Medizin

Rund eine Million falsche ADHS-Diagnosen bei Kindern in den USA

Mittwoch, 18. August 2010

Washington – In den USA leben einer Untersuchung zufolge möglicherweise fast eine Million Kinder mit einer falschen Diagnose des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsyndroms (ADHS).

Betroffen seien vor allem die jüngeren Kinder einer Jahrgangsstufe in Kindergarten oder Schule, schrieb der leitende Autor der Studie, Todd Elder, von der University Michigan im „Journal of Health Economics“  (doi: 10.1016/j.jhealeco.2010.07.005).

Bei den jüngsten Kindergarten-Kindern eines Jahrgangs etwa werde im Schnitt 60 Prozent häufiger ADHS diagnostiziert als bei den Gruppenältesten. Bei Schulkindern sei der Anteil sogar bis zu doppelt so hoch.
 

Die Diagnose werde zwar häufig von einem Arzt gestellt, oft aber auf Veranlassung der Erzieher oder Lehrer. „Aber die 'Symptome' könnten einfach nur die emotionale und geistige Unreife der jüngeren Kinder widerspiegeln“,  erläuterte Todd in der am Dienstag veröffentlichten Studie.

Die Arzneimittelkosten allein für die mutmaßlich falschen Diagnosen bezifferten die Autoren der Untersuchung auf 320 bis 500 Millionen Dollar (250 bis 390 Millionen Euro). Das staatliche Gesundheitssystem Medicaid werde dadurch mit bis zu 90 Millionen Dollar belastet.

Zudem sind die Langzeitwirkungen einer solchen Behandlung von Kindern mit Psychopharmaka  nicht gut erforscht. Die Wissenschaftler werteten für die Untersuchung die Daten von 12.000 Kindern aus.

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© afp/aerzteblatt.de

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Foxi
am Freitag, 27. August 2010, 13:51

Ergänzung zu meinem Kommentar

Hier können Sie sich informieren, sofern Links in den Kommentaren angenommen werden.

http://www.adhs-kritik.de/leserbriefe/Leserbriefe.html
http://www.buergerstimme.com/Design2/2010-07/legale-kinderdroge-ritalin/
http://www.gesundheitlicheaufklaerung.de/usa-eine-million-falsche-adhs-diagnosen-bei-kindern
Foxi
am Freitag, 27. August 2010, 13:36

wer weiß, vielleicht auch bei uns in Deutschland

@KISAEV zu Ihrem Kommentar
Psychiater und Psychiater ist ein Unterschied. Es gibt Gute und weniger Gute. Mediziner, denen man etwas vorkaut, die das dann so annehmen. Es sind eben auch Menschen und Menschen sind bestechlich, in dem Fall hat die Pharmaindustrie Interesse ihre neuen Medikamente auf den Markt zu bringen.
Früher wurden Probanten bezahlt um Medikamente auszuprobieren. Heute sind es Sie, ich und viele andere die unwissentlich zu Versuchszwecken der Pharma missbraucht werden. Ohne die Mediziner kann die Pharmaindustrie die Werbetrommel nicht bedienen. Sie verstehen was ich meine?

Es scheint immer noch niemand zu merken dass wir bereits amerikanische Verhältnisse in Deutschland als auch in der EU haben, aber man himmelt die USA noch immer an.

In Deutschland nimmt die Zahl der ADHS Kinder zu. Jedes Kind was lebhaft ist, wird ein Zappelphilipp-Syndrom diagnostiziert und schon wird Ritalin und Co. verschrieben.
Vor gut 20 Jahren wurde genau aus dem Grund meinem Sohn Ritalin verordnet. Der Kinderarzt sagte mir damals, dass ich aufpassen sollte, da das Medikament am Markt mit 500 DM gehandelt werden würde und in Amerika Militär Piloten Ritalin bekommen um noch leistungsfähiger zu sein. Außerdem kann Ritalin in der Pubertät süchtig machen. Davor hatte ich angst und war beständig in meinem Kopf. Als mein Sohn anfing zu pubertieren habe ich das Präparat abgesetzt, wodurch er noch aggressiver wurde und ein paar Jahre Drogen nahm.
Ich bin dagegen, diese oder ähnliche Medikamenten Kinder und Jugendlichen zu verordnen. Hier sind die Eltern gefragt, die sich um ihre Kinder kümmern sollten, statt sie vor den Fernseher oder Computer zu setzen. Die Kinder können das gar nicht alles verarbeiten und werden zunehmend aggressiver. Sie fühlen sich in dieser virtuellen Welt wohl, weil sie dieses als Elternersatz annehmen.

