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Ösophaguskrebs: Seltene Folgen von Bisphosphonaten

Freitag, 3. September 2010

Belfast/Oxford – Die Analyse einer Datenbank britischer Hausarztpatienten ergab, dass die langfristige Anwendung von Bisphosphonaten das Ösophaguskrebsrisiko erhöht. Die Gefahr ist allerdings sehr gering und stellt den Einsatz der Osteoporosemedikamente nicht infrage. Vorsicht könnte bei Patienten geboten sein, die unter der Therapie eine Ösophagitis entwickeln.

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Dyspepsien gehören zu den bekannten Nebenwirkungen von Bisphosphonaten, und bei einigen Patienten kann es zu einer Ösophagitis bis hin zu ösophagealen Ulzerationen kommen. Über den Barrett-Pathomechanismus könnte dies zur Entwicklung von Ösophaguskarzinomen führen. Bisphosphonate stehen deshalb seit einiger Zeit im Verdacht, hier krebserregend zu sein.

Den Arzneibehörden in den USA, Europa und Japan sind in den letzten Jahren auch zahlreiche Fälle von Ösophaguskarzinomen bei Patienten mitgeteilt worden, die über längere Zeit mit Bisphosphonaten behandelt wurden (NEJM 2009; 360: 89-90).

Dies war der Anlass zu zwei Analysen der General Practice Research Database, die Daten zu mehr als 4 Millionen britischer Hausarztpatienten gesammelt hat. Dort werden neben den Krankheitsdiagnosen auch die Verordnungen von Medikamenten dokumentiert, was eine Risikoanalyse ermöglicht.

Vor wenigen Wochen hatte Chris Cardwell von der Queen's University Belfast im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 657-663) berichtet, dass es unter den Bisphosphonat-Anwendern nur unwesentlich häufiger zu Ösophaguskarzinomen kommt.

Von 41.826 Patienten erkrankten nach einer Anwendung von durchschnittlich 4,5 Jahren gerade einmal 79 Patienten an einem Ösophaguskarzinom. In der Kontrollgruppe der Nicht-Anwender von Bisphosphonaten waren es 72 Patienten. Das entspricht einem Anstieg der Inzidenzrate von 0,44 auf 0,48 pro 1.000 Personenjahre, der in der Untersuchung nicht signifikant war.

Auch Jane Green von der Universität Oxford ermittelte jetzt im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 341: c4444) ein erhöhtes Risiko, das im Unterschied zur anderen Studie signifikant ausfiel. Patienten, die zehn oder mehr Rezepte für Bisphosphonate erhalten hatten, erkrankten der eingebetteten (“nested”) Fall-Kontroll-Studie zufolge mehr als doppelt so häufig an einem Ösophaguskarzinom (relatives Risiko 1,93; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,37 bis 2,70).

Die absolute Gefahr ist aber auch nach Greens Berechnungen gering: Durch eine fünfjährige Therapie könnte die Inzidenz in der Altersgruppe von 60 bis 79 Jahren, in denen die Medikamente üblicherweise eingesetzt werden, von 1 auf 2 Erkrankungen pro 1.000 Personen ansteigen.

Dies dürfte den Einsatz der Bisphosphonate zur Behandlung der Osteoporose im Allgemeinen nicht infrage stellen. Bei Patienten, die unter der Therapie Schluckbeschwerden oder andere Symptome einer Ösophagitis entwickeln, könnte die Nutzen-Risiko-Abwägung jedoch negativ ausfallen, gibt Diane Wysowski von der FDA in einem Editorial zu bedenken. Eine offizielle Stellungnahme ihrer Dienststelle zu den Studien liegt allerdings noch nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

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