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Hausarztproteste treffen vor allem die Landbevölkerung

Donnerstag, 26. August 2010

München – Heute hat die zweitägige Protestaktion der bayerischen Hausärzte begonnen. Nach Aussagen des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) werden im Freistaat an beiden Tagen tausende Praxen geschlossen bleiben. Davon scheinen besonders Patienten in ländlichen Regionen betroffen zu sein.

„Wir gehen davon aus, dass sich 80 bis 90 Prozent der Landarztpraxen an unserer Aktion beteiligen“, erklärte BHÄV-Vorsitzender Wolfgang Hoppenthaller heute gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Damit hätte die Kampagne ihr Ziel erreicht, auf die große Bedeutung der hausärztlichen Versorgung hinzuweisen. „Die Sicherung der Versorgung einer immer älter werdenden Bevölkerung in einem Flächenstaat wie Bayern ist ohne Hausärztinnen und Hausärzte schier undenkbar“, so Hoppenthaller weiter.

Während auf dem Land schon heute ein Medizinermangel drohe, könnten die von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vorgesehenen Kürzungen die Situation weiter verschärfen, fürchtet der Verband. Viele Ärzte sähen sich dadurch sogar in ihrer Existenz bedroht.

Das Bundesgesundheitsministerium wies die Bedenken der bayerischen Hausärzte zurück. „Die Ängste, die von Verbandsvertretern geschürt werden, sind unberechtigt“, sagte ein Sprecher von Rösler in Berlin.

Die schwarz-gelbe Koalition wolle die Hausarztversorgung nicht beschneiden, sondern stärken. „Kein Hausarzt wird schlechter gestellt“, sagte der Sprecher und fügte hinzu: „Im Übrigen gilt: Laufende Hausarztverträge genießen Bestandsschutz. Das ist in Bayern der Fall.“

Hoppenthaller hingegen griff Rösler scharf an. Die Äußerungen aus seinem Ministerium stimmten „hinten und vorne nicht“. Die Verträge blieben zwar bestehen, aber jeder Vertrag laufe aus. „Und danach ist dann Feierabend“, stellte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes fest.

Erneut erklärte Hoppenthaler, der Protest richte sich keinesfalls gegen die Patienten. „Der ganz überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten unterstützt unseren Protest sogar“, sagte der Verbands-Chef. Zudem stelle der Verband durch Bereitschaftsdienste sicher, dass die Patientenversorgung auch während der zweitätigen Praxisschließungen gewährleistet sei.

„Das wäre zwar eigentlich Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung“, so Hoppenthaler. Er kündigte an, die Reformpolitik der Koalition genau zu beobachten und bei Bedarf weitere Protestmaßnahmen zu initiieren. 

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion stellte sich hinter die Hausärzte. Die geplanten Änderungen machten die Hausarztverträge „zur Makulatur“, sagte die SPD-Gesundheitspolitikerin Sabine Dittmar. „Sie werden sich von selbst erledigen, weil sie keiner mehr abschließt“, sagte sie.

Auch Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) zeigte Verständnis für die Proteste. Er werde sich im Bund für die Belange der Hausärzte einsetzen, sagte er.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrike Flach, stärkte dagegen ihrem Parteikollegen Rösler den Rücken. Sie verwies auf ein für 2011 erwartetes Defizit von elf Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung. Es sei daher notwendig, „alle Akteure des Gesundheitswesens an der Finanzierung zu beteiligen“. Die Umstellung bedeute zudem keine Kürzung der Honorare, sondern lediglich einen geringeren Zuwachs im nächsten Jahr.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, Theresa Schopper, äußerte sich kritisch zu den Protesten. Sie könne nicht nachvollziehen, „wenn trotz der Zusicherung von Gesundheitsminister Rösler, dass laufende Hausarztverträge Bestandsschutz genießen, in Bayern gestreikt wird“.

Eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), die die Aktion bereits vor dem Start kritisiert hatte, wies darauf hin, dass jeder Arzt eine Vertretung benennen müsse. Zudem habe die KVB eine Service-Telefonnummer eingerichtet, unter der sich Versicherte informieren können, welche Praxen trotz der Proteste geöffnet haben. Die Patienten müssten sich aber auf längere Wartezeiten einstellen.

Mit ihren Praxisschließungen wenden sich die bayerischen Hausärzte gegen die Pläne, die Regelungen für die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) zu verschlechtern und die HzV-Sondervergütung für HzV um 500 Millionen Euro pro Jahr zu kürzen. © hil/ddp/aerzteblatt.de

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marc
am Freitag, 27. August 2010, 07:02

Unattraktiv

Auf dem Land in Brandenburg ist die Lage schon dramatisch. Es ist nur eine Frage der Zeit wann auch attraktivere Gebiete betroffen sind.
Wer möchte schon noch Geld, für die Übernahme einer abgetakelten Praxis bezahlen und dann ständig sinkende Punktwerte und Regressforderungen der Krankenkassen am Hals haben?
Als angestelleter Arzt im MVZ das wirkt da schon sicherer...wenn die Bezahlung stimmt.
Die KV ist nicht da um Probleme zu lösen ,die ist ein Teil des Problems das wissen doch mitlerweile alle ,nicht zuletzt Herr Hoppenthaller

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