Tuberkulose: Sputumschnelltest liefert Ergebnis nach 90 Minuten
Donnerstag, 2. September 2010
Genf – Ein neuer Test verspricht eine schnelle und einfache Sputumuntersuchung auf Tuberkulose. In einer Studie im New England Journal of Medicine (2010; doi: 10.1056/NEJMoa0907847) erzielte der Test exzellente Ergebnisse. Auch Resistenzen auf Rifampicin wurden erkannt.
Der Schnelltest ist eine Entwicklung der kalifornischen Firma Cepheid. Er basiert auf der Polymerasekettenreaktion (PCR), mit der seit einiger Zeit auch die Gene von Mycobacterium tuberculosis nachgewiesen werden können.
Da Resistenzen genetisch fixiert sind, lässt sich auch die Empfindlichkeit der Antibiotika vorhersagen. Der Schnelltest ist in der Lage, eine Rifampicin-Resistenz zu erkennen, was ebenfalls schon länger möglich ist.
Die eigentliche Innovation besteht darin, dass der Test ohne großen Aufwand durchgeführt werden kann, da er fast vollständig automatisiert ist. Der Anwender muss lediglich das Sputum in die Einmalkartusche “Xpert MTB/RIF” füllen und eine bakterizide Pufferlösung hinzufügen. Der Rest wird von dem Automaten “GeneXpert” übernommen.
Dort wird die Sputumprobe automatisch gefiltert und gewaschen. Danach werden die Erreger per Ultraschall lysiert, um die DNA aus den Zellen freizusetzen. Es folgt die Zugabe der PCR-Reagenzien und schließlich die eigentliche PCR-Reaktion, deren Ergebnis etwa 90 Minuten nach Einschieben der Kartusche ausgedruckt wird.
Das scheint nicht nur sehr einfach zu sein. Auch die Ergebnisse können sich sehen lassen, wie die Studie an 1.730 Patienten mit vermuteter Lungentuberkulose zeigt, über die Catharina Boehme von der Foundation for Innovative New Diagnostics (FIND), eine Nonprofit-Organisation aus Genf berichtet.
Der Test identifizierte 98 Prozent aller später kulturell bestätigter Mykobakterien und 98 Prozent der Rifampin-resistenten Erreger. Er erkannte die Erreger auch in jenen 70 Prozent der Fälle, in denen bei der mikroskopischen Abstrichuntersuchung keine Erreger gesehen wurden.
Der Test könnte deshalb diese Abstrichuntersuchung ersetzen, der mehrwöchige kulturelle Nachweis dürfte, vor allem wegen der zunehmenden Zahl anderer Resistenzen, weiter notwendig bleiben. Der Test wurde für die Entwicklungsländer entwickelt.
Ob die Anwendung dort wirklich praktikabel ist, muss noch in Feldstudien geprüft werden, wendet der Editorialist Peter Small vom Institute for Systems Biology in Seattle ein, der auch die Bill and Melinda Gates Foundation vertritt (NEJM 2010; doi: 10.1056/NEJMe1008496).
© rme/aerzteblatt.de
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