Gent – Der Nachweis von drei „Alzheimer-Proteinen“ im Liquor erlaubte in einer Studie in den Archives of Neurology (2010; 67: 949-956) eine recht zuverlässige Diagnose der Erkrankung. In einer Gruppe von Patienten mit milder kognitiver Einschränkung (MCI) konnte das spätere Auftreten der Alzheimer-Erkrankung sogar zu 100 Prozent vorhergesagt werden. Die Studie löste in der Öffentlichkeit verfrühte Erwartungen über einen Alzheimer-Frühtest aus.
Kennzeichnend für den Morbus Alzheimer sind pathologische Ablagerungen von Beta-Amyloid-Peptiden in den Plaques und von Tau-Proteinen in den Neurofibrillenbündel. Die beiden Proteine und ihre Spaltprodukte treten auch in den Liquor über.
Ihre Konzentration kann im Labor bestimmt werden. Seit langem suchen Forscher deshalb nach einer Signatur des Morbus Alzheimer. Dies wird allerdings durch den Umstand erschwert, dass Beta-Amyloid-Peptid und Tau-Protein auch bei anderen Krankheiten auftreten.
Sie sind in geringer Menge auch im Gehirn von kognitiv normalen Menschen vorhanden. Denn es handelt sich um normale Bestandteile der Hirnzellen. Erst die pathologische Ablagerung führt zur Erkrankung.
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Ob Geert de Meyer von der Universität Gent in Belgien und der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative mehr Glück beschieden ist, bleibt abzuwarten. Ihre Signatur erfordert den Nachweis von Beta-Amyloid 1-42 (niedriger Wert), Gesamt-Tau-Protein (erhöhter Wert) und einem phosphoryliertem Tau-Protein 181 (erhöhter Wert).
In einer ersten Kohorte von 426 Über-70-Jährigen lag die Sensitivität zur Diagnose eines Morbus Alzheimer bei 90 Prozent. Aber auch 73 Prozent der Probanden mit der möglichen Demenzvorstufe MCI (mild cognitive impairment) und 39 Prozent der Kontrollgruppe aus gesunden Senioren hatten die Alzheimer-Signatur.
Unter den gesunden Probanden waren überproportional viele Träger des Alzheimerrisiko-Allels Apolipoprotein E 4. Es erscheint durchaus möglich, dass einige von ihnen später an einer Demenz erkranken. Die Signatur könnte also eine Frühdiagnose des Morbus Alzheimer ermöglichen, die nach Einschätzung von Experten mehr als zehn Jahr vor der klinischen Manifestation beginnt.
Die Forscher haben die Ergebnisse an zwei weiteren Kohorten überprüft. Die erste Kohorte bestand aus 68 Personen mit einer autopsiebestätigten Alzheimerkrankheit: Der Test fiele bei 64 von 68 Patienten positiv aus, was eine Sensitivität von 94 Prozent bedeutet. Für Aufmerksamkeit sorgte die zweite Kohorte von 57 Patienten mit MCI, die innerhalb von 5 Jahren an einem Morbus Alzheimer erkrankten: Der Test fiel bei allen 57 Patienten positiv aus.
Obwohl in dieser letzten Kohorte offenbar eine Vergleichsgruppe (von Patienten mit MCI, die keinen Morbus Alzheimer entwickelt haben) fehlte, wurde dieser Befund in der US-Öffentlichkeit sofort als Beleg dafür gewertet, dass der lang ersehnte Alzheimer-Frühtest jetzt endlich gefunden sei.
„Schärfen Sie ihre Punktionsnadel“ (Sharpen That Needle) überschreiben Zara Herskovits vom Brigham and Women's Hospital und John Growdon vom Massachusetts General Hospital, beide in Boston, ihr Editorial (Archives of Neurology 2010; 67: 918-920). Es gebe jetzt reichlich Beweise für den klinischen Wert einer Liquoruntersuchung.
In der New York Times machten sich Experten ernsthaft Gedanken darüber, ob der Test ethisch vertretbar ist – wegen der fehlenden therapeutischen Auswirkungen – und ob jetzt gar im ganzen Land „tap center“ eingerichtet werden müssten, da normale Hausärzte nicht zur Liquorpunktion befähigt seien.
Angesichts der fehlenden Bestätigung durch andere Zentren scheint dies reichlich voreilig. Falls der Test wirklich hält, was er auf den ersten Blick verspricht, so dürfte er zunächst bei der Rekrutierung von Patienten für klinische Studien zur Anwendung kommen.
Dort könnten an Patienten mit MCI (oder besser Personen mit Alzheimer-Signatur) jene Antidementiva untersucht werden, die bei der manifesten Demenz bisher keine oder nur eine sehr bescheidene Wirkung erzielten.
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