Boston – Neue Hirnläsionen treten bei Patienten mit multipler Sklerose im Frühjahr und Sommer deutlich häufiger auf als in den beiden anderen Jahreszeiten. Dies ergab eine Studie an unbehandelten Patienten in Neurology (2010; 75: 799-806).
Dominik Meier vom Brigham and Women's Hospital in Boston hat die kernspintomographischen Aufnahmen von 44 Patienten ausgewertet. Sie datieren aus den Jahren 1991 bis 1993, als es noch keine Medikamente gab, die den Verlauf der multiplen Sklerose günstig beeinflussen.
Die Patienten wurden nicht therapiert, und die Krankheitsaktivität wurde im Anschluss an die Diagnose relativ großzügig überwacht. In den ersten acht Wochen wurde wöchentlich eine Aufnahme angefertigt. Es folgten acht weitere Scans im Abstand von jeweils 2 Wochen und schließlich noch sechs monatliche Kontrollen.
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Diese Beobachtung dürfte nicht nur Überlegungen zur Pathogenese der multiplen Sklerose stimulieren, deren Häufigkeit zu den Polen hin – also mit abnehmender Sonnenintensität – zunimmt. Sie könnte auch die Ergebnisse klinischer Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen, gibt die Editorialistin Anne Cross von der Washington University School of Medicine in St. Louis zu bedenken (Neurology 2010; 75: 762-763).
Die Laufzeit der Studie beträgt typischerweise sechs oder zwölf Monate. Wenn eine Studie im Frühjahr beginnt und im Winter endet, könnte eine vermeintliche Wirkung beobachtet werden, die in Wirklichkeit auf den Wechsel der Jahreszeit beruht. Da die Studien in der Regel placebokontrolliert sind, sollte dies allerdings auch die Kontrollgruppe betreffen.
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