Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) hat sich zu ihrer besonderen Verantwortung an Krankenmorden und Zwangssterilisierungen im Dritten Reich bekannt. „In die Zeit des Nationalsozialismus fällt das dunkelste Kapitel der deutschen Psychiatrie“, erklärte die DGPPN im Vorfeld ihrer diesjährigen Jahrestagung.
Zwischen 1939 und 1945 wurden nicht nur etliche jüdisch und politisch missliebige Psychiater aus Deutschland vertrieben, deutsche Psychiater waren laut DGPPN auch maßgeblich an der Zwangssterilisierung von mehr als 360.000 vor allem psychisch kranken Menschen beteiligt. Mindestens 250.000 psychisch Kranke und Behinderte fielen zudem dem sogenannten Euthanasieprogramm zum Opfer.
„Welche Rolle die psychiatrischen Fachgesellschaften in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft spielten, ist bislang noch viel zu wenig problematisiert, aufgearbeitet und diskutiert“, kritisierte die DGPPN. Nicht zuletzt deshalb stellt die Gesellschaft das Thema in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Jahrestagung.
Zudem soll ein laufendes Forschungsprojekt klären, inwieweit die Vorläuferorganisationen der DGPPN am sogenannten Euthanasieprogramm, an der Zwangssterilisation psychisch Kranker, an der Vertreibung von jüdischen und politisch missliebigen Psychiatern sowie an weiteren Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes mitgewirkt haben.
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