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Kassenverband will neue Therapien in Spezialzentren testen lassen

Freitag, 13. August 2010

Passau – Die Vorsitzende des Spitzen­verbandes der Gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV), Doris Pfeiffer, hat im Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ vom Freitag gefordert, künftig neue Therapieformen in speziellen Zentren zu erproben. Im Krankenhaus dürfe bisher jede neue Behandlungsmethode eingeführt und angewendet werden, kritisierte Pfeiffer. „Die Kassen müssen zahlen, auch wenn der Nutzen überhaupt nicht feststeht.“    

Neue Therapien sollten daher künftig in spezialisierten Zentren getestet und von wissenschaftlichen Studien begleitet werden. Das Verfahren müsse schnell gehen, denn alle Patienten sollten von echten Innovationen so schnell wie möglich profitieren, forderte die Verbandschefin.

Sie warnte zugleich vor Experimenten auf Kosten der Patienten. Pfeiffer verwies dabei auf frühere Erfahrungen mit dem Operationsroboter "Robodoc" bei Hüftgelenksoperationen.

Der Roboter sei lange eingesetzt worden, ohne dass die Wirkung wissenschaftlich kontrolliert worden sei. In vielen Fällen hätten die Patienten mehr Probleme bekommen als bei konventionellen Operationen. So mussten laut Pfeiffer die Hüftgelenke häufiger entfernt und neu eingesetzt werden.  

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Pfeiffer wies Vorwürfe zurück, die Kassen hätten Angst vor hohen Ausgaben und behinderten den medizinischen Fortschritt. „Darum geht es definitiv nicht“, sagte sie. Neue Verfahren müssten aber keineswegs immer teurer, sondern könnten durchaus auch billiger sein.

Die Kassen wollten zudem verhindern, dass flächendeckend Therapieformen angewendet würden, die womöglich nutzlos oder gefährlich für die Versicherten seien. Nach Ansicht von Pfeiffer muss der Gesetzgeber daher handeln. © ddp/aerzteblatt.de

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retep214
am Montag, 23. August 2010, 17:39

Robodoc

Die Sicherheit des Patienten muß an erster Stelle stehen, sie darf nicht dem technischen
Fortschritt geopfert werden!

Sicherheitslücken bei der medizinischen Versorgung im Krankenhaus bergen für die Gesundheit der Patienten nicht abzuschätzende Risiken.
Die Erfahrung mit der Operationsmaschine Robodoc ist das Beispiel schlechthin.

- In den USA entwickelt, dort jedoch nicht zugelassen.
- Nach Deutschland geholt und tausendfach ohne die erforderliche Aufklärung eingesetzt.

Trotz der frühen Erkenntnisse, dass die Patienten mit schweren körperlichen Schäden vom
OP-Tisch kommen wurde er in wildem Eifer an tausenden Patienten „ erfolglos weiterentwickelt“, 10 Jahre lang, ehe er durch den Aufstand der geschädigten Patienten aus den OP-Sälen verbannt wurde.

Die Forderung „neue Methoden in spezalisierten Zentren anzuwenden und zu testen, mit begleitenden wissenschaftlichen Studien“ ist nicht neu, jedoch aktuell wie eh und je und längst überfällig.
Es ist höchste Zeit, dass Kassen und Patienten zusammen stehen und den Phantasten im weißen Kittel, unter den Ärzten, die Grenzen aufzeigen, zum Nutzen eines vom Patienten bezahlten und dem Patienten dienenden medizinischen Fortschritts.
Henry I
am Montag, 16. August 2010, 23:19

Pfeiffersches Drüsenfieber

Würden Leute wie Pfeiffer nicht mehr von den Zwangsversicherten bezahlt werden muessen, gäbe es auch genug Geld, um richtige Ärzte zu bezahlen, die dann die Patienten behandeln könnten.
Üblicherweise keifen die gesetzlichen Krankenkassen nach jeder "Neuerung", die sie für verdächtig halten, Kosten einsparen zu können.
Davon abgesehen, hat Frau P. hier mal gerade recht.
wahblatt
am Montag, 16. August 2010, 19:46

ROBODOC-Skandal

Frau Pfeiffer hat meiner Meinung nach völlig recht!

Selbst wenn viele Ärzte wissen was für Ihren Patienten gut ist, sie handeln eben nicht immer danach. Nur wenige hatten damals den Mut, ihre Fehlinvestition für den ROBODOC einzugestehen und mit diesem schädlichen Verfahren aufzuhören. .

Auch Ärzte sind nur Menschen, neue Verfahren und Systeme müssen deshalb sorgfältig kontrolliert werden. Der Industrieroboter "ROBODOC" hatte in den USA keine Zulassung und in Deutschland nur den Stempel des TÜV, trotzdem wurden mit ihm hier mehr als 10.000 Operationen durchgeführt.

Viele Patienten wurden so zu Schwerstbehinderten, meine maximale Gehstrecke beträgt 500 m, pro Tag! Mit einem Zulassungsverfahren, wie Frau Pfeiffer es vorschlägt, wäre das nicht passiert.

Erst als die Patienten nach einem Artikel im Spiegel ("Regelrecht ausgeneint") wegblieben, hörtien diese unsinnigen Operationen auf.
mediko
am Sonntag, 15. August 2010, 19:19

@KISAEV - Beitrag 14.08.2010

Na Danke für diesen differenzierten, qualifizierten, nahezu intellektuellen und echt konstruktiven Beitrag. Sind Sie Orthopäde ? :-))
KISAEV
am Samstag, 14. August 2010, 08:10

Kassenverband will neue Therapien in Spezialzentren testen lassen

Ich würde vorschlagen, als erstes mal die Psychopharmaka weg zu lassen und das Geld, das hier dann zur verfügung steht, den wirklichen Ärzten zur Verfügung zu stellen und nicht der Pharmaindusttrie und den Psychiatern, die ja nun wirklich von nichts eine Ahnung haben, in den Rachen zu werfen. Dann kommen wir mit Sicherheit ein großes Stück weiter.
Thelber
am Freitag, 13. August 2010, 21:24

Natürlich haben die Kassen Angst vor Kosten ....

... das ist ja auch legitim.
Nur so zu tun, als ob wir Ärzte nicht auch wüssten, was für die Patienten gut ist - das ist nicht ganz in Ordnung, Frau Prieffer !!

Das Sommerloch für die Kassen nutzbar machen nennt man so etwas ....

Wie wäre es, liebe Frau Pfeiffer, wenn "die Kassen" Forschungsgelder zur Verfügung stellen, das unabhängige Stellen dann vergeben dürfen ??? Davon habe ich noch nichts gehört .... obwohl Sie daran ein großes Interesse zu haben vorgeben ...

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