Politik

Koalition will Cannabis auf Rezept erlauben

Dienstag, 17. August 2010

Berlin – Die schwarz-gelbe Koalition will Cannabis zur Therapie von Schwerkranken zulassen. Union und FDP einigten sich am Dienstag auf eine Änderung des Betäubungs­mittelgesetzes, wie Bundes­gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) nach einer Sitzung mit Fachpolitikern in Berlin mitteilte. Die FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach hatte den Schritt bereits am Montag angekündigt.

Bislang sind cannabishaltige Medikamente in Deutschland nicht zugelassen. Die Wissenschaft sei inzwischen aber deutlich weiter als noch vor einigen Jahren, sagte Rösler. Cannabishaltige Mittel könnten etwa bei Multiple-Sklerose-Kranken helfen, Krämpfe zu lindern und damit ihr Leiden zu verringern.

Künftig sollen Ärzte solche Medikamente nun verordnen können - unter strengen Voraussetzungen, das heißt nur bei bestimmten Diagnosen und als sogenanntes Betäubungsmittelrezept. Dies dürfen nicht alle Mediziner ausstellen. Der übrige Konsum von Cannabis bleibt verboten.

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Die Koalitionäre wollen auch die Versorgung von sterbenden Menschen verbessern. Union und FDP wollen Hospizen erlauben, Notfallvorräte an starken Schmerzmitteln wie Morphium anzulegen. Bislang ist das nicht zulässig. Die Neuerung soll sicherstellen, dass für Schwerstkranke zu jeder Tag- und Nachtzeit schmerzlindernde Mittel zur Verfügung stehen.

Rösler sprach von „zwei wesentlichen Änderungen, die politisch nicht unstreitig gewesen sind“ – insbesondere die Lockerung beim Zugang zu Cannabis.

Die Deutsche Hospiz Stiftung begrüßte die Initiative der Bundesregierung. „Cannabis kann in der palliativen Therapie von schwerstkranken Menschen eine wichtige Rolle spielen“, sagte der Geschäftsführende Vorstand, Eugen Brysch, am Dienstag in Berlin.

Derzeit würden viele Schmerzpatienten in die Illegalität gedrängt, weil es so schwer sei, das Medikament zu erhalten. Ob der Einsatz sinnvoll sei, müsse von Einzelfall zu Einzelfall entschieden werden. © ddp/kna/aerzteblatt.de

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adonis
am Donnerstag, 19. August 2010, 16:49

@doc-nemo.

Zum Lancetzitat. Ich kann den Artikel nicht lesen. Wenn Sie ihn auch nicht lesen können, dann geben sie sich schnell mit ûberschriften zu frieden. Auch eine Möglichkeit. Zum 2. Artikel: Na da gibt man sich auch schnell mit Pauschalurteilen zu frieden. Der Verfasser hat wohl nie mit der Homöpathie gearbeitet. Besonders erheiternd fand ich dann den Blick ins Editorial. Wenn du diese Gestalten für seriös hälst, dann müsstest du Hahnemann für den seriösesten Menschen halten. Und eigentlich erinnert mich die ganze Aufmachung der Artikel ein wenig an die "Gesellschaft zum Dialog mit dem Islam", wo man eigentlich positive und vermittelnde Darstellung zu finden glauben müsste, dagegen aber rein rassistische Argumente. Na, es geht ja immer einfacher sich als "Freund" auszugeben und dann als Feind zu agieren. So fiel Troja.

Nun ja, MS ist eine schreckliche Krankheit und darin sind wir uns einig. Die Frage ist nur, ob ich den Patienten etwas Gutes tue, wenn die vollgekifft in ihrem Bett rosarote Elephanten an der Decke schweben sehen. Nun ja, wenn sie zugedröhnt zufrieden sind, stören sie weniger und in diesem Sinne "belästigen" sie das Pflegepersonal nicht weiters.

Und Opium. Ist auch so eine seltsame Indikation: "nicht anders zu behandelnder Durchfall". Na die Kodeiinabhängigen haben auch immer Husten.
taktgenau
am Donnerstag, 19. August 2010, 11:17

tja

@doc.nemo: danke!
@adonis: das ist halt das Problem mit Standardwerken: Bei manchen Themen fehlt es ihnen an Durchblick, vor allem wenn Sie ein Thema in einem Absatz abfertigen, schon über 10 Jahre alt sind oder Marihuana mit THC gleichsetzen. Immerhin ersetzen Sie nicht Studien, Fachartikel und Erfahrungsberichte von Experten, von denen es schon hier und da welche gibt.
doc.nemo
am Donnerstag, 19. August 2010, 10:40

Nachtrag für adonis

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9884175
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673607617061/fulltext

"The overwhelming mountain of evidence showing homeopathy to have no effect beyond placebo is impressive and definitive."
- aus: http://www.sciencebasedmedicine.org/?p=4750

"Nicht eindeutig überlegen ist nicht eindeutig unterlegen" - Homöopathie ist also eine gute Alternative zum Plazebo.
doc.nemo
am Donnerstag, 19. August 2010, 10:02

Nicht eindeutig überlegen ist nicht eindeutig unterlegen

Es geht ja nicht darum, dass Schmerzpatienten ihr Marihuana zuhause auf der Fensterbank selbst anbauen und den Überschuss auf dem Bahnhofsvorplatz verkaufen. Es geht um die Reinsubstanz THC oder zumindest um eine definierte pharmakolgische Zubereitung. Opium ist auch eine illegale Droge und ist dennoch für bestimmte Indikationen verordnungsfähig.

