Berlin – Das Gesundheitsministerium hat die Pläne für die Finanzreform der gesetzlichen Krankenkassen offenbar abgeschlossen und den Koalitionsfraktionen einen „Diskussionsentwurf“ vorgelegt. Das berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Donnerstag.
Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass es einen solchen Entwurf gebe, der die einzelnen Punkte beinhalte, auf die sich die Spitzen von Union und FDP mit dem Gesundheitsministerium geeinigt hätten. Zu weiteren Details wollte sich der Sprecher nicht äußern.
Dem Zeitungsbericht zufolge legt der Entwurf neben den umstrittenen Einsparungen besonderes Gewicht auf die Erhebung des Zusatzbeitrags und den Sozialausgleich. Dafür sehe das Papier detaillierte Regelungen vor.
Es werde versprochen, dass Arbeitgeber, Kranken- und Rentenkassen das neue Beitragssystem einfach und ohne großen Mehraufwand handhaben könnten.
Für Versicherte, die die Zahlung ihres individuellen Zusatzbeitrags verweigern, enthält der Plan dem Bericht zufolge Sanktionsinstrumente. So soll die Kasse den Arbeitgeber informieren, der dann zwei Punkte auf den Beitragssatz aufschlägt und abführt. Für diesen Zuschlag solle dann auch der Sozialausgleich nicht gelten.
Die Arbeitgeber befürchten durch die Gesundheitspläne neue Belastungen. Die Anhebung des Beitragssatzes verteuere die Arbeitskosten und gefährde damit die wirtschaftliche Erholung, warnte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mit Blick auf den Diskussionsentwurf.
Das widerspreche der Zusage aus dem Koalitionsvertrag, die Lohnzusatzkosten stabil zu halten. Zudem werde die Chance für eine dauerhafte Abkopplung der Gesundheits- von den Arbeitskosten verpasst.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) rechnet indes mit Pleiten von Krankenkassen. „Ich kann es jedenfalls für die Zukunft nicht ausschließen“, sagte Rösler der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“ vom Donnerstag.
„Versicherte brauchen sich aber keine Sorgen zu machen. Der Versicherungsschutz bleibt in jedem Fall gewahrt“, betonte der Minister. Rösler sieht eine durchaus solide finanzielle Basis für die nächsten Jahre – wenn die Reformpläne greifen. „Alle Maßnahmen, die wir jetzt auf den Weg bringen, zielen darauf ab, dass die finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenkassen stabilisiert wird“, erklärt Rösler.
Wenig Verständnis zeigt der Gesundheitsminister für die angedrohten Streiks von Hausärzten in Bayern. „Man darf Proteste nicht auf dem Rücken von Patienten austragen“, warnt Rösler: „Anderes ist mit der ärztlichen Einstellung auch nicht vereinbar“.
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