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Adoleszenz: Schlafmangel erzeugt Stress und Übergewicht

Mittwoch, 1. September 2010

Sydney/Boston – Zu wenig Schlaf bekommt Teenagern und jungen Erwachsenen nicht. Zwei aktuelle Studien zeigen, dass der Schlafentzug anfällig für psychische Störungen macht und eine ungesunde Ernährung begünstigt.

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Der Übergang zum Erwachsenenalter ist für viele Menschen eine Krisenzeit, in der mentale Störungen nicht selten sind. In der DRIVE-Study, die ursprünglich nach den Ursachen für die häufigen Verkehrsunfälle bei 17- bis 24-Jährigen in Australien suchen sollte, stellten Nick Glozier von der Universität Sydney und Mitarbeiter bei jedem dritten der 20.000 Teilnehmer eine psychologische Belastungsstörung fest (Sleep 2010; 33: 1139-1145).

Viele Jugendliche wirkten nervös, übermüdet, ohne Hoffnung, unruhig, depressiv, traurig oder sie gaben in den Fragebögen an, dass sie sich wertlos fühlen. Dafür gibt es sicherlich viele Gründe, einer könnte jedoch der Schlafmangel sein, ohne den der Lebensstil vieler Adoleszenten nicht zu bewältigen ist.

Etwa jeder fünfte Studienteilnehmer bekam weniger als die in dieser Altersgruppe empfohlenen acht Stunden Schlaf pro Tag, für einige war die Nacht sogar schon nach fünf Stunden beendet. Diese Kurzschläfer litten häufiger als andere unter psychischen Störungen.

Glozier stellt eine lineare Beziehung fest: Je weniger Schlaf die jungen Erwachsenen bekamen, desto häufiger waren sie psychisch auffällig. Glozier betont, dass die Zusammenhänge vermutlich komplex sind. Sicherlich wirke sich Schlafmangel negativ auf die Fähigkeiten zur Stressbewältigung aus. Es könne aber auch sein, dass chronischer Stress die Ursache von Schlafstörungen und damit Schlafmangel sei.

Auf eine andere negative Auswirkung des schlaflosen Lebensstils vieler Teenager ist die Arbeitsgruppe um Susan Redline von der Harvard Medical School in Boston gestoßen. Sie hatte bei 240 Teilnehmern der Cleveland Children's Sleep and Health Study die Schlafdauer mittels eines Aktigrafen gemessen. Das Gerät von der Größe einer Armbanduhr zeichnet nächtliche Bewegungen auf. Die Ernährungsgewohnheiten waren von ausgebildeten Assistenten erfragt worden.

Ergebnis der in Sleep (2010; 33: 1201-1209) publizierten Studie: Teenager, die weniger als die in der Altersgruppe von 16 bis 19 Jahren empfohlenen neun Stunden Schlaf erhielten, ernährten sich ungesund. Sie bevorzugen häufiger fettiges Fastfood gegenüber gesünderer kohlenhydrathaltiger Nahrung.

Doppelt so häufig griffen sie zu Snacks, um ihren Hunger schnell zu stillen, statt sich Zeit für eine normale Mahlzeit zu nehmen. Nicht wenige benötigten dann in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr noch eine Extramahlzeit. Besonders deutlich waren die Auswirkungen bei den weiblichen Teenagern.

Wie in der australischen Studie ist es schwer, eine Kausalität herzustellen. Redline hat jedoch eine plausible Erklärung für die Auswirkungen des Schlafmangels auf die Ernährung. Sie weist auf Störungen in der Produktion von Leptin und Ghrelin hin, den beiden für die Regulation des Appetits zuständigen Hormone.

Es könnte aber nicht ausgeschlossen werden, dass einfach die längeren Wachzeiten und die Freizeitaktivitäten die Teenager zum Fastfood verführen. Bei den Mädchen komme möglicherweise eine Neigung zum “emotionalem Essen” hinzu, der vermehrten Nahrungszufuhr unter mentalem Stress. © rme/aerzteblatt.de

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