Um Ihre Frage zu beantworten, nein, ich habe nicht nur fern gesehen, ich war alleinerziehend und musste ganztägig arbeiten gehen. Unterstützung vom Vater der Kinder hatte ich nicht zu erwarten, so sind mir meine Kinder entglitten.
adonis
am Mittwoch, 25. August 2010, 10:17

@KISAEV

Also das ist doch ein wenig zu einfach dargestellt. Psychiater haben durchaus Ahnung und Krankheiten erfinden sie auch nicht. Dass die Pharmaindustrie allerdings bei ADHD und anderen Erkrankungen kräftig auf die Werbetube drückt und ihren Müll dann auch noch in Internetforen getarnt unterbringt, wäre allerdings zu diskutieren. Auch wenn ich Ihre Kritik teilweise teile, meine ich doch, dass man den Schwarzen Peter nicht den Psychiatern zuschieben darf.
KISAEV
am Mittwoch, 25. August 2010, 09:10

Rund eine Million falsche ADHS-Diagnosen bei Kindern in den USA

Ich bin froh, dass endlich solche Zahlen an die Öffentlichkeit geraten. Aber das ist ja nicht nur in der USA so, sondern bei uns sieht das doch sehr ähnlich aus.
Warum um alles in der Welt wird hier nicht den Psychiatern und der Pharmaindustrie ein Riegel vorgeschoben. Ärzte haben studiert einen Eid geschworen und sie wissen doch genau, das die Psychiater keine Ahnung haben. Sie erfinden doch immer wieder neue Krankheiten nur um Geld zu machen. Hier gute Informationen auf DVD "Ein Milliardengeschäft" und "Das Geschäft mit erfundenen Krankheiten" Wer die 2 DVDs gesehen hat, und die sind nicht einfach sich an zu schauen, da zieht es einem wirklich teilweise den Boden unter den Füßen weg, der unternimmt was und läßt sich nicht mehr so leicht beschwatzen.
adonis
am Dienstag, 24. August 2010, 07:40

Zweifel gab und gibt es immer!!!

Dass es ADHS gibt, darüber gibt es wohl wenig Streitigkeiten. ûber dessen Bedeutung und was dahinter steht gibt es kontroversielle Meinungen. Ich denke auch, dass der Artikel etwas zu pauschal die "amerikanische" Meinung wiedergibt, das sich das NIH bislang meines Wissens nicht geäussert hat.
Richtig ist, dass ADHS in den vergangenen 15 Jahren eine Lieblingsdiagnose wurde, genauso wie das Asperger-Syndrom. Beim letzteren wird die Diagnose ja ehr als wenige trendy empfunden und ehr als herabsetzend.
Einen wichtigen Anteil an der Entwicklung hat allerdings die Pharmaindustrie. Glaubt man nun Pharmareferenten der unterschiedlichesten Firmen, so haben 20 Prozent der Patienten einer Allgemeinpraxis ADHS, 30 Prozent eine Depression, 40 Prozent eine Angststörung und die restlichen Prozent sind Patienten in Altenheimen, die sich aggressiv benehmen und die unbeding Risperdal brauchen. Da stellt sich nun die Frage, zu welcher Gruppe man selbst gehört.
Allerdings hoffe ich, dass es eine Diskussion um die Therapie von Verhaltensstörungen gibt. Aber ich habe wenig Hoffnung. Zu wenig Interesse der Verbände, der PHarma ( die hier vollkommen überflüssig ist) und den Eltern, die ihre Kinder lieber mit irgendwelchem Kram abfüllen.
Leider ist mein Kommentar wenig optimistisch ausgefallen. Liegt aber ein wenig an der Realität.
Cieslak
am Donnerstag, 19. August 2010, 12:25

Des einen Leid, des Anderen Freude

Die Arzneimittelhersteller wird es freuen, verdienen sie doch
500 Millionen ( ! ) Dollar mehr an den Zappelphillipps. Das ist einer der vielen Skandale - die häßliche Kehrseite der chemisch orientierten
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