Politik

Koalition will „Pharmastandort attraktiv“ halten

Mittwoch, 8. September 2010

Berlin – Die schwarz-gelbe Koalition plant Korrekturen bei der vorgesehenen Nutzenbewertung neuer Arzneien, um den Herstellern entgegenzukommen. „Wir wollen, dass der Pharmastandort Deutschland attraktiv bleibt“, sagte der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer der Financial Times Deutschland vom Mittwoch.

Anzeige

Das Gesundheitsministerium betonte aber, es bleibe dabei, dass das „Preismonopol der Pharmaindustrie bei innovativen Arzneimitteln” beseitigt werde.

Künftig sollen bei der Bewertung, ob neue Medikamente besser sind als ältere und deshalb teurer sein dürfen, unter anderem sogenannte weiche Kriterien eine größere Rolle spielen. Koalitionskreise bestätigten entsprechende Informationen der Zeitung. Zu den weichen Kriterien zählt die Patientenzufriedenheit – eine oft schwer messbare, manchmal schwankende Größe.

Die Kriterien für das Verfahren solle das Gesundheitsministerium per Rechtsverordnung festlegen, hieß es weiter. Eigentlich sollte der Gemeinsame Bundesausschuss – also Krankenkassen, Ärzte und Krankenhäuser – dafür zuständig sein. Mit der Neuregelung hätte die Regierung mehr Kontrolle. Die Kriterien sind wichtig, denn der Zusatznutzen entscheidet künftig über die Preise, die Hersteller für ihre neuen Medikamente verlangen können.

Singhammer sagte der Zeitung: „Die Politik muss künftig den Daumen auf dem Verfahren haben.“ Ziel sei nicht nur Rechtssicherheit. Er sprach auch von einem Signal an die Pharmabranche.

Koalitionskreise bestätigten auch, dass eine Klausel vorgesehen sei, die die Konzerne von der Nutzenanalyse befreien würde. Dies würde für Arzneimittel „mit nur geringer wirtschaftlicher Bedeutung“ gelten. Die Einschätzung, wie stark sich ein Medikament verkauft, solle der Hersteller liefern.

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn forderte, dass die privaten Krankenversicherungen sich an den Kosten beteiligen, die den gesetzlichen Kassen durch Preisverhandlungen entstehen. Denn die niedrigeren Preise sollen auch für Privatversicherer gelten. "Wer profitiert, soll auch zahlen", sagte Spahn der Rheinischen Post vom Mittwoch. Die Privaten sollten zehn Prozent der Kosten tragen, dies entspreche ihrem Marktanteil. © dapd/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

taktgenau
am Donnerstag, 9. September 2010, 09:40

Wahnsinn...

irgendwie habe ich das Gefühl, dass momentan nur noch Polititk für Konzerne anstatt für die Bürger gemacht wird.
Businesspaar
am Donnerstag, 9. September 2010, 07:14

Und wieder knicken Sie ein ...

... die gekauften Politiker ... erst die Atomlobby ... jetzt die Pharmalobby ... Frei nach Adenauer "Was interessiert mich, was in 30 Jahren ist, was zählt ist das Jetzt". Jetzt wollen Sie die Patienten entscheiden lassen, ob ein "Medikament" "gut" ist. Wohl wissend, wie die Patienten von ALLEN Profiteuren eingewickelt werden ... lächerlich!
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

26.04.16
Bayer-Chef verabschiedet sich mit Gewinnplus
Leverkusen - Bayer-Chef Marijn Dekkers steht vor einem Abschied nach Maß: Mit glänzenden Quartalszahlen im Rücken verlässt der Vorstandsvorsitzende nach mehr als fünf Jahren an der Spitze des......
25.04.16
Nutzenbewertung: Gemeinsamer Bundesausschuss folgt häufig dem Urteil der Ärzteschaft
Berlin – Bei der frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel folgt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) häufig den Ansichten der deutschen Ärzteschaft. Das ist eines der Ergebnisse der Studie......
14.04.16
Innovationen aus der Forschung brauchen 14 Jahre bis zum Krankenbett
Berlin – Der Transfer von Innovationen aus der Forschung bis zur Diagnose und Therapie am Patienten braucht in Deutschland rund 14 Jahre. Vertreter von CDU/CSU und SPD haben daher gestern einen Antrag......
13.04.16
Berlin – Anlässlich des gestern veröffentlichten Abschlussberichts zum Pharmadialog haben sich die Arzneimittelexperten der Regierungsfraktionen auf geplante Neuregelungen im Arzneimittelbereich......
12.04.16
Pharmadialog: Soziale Sicherungssysteme nicht überfordern
Berlin – Die Teilnehmer des sogenannten Pharmadialogs zeigten sich mit dessen Ergebnissen zufrieden. „Es ist einzigartig, dass drei Bundesministerien ressortübergreifend einen Dialog mit den......
12.04.16
Berlin – Opposition, Krankenkassen und Gesundheitsverbände haben sich verhalten zu den Ergebnissen des sogenannten Pharmadialogs geäußert, dessen Ergebnisse Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe......
12.04.16
Pharmadialog: Preisbremse für Arzneien bleibt
Berlin – Rund 15 Monate haben Bundesregierung, Pharmaverbände, Gewerkschaften und Krankenkassen über den Pharmastandort Deutschland beraten. Dabei standen Forschung, Produktionsbedingungen und eine......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige