New Haven – Bei der sogenannten “Konfetti”-Ichthyose, einer seltenen Variante der sogenannten Fischschuppen-Krankheit bilden sich im Verlauf des Lebens Inseln gesunder Haut inmitten einer Erythrodermie heraus. US-Forscher führen sie in Science (2010; doi: 10.1126/science.1192280) auf ein seltenes Phänomen zurück, das eine genetische Selbstheilung ermögliche.
Die “Konfetti”-Ichthyose gehört zu den äußerst seltenen Dermatosen, für die es fast mehr Bezeichnungen als Patienten gibt. Der Begriff “Ichthyose en confettis” wurde von französischen Dermatologen geprägt. Der deutsche Fachausdruck lautet kongenitale retikuläre ichthyosiforme Erythrodermie.
Treffender ist das ebenfalls gebräuchliche Ichthyosis variegata, denn die Erkrankung verändert sich im Verlauf des Lebens. Die Kinder werden mit einer schweren Erythrodermie geboren. Oftmals ist die gesamte Haut befallen. Sie ist gerötet, verdickt und es bilden sich die schuppenähnlichen Merkmale der Ichthyose.
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Durch einen Genvergleich zwischen gesunder und erkrankter Haut konnten das Forscherteam um Richard Lifton von der Yale Universität in New Haven/Connecticut den verantwortlichen Gendefekt ermitteln: Ursache sind (verschiedene) Mutationen im KRT10-Gen auf dem Chromosom 17.
Alle Mutationen führen zu einer Rasterverschiebung beim Umsetzen der Erbinformation in das Genprodukt Keratin 10. Das Protein ist völlig unbrauchbar. Es wird gar nicht, wie dies normalerweise der Fall ist, in das Zytoskelett im Zytoplasma eingebaut, sondern im Zellkern und dort am Nukleolus abgelagert. Die Folge ist eine schwere Barrierestörung der Epidermis, die sich als Ichthyose manifestiert. Die Haut ist sehr anfällig für Infektionen. Viele Patienten sterben früh.
Doch warum erholen sich einige Hautregionen im Verlauf des Lebens überhaupt? Lifton kann zeigen, dass in den gesunden Hautregionen nicht nur der Gendefekt verschwunden ist. Eine ganze Region des Chromosoms wurde gegen die des Schwesterchromosoms ausgetauscht.
Die Forscher sprechen von einer mitotischen Rekombination. Sie führt dazu, dass nach einer Zellteilung, beide defekten Gene auf eine Zelle übergehen, während die andere Zelle gesund ist. Diese hat einen Selektionsvorteil gegenüber den benachbarten erkrankten Hautzellen und kann sie nach und nach verdrängen. Es kommt zur Bildung der weißen Flecken, die bis zu geldstückgroß werden. Für eine Ausheilung der Erkrankung reicht dies allerdings nicht aus.
Aus den Studienergebnissen lässt sich aber ein neuer Forschungsansatz ableiten. Denn wenn die mitotische Rekombination sich künstlich herbeiführen und steuern ließe, könnte die Ichthyosis variegata zur kompletten Ausheilung gebracht werden. Möglicherweise ließe sich das Prinzip auch auf andere genetische Erkrankungen übertragen, hofft Lipton.
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