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Weniger Brustkrebstote nur in Westeuropa?

Donnerstag, 12. August 2010

Lyon – Eine retrospektive Trendanalyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 341: c3620) kommt zu dem Ergebnis, dass die Brustkrebssterblichkeit in Westeuropa im Zeitraum von 15 Jahren teilweise deutlich gesunken ist, während die Todesfälle in Osteuropa eher ansteigen. Die Daten beruhen auf der Analyse der Totenscheine, an deren Zuverlässigkeit Zweifel bestehen.

Länderübergreifende Vergleiche sind nur so gut wie die Zuverlässigkeit des Datenmaterials. Dies zeigt auch die jetzt vorgelegte Studie des International Prevention Research Institute, einer unabhängigen Forschergruppe aus Lyon, die die Entwicklung der Brustkrebsmortalität in 30 europäischen Ländern verglichen hat.

Aus Tabelle 1 der Publikation geht hervor, dass in den Jahren 1987 bis 1989 in England und Wales auf 100.000 Frauen statistisch gesehen 41,9 Todesfälle am Mammakarzinom kamen. Das war nach den Recherchen von Philippe Autier und Mitarbeitern der höchste Wert in ganz Europa. In Rumänien betrug die Brustkrebsmortalität damals nur 19,9 von 100.000 Frauen.

Sollten die Lebensumstände und die Gesundheitsversorgung in der Endphase des Ceaucescu-Regimes besser gewesen sein als unter der Regierung Thatcher in Großbritannien? Ober nahmen es die Ärzte beim Ausfüllen der Todesbescheinigungen in Rumänien nicht ganz so ernst? Vielleicht wurden der Weltgesundheitsorganisation auch einfach manipulierte Zahlen mitgeteilt. Das hatte im Ostblock bekanntlich Tradition, um im Systemvergleich besser abzuschneiden.

In den Jahren 2004 bis 2006 hatte sich die Situation in den beiden Ländern geändert. In England und Wales war die Brustkrebsmortalität auf 28,1/100.000 Frauen gesunken. Das wäre ein geradezu sensationeller Rückgang um 35 Prozent. Nur in Island wäre, wenn die Zahlen zutreffen, die Zahl der Brustkrebstoten noch deutlicher, nämlich um 45 Prozent zurückgegangen.

In Rumänien, aber auch in einigen anderen osteuropäischen Ländern stieg die Brustkrebsmortalität dagegen an. Auch in Griechenland – als einziges Land außerhalb des früheren Ostblocks – stieg die Zahl der Brustkrebstodesfälle um 1,4 Prozent.

Dank einer günstigen Ausgangslage wäre die Sterblichkeit in Griechenland aber immer noch geringer als in England und Wales. Sofern sich die Zahlen vergleichen lassen. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass Todesbescheinigungen für Mediziner und Behörden in Griechenland eine andere Bedeutung haben als in England und vor allem in Nordeuropa.

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Ob und wie die griechischen Medien auf die neue Meldung reagierten, ist nicht bekannt. In England frohlockte die BBC, dass die Zahl der Brustkrebstoten gefallen sei. Ein Zusammenhang mit der Therapie und dem Brustkrebsscreening wurde hergestellt. Letzteres lässt sich aus den Zahlen aber nicht ableiten, denn der Rückgang betraf vor allem die Altersgruppe der unter 50-Jährigen, die gar nicht von der landesweiten Früherkennung erfasst werden.

Mit Genugtuung wurde festgestellt, dass das Land nicht mehr das Schlusslicht in Europa ist. Dies hatte vor drei Jahren eine Studie der EUROCARE (für EUROpean CAncer REgistry-based study on survival and CARE of cancer patients) vermuten lassen, ein Vergleich der Daten von 93 Krebsregistern aus 23 Ländern. Dieser war vor allem für Großbritannien sehr ungünstig ausgefallen.

Die Behandlungsergebnisse waren dort kaum besser als in osteuropäischen Ländern, die weniger als ein Drittel der Mittel für das Gesundheitswesen aufwenden. Der staatliche Gesundheitsdienst geriet damals in Rechtfertigungsnöte. Jetzt könnten sich die Regierungen in Schweden und Frankreich fragen, ob ihre Investitionen in das Mammographie-Screening und in teure Medikamente vergeblich waren.

Denn der Rückgang der Brustkrebsmortalität war deutlich geringer als in anderen westeuropäischen Ländern. Deutschland befindet sich im Mittelfeld. Die Sterblichkeit am Brustkrebs ist von 31,3 auf 26,2/100.000 Frauen um 21 Prozent gefallen.

Ein fairer Vergleich der Leistungen zwischen den einzelnen Ländern ist kaum möglich, solange die Erfassung der Daten nicht EU-weit standardisiert wird. Die Todesbescheinigungen bleiben aufgrund der bekannten hohen Fehlerrate eine fragliche Grundlage für derartige Untersuchungen. © rme/aerzteblatt.de

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adonis
am Freitag, 13. August 2010, 12:13

Nichts genaues weiss man nicht!!!

Auch evidence based? Na, das Knochenwerfen im alten China hätte ähnliche Resultate geliefert.

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