London – Der Appetitzügler Sibutramin, der in Europa im Januar 2010 vom Markt genommen wurde, hat weiterhin Anhänger. Im New England Journal of Medicine (2010; 363: 905-917) verteidigen die Autoren der Scout-Studie, deren Ergebnisse die Rücknahme verursachte, die Sicherheit des Wirkstoffs, der in den USA weiterhin zugelassen ist.
Sibutramin wurde in den USA 1997 und in Deutschland 1999 zugelassen. Schon damals war klar, dass der Serotonin-Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer, der von der Molekülstruktur her mit den Amphetaminen verwandt ist, den Blutdruck im Durchschnitt um 1 bis 3 mm Hg und die Herzfrequenz im Durchschnitt um 4 bis 5 Schläge pro Minute erhöht.
Das lässt eine Gefährdung von Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen vermuten, und vereinzelte Berichte über Todesfälle sorgten bald für Diskussionen. Die europäische Arzneimittelagentur führte 1999 und 2002 Prüfungen durch, kam aber zum Schluss, dass die Vorteile größer sind als die Risiken.
Der Hersteller Abbott (später Wyeth, heute Pfizer) musste die Sicherheit des Medikaments in einer Studie zu prüfen. Die Ergebnisse dieser 2002 begonnenen SCOUT-Studie (Sibutramine Cardiovascular Outcome Trial) wurden im Oktober 2009 bekannt.
Sie waren Anlass für die Marktrücknahme im Januar 2010 in Europa. In den USA ist das Medikament weiter zugelassen. Es gibt nicht einmal eine Kontraindikation bei Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen.
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Das gewünschte Ergebnis war eine Gewichtsabnahme um durchschnittlich 4,3 kg. Im weiteren Verlauf der Therapie nahmen die Studienteilnehmer jedoch wieder 0,5 kg zu. Insgesamt blieb die Gewichtsabnahme unter der 5-Prozent-Marke, welche die FDA heute als Voraussetzung für eine Zulassung fordert.
Der insgesamt begrenzten Gewichtsabnahme steht eine erhöhte Rate von kardiovaskulären Ereignissen gegenüber, die in der SCOUT-Studie im Sibutramin-Arm bei 11,4 Prozent und im Placebo-Arm bei 10,0 Prozent der Patienten beobachtet wurden. Überwiegend handelte es sich um nicht-tödliche Herzinfarkte und nicht-tödliche Schlaganfälle.
Die kardiovaskuläre Sterblichkeit und die Gesamtsterblichkeit waren nicht erhöht, wie die jetzt von Philip James von der London School of Hygiene and Tropical Medicine und Mitarbeitern veröffentlichten Daten zeigen.
Für James, der die Studie im Auftrag des Herstellers durchführte und – wie andere Mitarbeiter auch – eine lange Liste von Interessenskonflikten offenlegt, gibt es deshalb keinen Grund, den Wirkstoff zu verbieten. Dies sieht die Redaktion des New England Journal of Medicine ganz anders.
Die Studie zeige, dass Sibutramin nur eine minimale Gewichtsabnahme bewirke, die den Teilnehmern keine erkennbaren medizinischen Vorteile bringe. Im Gegenteil: Die Number needed to harm von 70 in der Gesamtgruppe der SCOUT-Teilnehmer und 52 bei Patienten mit bekannten kardiovaskulären Vorerkrankungen zu Studienbeginn sprächen gegen den Einsatz.
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