Zerebralparese bei übertragenen Kindern häufiger
Mittwoch, 1. September 2010
Bergen – Nicht nur frühgeborene Kinder haben ein erhöhtes Risiko an einer Zerebralparese zu erkranken. Nach einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 976-982) steigt das Risiko auch bei übertragenen Schwangerschaften an.
Die Ursache der Zerebralparese ist unklar. Frühgeburten gehören zu den wichtigsten Prädiktoren, doch drei Viertel der betroffenen Kinder werden nach der 36. Gestationswoche geboren. Dag Moster von der Universität Bergen kann jetzt erstmals zeigen, dass auch eine sehr lange Gestationsdauer das Risiko erhöht.
Dazu glich der Forscher die Daten des norwegischen Geburtenregisters, das die Gestationszeit erfasst, mit anderen Registern ab, die Versorgungsansprüche der Kinder bearbeiten. Ein solcher Abgleich ist in skandinavischen Ländern leicht möglich, da alle Bewohner eine zentrale Identifikationsnummer haben, die von allen Registern übernommen wird.
Das Ergebnis war eine U-förmige Kurve der Prävalenz in Abhängigkeit vom Gestationsalter. Am seltensten war die Behinderung bei Kindern, die in der 40. Woche geboren wurde. Die Prävalenz stieg bei einer Frühgeburt in der 38. Woche um 30 Prozent und bei einer Frühgeburt in der 37. Woche um 90 Prozent an. Aber auch eine Geburt in der 40. Woche oder danach war mit einem um 40 Prozent erhöhten Risiko verbunden.
Noch deutlicher waren die Risiken in einer Untergruppe, in der das Gestationsalter mittels Ultraschalluntersuchung bestimmt worden war. Hier war das Risiko auf eine Zerebralparese bei einem Gestationsalter von 37 Wochen 3,7-fach erhöht. Für Kinder, die erst in der 42. Woche entbunden wurden, ermittelte Moster ein 2,4-fach erhöhtes Risiko. Der optimale Zeitpunkt der Geburt wäre demnach die 39. bis 41. Woche.
Ob allerdings eine Einleitung der Geburt in dieser Zeit die Rate der Zerebralparesen senken würde, kann aus der Studie nicht abgeleitet werden. Die Ursachen für die Hirnschädigung sind unbekannt und es ist vorstellbar, dass ein intrauterin erworbener Schaden dazu führt, dass die Kinder zu früh oder zu spät geboren werden.
© rme/aerzteblatt.de
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