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Nierentransplantation: Organe von Herztoten gleichwertig

Donnerstag, 19. August 2010

Cambridge – In Großbritannien werden immer häufiger Nieren von herztoten Spendern transplantiert. Nach einer Studie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140- 6736(10)60827-6) sind die Ergebnisse nicht schlechter als bei Organen von hirntoten Spendern.

Bis in die 1970er Jahre stammten die meisten Spenderorgane von herztoten Patienten. Erst als das Konzept des Hirntodes sich allgemein durchgesetzt hat, wurden die Organe Spendern entnommen, deren Herzschlag noch nicht ausgesetzt hatte, die aber infolge fehlender Hirnaktivität für tot erklärt wurden.

Infolge des medizinischen Fortschritts und der sinkenden Zahl von Verkehrstoten, hat die Zahl der potenziellen hirntoten Spender allerdings in den letzten Jahren abgenommen. Dies hat die Diskussion um das „Non-Heart-Beating-Donor“-Verfahren wiederbelebt.

In Großbritannien ist der Anteil an den Nierenspenden von 3 Prozent im Jahr 2000 auf 32 Prozent im Jahr 2009 gestiegen. Die Organe werden zumeist Patienten mit schweren Hirnschäden entnommen, die die Hirntodkriterien (noch) nicht erfüllen, bei denen es aber nach Beendigung der lebenserhaltenden Therapie absehbar zu einem Herzstillstand kommt (Maastricht Kategorie 3).

Die Organe werden möglichst rasch nach dem Herzstillstand entnommen. Dennoch ist die Zeit der „warmen“ Ischämie verlängert. Dies ist die Zeit zwischen dem Herzstillstand dem Beginn der kontrollierten Lagerung, die entweder durch Abkühlung oder durch eine maschinelle Perfusion erfolgt.

Bei 845 Nieren von herztoten Spendern aus 23 britischen Zentren betrug die Warme-Ischämie-Zeit im Durchschnitt 15 Minuten. Die Organe vertrugen diese sauerstofflose Zeit offenbar ohne langfristige Schäden.

Denn die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) war nur in den ersten drei Monaten nach der Transplantation etwas schlechter als bei 8.289 Organen von hirntoten Spendern, bei denen eine warme Ischämie weitgehend vermieden werden kann, da die Organe ja bei der Entnahme noch durchblutet werden.

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Wie die Gruppe um Andrew Bradley von der Universität Cambridge weiter berichtet, wirkte sich die schlechtere GFR nicht negativ auf den Erfolg der Transplantation aus. Obwohl die Funktion der Nieren von herztoten Spender nach der Transplantation doppelt so häufig verspätet einsetzt, unterschieden sich die Transplantatüberlebensraten nach 5 Jahre ebenso wenig wie die Patientenüberlebensraten.

Die unter der Maastricht Kategorie 3 entnommenen Organe sind deshalb nach Ansicht der Autoren für die Patienten ohne Nachteile. Sie seien eine extrem wichtige und bisher weitgehend ungenutzte Quelle für qualitativ hochwertige Spendernieren. Diesem Urteil schloss sich auch, wenn auch vielleicht nicht ganz so enthusiastisch, der Editorialist Peter Morris von der London School of Hygiene and Tropical Medicine an (Lancet 2010; doi: 10.1016/S0140- 6736(10)61078-1).

Peter sieht weiteren Forschungsbedarf, was den landesweiten Austausch der Organe betrifft (die meisten Organe von herztoten Spender wurden bisher lokal weitergegeben) und die Verwendung einer maschinellen Perfusion (beim Transport) betrifft.

Der Experte regt aber an, auch Organe von Maastricht Kategorie 2-Spendern zu akzeptieren. Das sind Personen, die in der Klinik nach einem unerwarteten Herzstillstand nicht erfolgreich reanimiert werden konnten.

Die NHS Blood and Transplant (NHSBT), die in Großbritannien die Verteilung der Spenderorgane organisiert, begrüßte die Studie als einen Beitrag zur Schließung der Versorgungslücke. In Großbritannien können jährlich nur 2.500 Nierentransplantationen bei 7.000 Patienten auf der Warteliste durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

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