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Politik

Hausärzte protestieren gegen Gesundheitsreform

Donnerstag, 16. September 2010

Berlin – Mit Praxis­schließungen und zwei Großveranstaltungen in Essen und Sindelfingen haben heute Hausärzte in ganz Deutschland gegen die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung protestiert.
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In der Essener Grugahalle machten nach Angaben des Deutschen Hausärzteverbandes mehr als 2.000 Ärzte ihrem Ärger Luft. Bundesweit standen zahlreiche Patienten vor verschlossenen Praxistüren.

Die Proteste richteten sich gegen die Sparpläne von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Laut Hausärzteverband droht durch die Pläne das Aus für die Hausarztverträge. Diese sollen zukünftig nicht mehr wie bislang mit höherem Honorar einhergehen. „Die Hausarztverträge haben die Patientenversorgung in Baden-Württemberg nachweislich verbessert“, sagte Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg. Aber bevor sie jetzt weiterentwickelt würden und bundesweit Wirkung entfalten könnten, solle ihnen die Grundlage entzogen werden.

„Damit wird eine innovative ambulante Versorgungsstruktur mit minimalem bürokratischen Aufwand und angemessener Vergütung erstickt“, kritisierte er. Viele Praxen seien angesichts des Honorars innerhalb der Regelversorgung auf das zweite Standbein Hausarztvertrag angewiesen, um langfristig zu überleben und einen Praxisnachfolger zu finden.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler kritisierte die Praxisschließungen, weil sie zulasten der Versicherten gingen. Mit Kritik könne er gut umgehen, solange sie sachlich sei.  „Ich finde es aber enttäuschend, wenn Ärzte den Protest in die Praxis tragen. Dort hat er nichts zu suchen, weil am Ende die Patienten leiden müssen. Das entspricht nicht dem ärztlichen Verständnis“,  sagte der FDP-Politiker, der selbst Arzt ist, im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Er antwortete auf die Frage, ob es ihn besonders treffe, wenn Ärzte mit seiner Gesundheitspolitik nicht einverstanden seien.  Rösler hielt dem Hausärzteverband entgegen, dass die von seinem Ministerium geplanten gesetzlichen Vorgaben zur hausarztzentrierten Versorgung keine höhere Vergütung ausschlössen. „Für Verträge, die geschlossen sind, gilt zudem Bestandsschutz. Insofern verstehe ich manche Aufregung nicht“.

Auch Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, äußerte sich kritisch. Prinzipiell habe er zwar Verständnis für den Protest, sagte Hoppe der Essener Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung vom Donnerstag. Denn die Allgemeinmediziner seien „jahrelang die Aschenputtel in der ärztlichen Vergütungshierarchie“ gewesen. Nun fürchteten sie dies wieder zu werden. Allerdings stelle er sich „wie viele die Frage, ob die Maßnahmen, die die Hausärzte jetzt ergreifen, angemessen sind“, sagte Hoppe nach Angaben der Zeitung.

Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) zeigte kein Verständnis für die Hausärzte. „Es gibt in Deutschland insgesamt weder zu wenig Ärzte noch zu geringe Arzthonorare, aber es gibt ein Verteilungsproblem, welches gelöst werden muss“, sagte Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Kranke Menschen vor verschlossenen Türen stehen zu lassen, sei das falsche Mittel, um Eigeninteressen durchzusetzen.

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) forderte ebenfalls die Hausärzte auf, sich von den Streiks und Praxisschließungen zu distanzieren. „Die Ersatzkassen und die Versicherten können diese Art von Protesten der Hausärzte nicht akzeptieren“, sagte vdek-Vorstandsvorsitzender Thomas Ballast. Die Hausärzte verdienten dem Verband zufolge im Jahr 2009 im Durchschnitt 8.300 Euro brutto im Monat zuzüglich Privateinnahmen. „Das ist ein Einkommen, mit dem man sehr gut leben kann“, so Ballast.

Kritik an den Hausärzten kam auch von der FDP-Bundestagsfraktion. „Die Hausärzte sind sowohl in der Sache als auch moralisch im Unrecht“, sagte Marc Jungnickel, Leiter der Pressestelle der Fraktion. Die Reformen der Bundesregierung gefährdeten keine bestehenden Verträge. Bei einer nachgewiesenen Verbesserung der Versorgungsqualität werde es auch in Zukunft höhere Vergütungen als im Kollektivvertragssystem geben. „Es ist nicht zu viel verlangt, dass derjenige, der mehr Geld will, auch bessere Qualität nachweist“, sagte er. © hil/dapd/afp/aerzteblatt.de

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Thelber
am Mittwoch, 15. September 2010, 22:34

Ein Verteilungsproblem haben wir wirklich !!!

... z. B. sehr viel unnötiges Geld für den Verwaltungsaufwand der Kassen mit ihren lokalen, überregionalen und bundesweiten "Fürstentümern", die da Landesverband xyz oder Bundesverband GKV heißen oder wie auch immer ...

... z.B. mit der ICD-Codierung, die keinen Kranken gesund macht, aber "die Verteilungsprobleme" lösen helfen soll. Nach dem Motto "Wer am günstigsten (für sich) verschlüsselt, der macht den besten Reibach" ....
adonis
am Mittwoch, 15. September 2010, 19:09

Ärztemangel am Hindukusch

Wenn Herr Rössler etwas für das deutsche Vaterland tun will, so sollte er sich, da er schon auf dessen Kosten studiert hat, auch seinen Dienst am Hindukusch versehen.
adonis
am Mittwoch, 15. September 2010, 19:06

Pharisäer

Herr Hoppe:
Was haben Sie für die Hausärzte gemacht? Gar nichts. Ausser dumme Sprüche geklopft.
Der GKV-Verband und die Ersatzkassen: Hat alle Verträge im EBM und HVM mit unterschrieben zu LASTEN der Hausärzte. Was klagt er nun.
Die FDP: Ich empfehle dem Hausarztverband eine kräftige Spende an die FDP.Mit Schmiere geht es bei dieser Partei sowieso am besten. Meine Prognose für die nächste Bundestagswahl: FDP unter 4 Prozent
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