nach der Ausschaltung von PTEN ein Nervenwachstum ein. Einzelne Zellen überbrückten die Querschnittsläsion. Dass sie den langen Weg zur der nächsten Relaisstation im Rückenmark finden könnten, lässt sich auf den Abbildungen der Forscher nicht unbedingt erkennen.

He kann aber zeigen, dass die neuen Axone in der Lage wären Synapsen zu bilden. Völlig unklar ist, ob die Therapie Lähmungen (wenigstens teilweise) überwinden könnte. Die Forscher führen nach eigenen Angaben hierzu derzeit erste Versuche durch. © rme/aerzteblatt.de

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