Ärzteschaft

Ärzte wollen Sterbehilfe im Berufsrecht neu regeln

Mittwoch, 18. August 2010

Düsseldorf/Berlin – Mit Blick auf die Sterbehilfe plant die Bundesärztekammer eine Änderung des Berufsrechts für Mediziner. Ihr Präsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vom Mittwoch, er stelle sich eine Formulierung vor, wonach ein Arzt Menschen beim Suizid helfen dürfe, wenn er das „mit seinem Gewissen vereinbaren könne“.

Zugleich sollte aber klar gestellt werden, dass dies „nicht zur Aufgabe des Arztes gehört“. Weiter betonte Hoppe: „Wir wollen keinesfalls eine Entwicklung befördern, in der ein Druck auf Schwerkranke entsteht, freiwillig in den Tod zu gehen.“ 

Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte Hoppes Pläne. Damit wachse der Druck auf schwerstkranke Menschen, von einem ärztlich assistierten Suizid Gebrauch zu machen, um anderen nicht zur Last zu fallen, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch in Berlin.

Wenn die Bundesärztekammer diesen Trend verhindern wolle, habe sie nur eine Möglichkeit: „Sie muss sich strikt gegen ärztliche Beihilfe bei der Selbsttötung aussprechen.“ Stattdessen bräuchten betroffene Patienten professionelle medizinische wie pflegerische Unterstützung. 

Mit der Änderung wollen die Ärzte ihr Berufsrecht an die Gesetzeslage anpassen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Juni entschieden, dass ein Abbruch lebenserhaltender Behandlungen auf der Grundlage des Patientenwillens nicht strafbar ist. Während Politiker das Urteil begrüßten, bezeichneten es besonders Vertreter der katholischen Kirche als ethisch nicht zu rechtfertigen. © kna/aerzteblatt.de

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adonis
am Montag, 23. August 2010, 18:27

@adlatus

Warum nicht? Sie haben die freie Entscheidung!!!
adlatus
am Montag, 23. August 2010, 16:18

Herr/Frau über Leben und Tod?

Ich schreibe hier als Nicht-Mediziner: Es ist allein m e i n e Sache, wann ich sterben will!
Weder Politiker, noch Medizinfunktionäre haben hier eine Mitentscheidung zu treffen. Wenn man hier die zum teil abgehobenen Diskussionen verfolgt, ist nur jedem Bürger anzuraten, eine juristisch wasserdichte Patientenverfügung zu verfassen und deren, notfalls gerichtliche Durchsetzung sicherzustellen.

Oder muß ich mich vorsichtshalber lieber vorher, solange ich mich noch eigenständig bewegen kann, vor einen ICE stellen??
alpenjodel2010
am Donnerstag, 19. August 2010, 23:46

Jurales Schnellgericht als Ersatz der Sterbehilfe

Nachdem wir Ärzte und die klerikalen Dinos irgendwie noch antiquierten Aktionismus verbreiten, sollten m.E. solche Einschnitte nicht mehr auf der immer wieder kehrenden Schizoidität der Lebenserhaltung um jeden Preis auf dem Rücken der Ärzte ausgetragen werden, sondern im Rahmen einer Art richterlichen Entscheidung im Rahmen der Selbstbestimmung des freien menschlichen Willens betrachtet werden.
Vielleicht ist das ja ein Denkansatz, der dann nicht mehr über die Ebenen der BÄK abgehandelt werden wird und muss.
SGS1965
am Donnerstag, 19. August 2010, 21:59

Warum vor dem (angeblichen) Zeitgeist zurückweichen?

Die Intention des BÄK ist nachvollziebar, aber dennoch wäre eine Änderung des Berufsrechts nicht richtig. Die Hilfe zur Selbsttötung darf keine tolerierte Behandlungsmethode werden. Das Berufsrecht wirkt als wichtiger Wegweiser im ethischen Dschungel der Sterbehilfe. Das Verbot der Beihilfe gibt Ärzten die Möglichkeit, den Wunsch nach Sterbe(beihilfe) klar abzulehnen und die richtige Alternative der Palliativmedizin zu wählen. Gibt die BÄK bei der Sterbehilfe nach, dann wird es dennoch keine Ruhe geben. Auf die Tolerierung der Sterbebeihilfe wird die Forderung nach aktiver Sterbehilfe folgen und wie könnte die BÄK diese dann ablehnen? Die BÄK sollte auf die Meinung ihrer Mitglieder hören, welche sich mit überwältigender Mehrkeit gegen jede Form von Sterbe(beihilfe) ausgesprochen hat.
doc.nemo
am Donnerstag, 19. August 2010, 10:22

Angst um die Belegung?

Bei der Diskussion um die Sterbehilfe habe ich das Gefühl, dass es der Deutschen Hospizstiftung und auch einigen Medizinethikern nur darum geht, anderen ihre Meinung aufzuzwingen. Können oder wollen sie es nicht begreifen: Niemand, aber auch wirklich niemand ist verpflichtet, sich einem assistierten Suizid zu unterziehen! Werden in den Ländern, in denen der assistierte Suizid bereits möglich ist, die Schwerkranken etwa in Scharen zur finalen Spritze gedrängt? Wohl nicht. Kann sich die Führung der Hospizstiftung nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die ein Siechtum bis zum natürlich Tod auch unter der allerbesten palliativen Betreuung einfach nicht wollen? Ich wiederhole es: N I C H T W O L L E N ! ! ! Maßt sich die Hospizstiftung an, diesen Menschen ihren freien Willen abzusprechen? Oder hat sie etwa Angst um die Belegung ihrer Hospize? Muss sie nicht haben, denn es ist eindeutig, dass der assistierte Suizid immer die absolute Ausnahme bleiben wird.
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