Rauchen in der Schwangerschaft gefährdet Fruchtbarkeit der Kinder
Mittwoch, 8. September 2010
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| dpa |
Kopenhagen/Homburg – Rauchen verhindert nicht nur den eigenen Kinderwunsch. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass auch die Fertilität der Kinder im späteren Leben herabgesetzt sein könnte.
Der Reproduktionsmediziner Claus Yding Andersen von der Universität Kopenhagen hatte die Gelegenheit, die Testes von 24 männlichen Embryonen aus Schwangerschaften zu untersuchen, die zwischen dem 37. und 68. Tag nach der Konzeption legal abgebrochen wurden. Es lagen auch Blut- und Urinproben der Mütter vor, so dass Andersen feststellen konnte, ob sie während der Schwangerschaft geraucht hatten.
Sein Befund: Die Testes aus den Embryonen der Raucherinnen wiesen zu 55 Prozent weniger Keimzellen auf als die Embryonen der Nichtraucherinnen. Auch die Zahl der somatischen Testes-Zellen war um 37 Prozent vermindert. In einer früheren Untersuchung hatte Andersen einen ähnlich negativen Einfluss des Rauchens auf weibliche Embryonen nachgewiesen, deren Ovarien zu 41 Prozent weniger Keimzellen aufwiesen.
Da sich aus den Keimzellen später Spermien und Eizellen entwickeln, ist Andersen einigermaßen alarmiert. Der Befund könnte den Rückgang der Fertilität erklären, zu dem es in den letzten Jahrzehnten in vielen Ländern gekommen ist, meinte der Physiologe.
Erschreckend sei, dass in der jüngeren Generation die Zahl der Raucherinnen in den letzten Jahren wieder zugenommen habe. Keine Frau sollte während der Schwangerschaft rauchen, fordert Andersen in Human Reproduction (2010; doi:10.1093/humrep/deq215). Einen Beweis, dass die Fertilität der Nachkommen wirklich vermindert ist, liefert die Untersuchung indes nicht. Dies bliebe künftigen epidemiologischen Untersuchungen vorbehalten.
Die meisten Reproduktionsmediziner raten bei einem Kinderwunsch auch dem Mann, das Rauchen aufzugeben. Ob dies die Chancen auf eine Befruchtung erhöht, wird kontrovers diskutiert.
Veränderungen im Ejakulat sind bei Rauchern jedoch nachweisbar, berichtet Mohamed Hammadeh von der Universität des Saarlands in Homburg. Diese betreffen die Konzentration der Protamine 1 und 2. Protamine sind kleine Proteine, die beim Menschen nur im Hoden vorkommen.
Ihre Aufgabe wird in der Verpackung und Stabilisierung der DNA im Spermienkopf vermutet. Hammadeh kann zeigen, dass Rauchen zu einer Verminderung der Protamin-Konzentration im Ejakulat führt. Außerdem ist das Mengenverhältnis der beiden Protamine zueinander verändert.
Dies könnte im Endeffekt die männliche Fertilität herabsetzen, schreibt der Forscher in Human Reproduction (2010; doi:10.1093/humrep/deq226). Auch hier gilt, dass der Beweis epidemiologische Untersuchungen vorbehalten bleibt.
© rme/aerzteblatt.de
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