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NDM-1-Resistenzen: Vier Fälle in Deutschland

Montag, 16. August 2010

Berlin/Atlanta – Die von britischen Mikrobiologen in der letzten Woche gemeldeten NDM-1-Resistenzen sind offenbar keine Einzelfälle. Erkrankungen hat es auch in den USA, in Australien und in Deutschland gegeben. Belgische Medien melden einen Todesfall. Eine außergewöhnliche Bedrohung sehen die Gesundheitsbehörden jedoch nicht.

Carbapeneme (Imipenem, Meropenem, Doripenem und Ertapenem) sind potente Beta-Laktam-Antibiotika mit einem breiten Wirkungsspektrum und bisher geringen Resistenzraten. Sie blieben auch häufig wirksam gegen Erreger mit einer Beta-Laktam-Resistenz. Diese Bakterien spalten mit einem Enzym, der Beta-Laktamase, den beta-Laktam-Ring, der ein gemeinsamer Bestandteil einer Reihe von Antibiotika ist.

Zu diesen Beta-Laktam-Antibiotika gehören Penicilline, Cephalosporine und Carbepeneme. Zunächst vermochten die Beta-Laktamasen der Bakterien nur Penicilline auszuschalten. Seit einiger Zeit werden auch Resistenzen gegen Cephalosporine häufiger. Betroffen war vor allem der indische Subkontinent.

Dort stieg deshalb der Einsatz von Carbapenemen, heißt es in einer Publikation der britischen Health Protection Agency (HPA). Carbapenemen waren auch gegen Bakterien mit einer “extended-spectrum” Beta-Laktamase wirksam.

Der dadurch aufgebaute Selektionsdruck dürfte das Auftreten der NDM-1-Resistenz (New-Delhi Metallo-Beta-Laktamase) erklären. Sie wurde zuerst bei einem schwedischen Patienten entdeckt, der nach einer Behandlung in einer Klinik in Neu Delhi repatriiert wurde.

In Großbritannien, wo infolge der Kolonialgeschichte enge Beziehungen nach Indien und Pakistan bestehen, wurden vier Isolate aus dem Jahr 2008 entdeckt. Im Folgejahre stieg die Zahl auf 37 Isolate. Inzwischen sollen es Pressemeldungen zufolge etwa 50 Isolate sein.

Die US-Centers for Disease Control and Prevention in den USA berichteten im Juni in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2010; 59: 750) über drei positive Isolate aus drei unterschiedlichen US-Staaten. Ende der Woche berichtete die belgische Zeitung Le Soir von einem ersten Todesfall.

Auch in Deutschland sind vier Fälle aufgetreten. Sie gingen der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) ins Netz, die das Robert Koch Institut (RKI) in den letzten drei Jahren aufgebaut hat. Das ARS ist nicht umfassend. Das RKI schätzt aber, dass NDM-1 in Deutschland insgesamt noch sehr selten auftreten.

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Dies dürfte mit dem Übertragungsmodus zusammenhängen. Viele Patienten haben sich in Indien oder Pakistan angesteckt, wo NDM-1-Keime nach einer Studie in Lancet Infectious Diseases (2010; doi: 10.1016/S1473- 3099(10)70143-2) inzwischen endemisch sind. Die Befragung der Patienten ergab, dass viele sich chirurgischen Eingriffen unterzogen hatten, die auf dem indischen Subkontinent zu sehr günstigen Preisen angeboten werden. Dieser Medizintourismus hat sich offenbar in den letzten Jahren stark ausgeweitet.

Angeboten werden neben kosmetischen und zahnmedizinischen Eingriffen auch größere elektive Operationen bis hin zur Versorgung mit einer Hüft-Endoprothese. Attraktiv sind die Operationen für Menschen ohne ausreichenden Versicherungsschutz, was in Deutschland eher selten vorkommt.

Resistenzen sind in den Industrieländern an sich keine neue Bedrohung. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind seit langem verbreitet und Ursache für eine schwere zu beziffernde, aber sicherlich erhebliche Zahl von Todesfällen. Die Ausbreitung von Resistenzen vollzieht sich in der Regel nicht explosiv, sondern allmählich.

Es wird deshalb keine NMD-1-Epidemie vergleichbar SARS oder auch der jährlichen Grippe erwartet. Es ist allerdings möglich, dass sich die Resistenz auf weitere Keime ausdehnt, da ihre Erbinformation auf Plasmiden außerhalb der Chromosomen abgelegt ist. Es ist deshalb nicht ausschließen, dass die NDM-1-Resistenz, die bisher nur bei E. coli und Klebsiella pneumoniae nachgewiesen wurde, auf andere Spezies überspringt. © rme/aerzteblatt.de

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