Medizin

Tai Chi lindert Fibromyalgie

Donnerstag, 19. August 2010

Boston – Ein intensiver 12-wöchiger Tai Chi-Kurs hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2010; 363: 743-754) bei Patienten mit Fibromyalgie den Aktionsradius erweitert und die Lebensqualität verbessert.

Das diagnostisch schwer fassbare Fibromyalgiesyndrom entzieht sich bisher weitgehend medizinischen Behandlungen. Ein Beispiel aus dem Editorial ist die Therapie mit Duloxetin, das in einer randomisierten Studie bei etwa der Hälfte der Patienten die Schmerzen nur leicht linderte.

Den gleichen Effekt erzielte bei einem Drittel der Patienten ein Placebo, ohne die Patienten mit den Nebenwirkung des Medikaments zu belasten. Es wundert deshalb nicht, dass viele Patienten sich alternativen Therapien zuwenden, zu denen auch Tai Chi (Tàijíquán) gehört.

Die im alten China entwickelte innere Kampfkunst “Schattenboxen” besteht aus sanften Übungen mit fließenden, zirkulären Bewegungen des Körpers, die mit bestimmten Atemübungen verbunden sind. Das Ziel ist eine Meditation, bei der die Lebensenergie “Chi” durch den Körper fließen soll.

Aus medizinischer Sicht ist Tai Chi eine komplexe Intervention, die körperliche, psychosoziale, emotionale, spirituelle und verhaltenstherapeutische Elemente umfasst. Dabei trainiert Tai Chi den Gleichgewichtssinn.

Die vielfältigen Bewegungen der Gelenke können Patienten mit rheumatischen Erkrankungen helfen ihre Gliedersteife zu überwinden. Eine Anwendung scheint auch beim Fibromyalgie-Syndrom (früher auch als Weichteilrheumatismus bezeichnet) sinnvoll. Die sanften Übungen sollen hier schmerzfreie Bewegungen ermöglichen und den Aktionsradius der Patienten erweitern.

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Dies ist den Teilnehmern einer zugegebenermaßen kleinen Studie an 66 Fibromyalgiepatienten auch gelungen. Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert. In einer Gruppe nahmen die Teilnehmer zweimal die Woche an einstündigen Vorträgen zur der Erkrankung teil.

In der anderen Gruppe erlernten die Teilnehmer während dieser Zeit eine vereinfachte Variante der Yang-Form, die sie täglich zuhause über 20 Minuten praktizieren sollten. Am Ende erhielten sie noch eine Instruktions-DVD, um die Übungen zuhause fortzusetzen.

Der Erfolg kann sich sehen lassen. Nach 12 Wochen hatte sich der „Fibromyalgia impact questionnaire“ (FIQ), der die Einschränkungen in Beruf und Alltag erfragt, von 63 auf 35 Punkte verbessert, während es in der Kontrollgruppe nur eine geringere Verbesserung (von 68 auf 59 Punkte) gab. Auch in sekundären Endpunkten zur Lebensqualität, zur Stimmung, Schlafqualität, Schmerzbeherrschung und körperlicher Ausdauer verzeichneten die Teilnehmer der Tai Chi-Kurse Verbesserungen.

Eine einzelne randomisierte Studie dürfte für evidenzbasierte Empfehlungen nicht ausreichen. Einem wissenschaftlichen Wirkungsbeleg entzieht sich Tai Chi jedoch mehr noch als andere altchinesische Therapien. Denn während für die Akupunktur verschiedene Formen der Scheinbehandlung entwickelt wurden, dürfte dies für die Bewegungsübungen bei Tai Chi kaum möglich sein. © rme/aerzteblatt.de

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Businesspaar
am Samstag, 21. August 2010, 08:30

Nix gelernt

...wenn man böse wäre, könnte man behaupten, manche Menschen wurden dumm geboren und haben nie was dazu gelernt. Der getretene Köter jault eben.
doc.nemo
am Freitag, 20. August 2010, 12:10

Im Forum werden Sie geholfen

Ich habe meinen Beitrag sicherheitshalber mehrfach durchgelesen und beim besten Willen keine abfälligen Bemerkungen über andersdenkende Kulturen finden können. Ich habe überhaupt nichts über andere Kulturen geschrieben. Ich habe sinngemäß gesagt, dass TaiChi und andere Methoden, die nicht zur "science based" Medizin gehören, ihre nachvollziehbaren Wirkungsbereiche besitzen. Aber vielleicht ist es schwierig für Nichtmediziner, den medizinischen Inhalt eines Textes zu verstehen. Im übrigen glaubt kein einziger erstzunehmender "Schulmediziner", er würde die Bevölkerung gesund erhalten oder gar Krankheiten heilen. Kaum etwas ist seltener in der Medizin als eine echte Heilung. Das schaffen eigentlich nur Antibiotika und Chirugen in bestimmten Fällen. Der Rest doktort mehr oder weniger erfolgreich an den Symptomen meist unheilbarer Krankheiten herum. Natürlich darf das Businesspaar seinen ausgedehnten Hinterwandinfarkt oder die massive Magenulcusblutung gerne mit traditioneller chinesischer Notfallmedizin behandeln lassen, wenn die "Schulmedizin" sonst unsägliches Elend über sie bringen würde. Oder nimmt man vielleicht "zähneknirschend" Schulmedizin als Ergänzung zur TCM in Kauf, weil auf der Intensivstation des Zentralkrankenhauses grad kein TCM-ler greifbar ist? Wird man dann wieder (halbwegs) gesund, lag's natürlich nur an der chinesischen Medizin, die dann gleich auch noch die massiven Schäden der Schulmedizin beseitigt hat. Da frage ich mich, wer von uns dreien wohl träumt.

