Politik

Jeder Zehnte sieht unnötige Behandlung beim Arzt

Freitag, 10. September 2010

Neuruppin – Jeder zehnte Patient glaubt, dass er beim Arzt unnötige Behandlungen oder Untersuchungen durchlitten hat. Unter den Privatversicherten sind es sogar 17,5 Prozent, in den gesetzlichen Kassen 8,1 Prozent. Dies geht aus einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hervor, die am Freitag in Neuruppin vorgestellt wurde.

Insgesamt sind die Patienten der Umfrage zufolge weit überwiegend mit der Behandlung beim Arzt zufrieden. 82,5 Prozent der Befragten gaben dies an. Allerdings sagte jeweils etwa jeder Fünfte, dass er nicht gründlich medizinisch untersucht, nicht in Behandlungsentscheidungen einbezogen und nicht über Behandlungsalternativen informiert wurde. 24,1 Prozent der Teilnehmer gaben an, der Arzt sei nicht allen möglichen Ursachen des Gesundheitsproblems nachgegangen.

Trotzdem haben 92,1 Prozent der Befragten nach eigener Aussage Vertrauen zu ihrem Arzt. 88,1 Prozent sagten auch, sie hätten ausreichend schnell einen Termin bekommen. Allerdings sagten 29,5 Prozent der Befragten, die Wartezeit in der Praxis sei zu lang gewesen. Das WidO hatte rund 3.000 Krankenversicherte befragt.

Arztnaviagtor soll Qualität sichern

Der AOK-Bundesverband hatte im vergangenen Jahr für Aufsehen mit dem Plan gesorgt, Ärzte künftig im Internet von Patienten bewerten zu lassen und eine Art Ranking für Praxen in der Umgebung zu ermöglichen. Die Mediziner befürchteten einen elektronischen Pranger.

Inzwischen sei der „Arztnavigator“ in drei Pilotregionen gestartet, sagte der stellvertretende Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Jürgen Graalmann. Bei der Bewertung müssen Patienten einen umfassenden Fragekatalog beantworten, einfache Kommentare mit Verunglimpfungen seien nicht möglich. „Mit dem Arztnavigator wollen wir unseren Versicherten eine qualitativ hochwertige Orientierungshilfe bei der Suche nach dem passenden Arzt zur Verfügung stellen", betonte Graalmann.

Patienten lehnen Reformpläne ab

Nach der WidO-Umfrage lehnt etwa jeder zweite Befragte die Pläne der Regierung zur Gesundheitsreform ab. Insgesamt 51,7 Prozent der Teilnehmer erklärten, sie fänden die Pläne schlecht oder sehr schlecht. Nur 11,9 Prozent finden sie gut oder sehr gut. Für 35,2 Prozent sind sie teils gut, teils schlecht.

Nach den zahlreichen Reformen der vergangenen Jahre sind noch 29,3 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Gesundheitssystem. Der Anteil der Unzufriedenen ist mit 29,8 Prozent praktisch gleich groß. 39,5 Prozent antworteten bei dieser Frage „teils, teils“.

Während 31,9 Prozent der Befragten sagten, ihr Krankenversicherungsschutz habe sich in den letzten Jahren verschlechtert, sahen immerhin 56,1 Prozent keine Veränderung. Der Blick in die Zukunft ist allerdings düster: 59,3 Prozent erwarten, dass das "Leistungsspektrum" ihrer Krankenversicherung künftig abnimmt. © dpapd/aerzteblatt.de

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Bruddler
am Sonntag, 12. September 2010, 13:31

Stimmt genau!

Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Und können aus eigener Erfahrung genau den richtigen Vergleich ziehen. Nämlich zu einem hochindustralisierten Land mit einer medizinischen Versorgung, die sich auf das notwendige Effiziente beschränkt. Die deutschen Politiker sind nicht nur zu feige, den Vollkaskoanspruch ihrer Wähler zu begrenzen. Nein, sie wollen auch ihre eigene 9-jährige Psychoanalyse, das Lariam für die Urlaubsreise und ihre homöopathischen Tröpfchen möglicht nicht selbst bezahlen.
Frank
am Samstag, 11. September 2010, 15:03

Unnötige Untersuchung ? - Unnötiger Arztbesuch

Fragen Sie doch mal die Hausärzte, ob sie die Besuche der reichlich verwöhnten Patienten immer für nötig halten ?
Seit 1,5 Jahren arbeite ich in eigener Praxis wieder in Deutschland, nachdem ich 8 Jahre Allgemeinmediziner in Schweden war.
Ich kann täglich nur staunen, dass die Patienten in Deutschland nicht müde werden über die Krankenversicherung zu jammern. Das tun sie, nachdem sie nachts wie selbstverständlich den Notdienst gerufen hatten, um eine Bagatelle behandeln zu lassen, nachdem sie im selben Quartal schon beim Hautarzt, beim Gynäkologen, beim Orthopäden waren. Dann soll sicherheitshalber Blut abgenommen werden " nehmen 'se mal alles ab " und ein EKG scheint selbstverständlich zu sein.... zur Sicherheit.
In der nächsten Woche sitzen sie wieder im Wartezimmer und nehmen sich selbstverständlich das Recht wieder unsere Arbeit in Anspruch zu nehmen, weil..... man höre und staune..... der Orthopäde erst in 3 Wochen einen Termin gegeben hat ( " nein... da muss jetzt was passieren. Muss ich erst sterben, bevor die Ärzte tätig werden ?? )
Zu guter Letzt ein riesiges Theater am Tresen, weil das ausführliche Attest 5 Euro kosten soll.
Hören Sie mir auf : In Deutschland sind die Patienten jahrelang verwöhnt worden, jetzt wird hier und da gespart und so glaubt man "nicht mehr versichert" zu sein.
Eine Krankenversicherung noch aus dem Füllhorn, wenn man unsere Nachbarländer vergleicht.
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