"...none of these attributes of marijuana compounds is clearly superior to other readily available therapies." - Well, not clearly superior does not mean clearly inferior! Wenn es etablierten Therapien zumindest gleichwertig ist, was spricht dann gegen den Einsatz? Vielleicht hilft es in dem einen oder anderen Fall eben doch besser als die bereits etablierten Therapien. Man sollte Ärzten und Patienten zumindest die Möglichkeit geben, das mal auszuprobieren.
adonis
am Mittwoch, 18. August 2010, 15:55

Und aus dem Harrison

"Prevalence of Use

Marijuana is the most commonly used illegal drug in the United States. Use is particularly prevalent among adolescents; studies suggest that ~37% of high school students in the United States have used marijuana. Marijuana is relatively inexpensive and is often considered to be less hazardous than other controlled drugs and substances. Very potent forms of marijuana (sinsemilla) are now available in many communities, and concurrent use of marijuana with crack/cocaine and phencyclidine is increasing.
....
Therapeutic Use of Marijuana

Marijuana, administered as cigarettes or as a synthetic oral cannabinoid (dronabinol), has been proposed to have a number of medicinal properties that may be clinically useful in some situations. These include antiemetic effects in chemotherapy recipients, appetite-promoting effects in AIDS patients, reduction of intraocular pressure in glaucoma, and reduction of spasticity in multiple sclerosis and other neurologic disorders. With the possible exception of AIDS-related cachexia, none of these attributes of marijuana compounds is clearly superior to other readily available therapies."

So und nun mal nebenbei: Beide Quellen sind Standardwerke in der Medizin und nicht ein homöopathisches Manual.
adonis
am Mittwoch, 18. August 2010, 15:29

Aus: Goodman & Gilman's Pharmacology

"Several medicinal benefits of marijuana have been described. These include antinausea effects that have been applied to the relief of side effects of anticancer chemotherapy, muscle-relaxing effects, anticonvulsant effects, and reduction of intraocular pressure for the treatment of glaucoma. These medical benefits come at the cost of the psychoactive effects that often impair normal activities. Thus there is no clear advantage of marijuana over conventional treatments for any of these indications (Joy et al., 1999)"
adonis
am Mittwoch, 18. August 2010, 15:21

@taktgenau, @doc.nemo

@taktgenau: Ich sehe Sie kennen sich bei der Wirkungsweise von Cannabis wohl bestens aus. Nichts geht wohl über persönliche Erfahrung. Und von dieser haben Sie sicherlich einige.

@doc.nemo: Ihre Kritik ist nicht ganz unberechtigt. In der Homöopathie argumentiere ich einfach praxisorientiert. Was hilft ist ok und die Preise für Homöopathika sind ja verkraftbar. Irre ich mich? Placebokontrollierte Studien gibt es meines Wissens jedoch nicht. Bin aber lernfähig.
Nun kann man aber Cannabis wohl kaum mit Homöopathica gleichsetzen. Oder? Nachwievor gehört Cannabis meines Wissens zu den illegalen Drogen. Und ob Cannabis nun wirklich einen wesentliche Verbesserung darstellt ist fraglich.
taktgenau
am Mittwoch, 18. August 2010, 10:43

@ adonis:

Vielleicht sollten sie sich erst einmal über die Medikamente (und deren Studien) informieren bevor Sie hier solche Bierzeltkommentare rülpsen. In einem weiteren Schritt können Sie auch mal mit betroffenen Schmerzpatienten reden (Falls Sie überhaupt welche haben). Eine generelles Grundwissen über THC-haltige Medikamente und Cannabis könnte Ihnen jedenfalls in diesem Zusammenhang nicht schaden.
doc.nemo
am Mittwoch, 18. August 2010, 09:21

@adonis

Hm, irgendwie verstehe ich Sie nicht. Auf der einen Seite verlangen Sie placebokontrollierte Studien zum Wirkungsnachweis von Cannabis, auf der anderen Seite befürworten Sie die Homöopathie, deren Wirkungslosigkeit mehrfach placebokontrolliert nachgewiesen wurde. Was denn nun? Evidence based oder nicht?
adonis
am Mittwoch, 18. August 2010, 08:28

Kleiner Nachbrenner

Na wenn die Grünen den Vorschlag eingebracht hätten, hätte ich gedacht naja. Aber die schwarzgelbe Koalition. Das lässt doch den Verdacht aufkommen, dass es eine grosse Parteispende an die gelbe Partei aus Kolumbien gab.
adonis
am Mittwoch, 18. August 2010, 08:26

Wo darf ich meine Sack Gras bestellen

und die Rechnung zur Krankenkasse schicken? Wo sind hier die geforderten Studien? Placebokontrolliert? Evidence based?
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