Übrigens, falls Sie die eine oder andere medizinische Aussage nicht verstehen sollten, fragen Sie einfach im Forum nach - da werden Sie geholfen.
Businesspaar
am Freitag, 20. August 2010, 11:09

Jede Art REGELMÄßIGER Bewegung ...

... dient ohne Zweifel der Gesundheit. Da muss man als bedingunsloser, scheuklappenbelasteter Hardcoreschulmediziner keinesfalls sinnlose und regelrecht dumme und abfällige Urteile über anerkannte fernöstliche Bewegungsmöglichkeiten vom Stapel lassen. Sie sollten sich schämen. Wer sich derart abfällig über "Andersdenkende" Kulturen äußert, ist seiner verantwortungsvollen Stellung als Mediziner unwürdig. Sollen wir Ihnen einmal den Spiegel vor Augen halten, der Ihnen aufzeigt, welches Elend große Teile der "Schulmedizin" anrichten. Wollen Sie ernsthaft behaupten, dass Sie den mehrheitlichen Bevölkerungsanteil hier "GESUNDHALTEN"? Dann träumen Sie schön weiter! Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hier in Deutschland ist KRANK! Nur etwa 15 dürften sich als gesund bezeichnen. Lesen Sie dazu einfach mal die neueste Studie der Sporthochschule Köln. Die können Sie sich kostenlos auf Ihren Rechner laden, 47 Seiten. Werden Sie endlich Ihrer verantwortungsvollen Aufgabe gerecht und beginnen bei den Ursachen der unterschiedlichen Krankheitsbilder Ihrer Patienten. Und da können Sie gehörig viel lernen von Ihren "Kollegen" aus Fernost oder auch aus dem Orient. Man könnte glatt das kalte K..... kriegen. Jammern hier über Geld rum und kriegen nix wirklich auf die Reihe. Das ist eine ganz persönliche Einschätzung des Verfassers!!!
doc.nemo
am Freitag, 20. August 2010, 10:28

Klar, TaiChi wirkt

Klar wirkt TaiChi - so wie bei psychisch überlagerten oder gar dominierten Symptomatiken fast alle Maßnahmen aus der nicht-pharmakologischen und nicht-interventionellen Szene wirken, seien es nun alternativedizinische Methoden, Esoterik oder auch nur geeignet offerierte Plazebos. Wichtig ist, dass Patient und Arzt daran glauben und die Anwendung der Maßnahme in einem gewissen rituell inspirierten Setting durchgeführt wird. Bei mir würde TaiChi garantiert nicht besser wirken als Krankengymnastik oder geeignete sportliche Betätigung. Und zumindest letztere ist kostenlos. Auf Begleitrituale kann ich gern verzichten.
alpenjodel2010
am Donnerstag, 19. August 2010, 23:52

Ein echter Sommerlochartikel

Immer wieder erstaunlich welche sinnlosen Seitenfüller zur Sommerzeit aus der Mottenkiste hervorgezaubert werden.
Ich empfehle als Musiktherapeut, der viele tausende Patienten in randomisierten und evidenz basierenden Studien untersucht hat, den allseits beliebten Titel von Mango Jerry: In the summertime, wen the weather is high...
JSchuster
am Donnerstag, 19. August 2010, 20:31

TaiChi wirkt !

ich gebe "adonis" völlig recht. Es gibt inzwischen so zahlreiche Studien die die Wirksamkeit von TaiChi belegen, dass ein Zweifel daran eher an den Haaren herbeigezogen scheint.
Ist es nicht bereits selbstverständlich und zutiefst logisch, dass Bewegung und Entspannung in einer eher körperfeindlichen Arbeitswelt und Freizeit (auf der Couch) therapeutische Bemühungen bei vielerlei Indikationen unterstützen??
adonis
am Donnerstag, 19. August 2010, 18:38

An die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes.

Witzig fand ich diese Passage Ihres Artikels: "Eine einzelne randomisierte Studie dürfte für evidenzbasierte Empfehlungen nicht ausreichen. Einem wissenschaftlichen Wirkungsbeleg entzieht sich Tai Chi jedoch mehr noch als andere altchinesische Therapien. Denn während für die Akupunktur verschiedene Formen der Scheinbehandlung entwickelt wurden, dürfte dies für die Bewegungsübungen bei Tai Chi kaum möglich sein. "
Nun wäre es angebracht das für die klassische Krankengymnastik und Arbeitstherapie zu fordern. Denn einen Beweis für deren Effektivität gibt es bei weitem nicht.
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