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4,6 Millionen Obdachlose in Pakistans Katastrophengebiet

Donnerstag, 19. August 2010

Islamabad – Drei Wochen nach Beginn der Über­schwemmungen in Pakistan sind nach Angaben der Vereinten Nationen rund 4,6 Millionen Menschen obdachlos, sagte der Sprecher des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), Maurizio Giuliano, am Donnerstag in Islamabad. Viele Staaten stockten ihre Nothilfe auf. 

Die UNO war bislang von zwei Millionen Obdachlosen unter den 15 bis 20 Millionen von den Überschwemmungen Betroffenen ausgegangen. Die Zahl der Bedürftigen, für die Zelte und Plastikplanen bereitgestellt werden sollen, werde nun mit zwei bis sechs Millionen angesetzt, sagte Giuliano.

„Wir sind zuversichtlich, dass die internationale Gemeinschaft nicht tatenlos zusehen wird, während Millionen Flutopfer draußen leben und bei Nahrungs- und Trinkwassermangel ums Überleben kämpfen“, sagte der OCHA-Sprecher. 

Die UN-Vollversammlung wollte am Donnerstagabend in New York in einer Sondersitzung über die Beschleunigung der Hilfen beraten. An der Sitzung wollten unter anderen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Außenministerin Hillary Clinton teilnehmen. Die Nothilfe lief in Pakistan bislang schleppend an. Krankheiten wie Durchfall, Cholera, Hepatitis und Typhus breiten sich aus. 

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen kündigte an, es werde angesichts des großen Leids in Pakistan das Dreifache der bislang angeforderten Nothilfe verlangen. Anstelle der bislang errechneten Summe von 47 Millionen Dollar werde UNICEF mindestens 141 Millionen Dollar benötigen, sagte der Regionaldirektor für Südasien, Daniel Toole, am Donnerstag telefonisch aus der Provinz Punjab.

7,4 Millionen Menschen seien „schwer“ von der Katastrophe betroffen. Diese Menschen hätten praktisch alles verloren. „Sie haben kein Essen und Wasser. Sie haben keine Kleidung, sie haben kein Dach.“ 

Die von der UNICEF zunächst angeforderten 47 Millionen Dollar gehörten zu den 460 Millionen Dollar Nothilfe, welche die UNO vergangene Woche erbeten hatte. Bislang trafen davon 51 Prozent ein.

Die Gruppe „The Elders“ um den ehemaligen südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan und Ex-US-Präsident Jimmy Carter rief die Staatengemeinschaft auf, schneller zu helfen und ebenso großzügig zu sein wie bei Katastrophen in anderen Ländern.  

Die Bundesregierung kündigte an, ihre humanitäre Soforthilfe um weitere zehn Millionen auf 25 Millionen Euro zu erhöhen. „Das Ausmaß der Überschwemmungen in Pakistan ist weitaus größer als ursprünglich angenommen“, erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP).

Der Beauftragte für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), brach am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch nach Pakistan auf. Er wollte dort Vertreter der pakistanischen Regierung sowie von Hilfsorganisationen treffen. 

Der indische Premierminister Manmohan Singh forderte seinen pakistanischen Kollegen Yousuf Raza Gilani in einem Telefonat auf, Hilfsgelder aus Neu Delhi anzunehmen. Indien hatte vergangene Woche fünf Millionen Dollar an Nothilfe angeboten, aber noch keine Antwort erhalten. Die Beziehungen zwischen den beiden Atommächten sind angespannt. © afp/aerzteblatt.de

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