Politik

Fortschritt als Kostentreiber im Gesundheitswesen

Mittwoch, 15. September 2010

Berlin – In den nächsten 50 Jahren steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung von heute circa 160 Milliarden auf einen Betrag von 437 bis 468 Milliarden. Dies prognostizierte  Fritz Beske, Direktor des Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel (IGSF), am Mittwoch in Berlin und stellte die neueste IGSF-Studien zu „Ausgaben und Beitragssatzentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2060“ und „Handlungsoptionen zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Grundversorgung bei begrenzten Mitteln“ vor.

Berücksichtige man die demografische Entwicklung, wie sie vom Statistischen Bundesamt berechnet werde, ergebe sich ein Beitragssatz von über 50 Prozent – „eine Zahl die nicht diskussionswürdig ist“, wie Beske betonte.

Die Kostensteigerung sei vor allem eine Folge des technisch-medizinischen Fortschritts, erklärte Beske. Bei den Berechnungen ging das Institut davon aus, dass dadurch die Kosten durchschnittlich um zwei Prozent pro Jahr ansteigen würden. „Ginge es nur um die Demografie, müssten wir nicht diskutieren. Durch den demografischen Wandel steigt der Beitragssatz bis 2060 lediglich auf 18 bis 19 Prozent an“, so der IGSF-Direktor.

Beske unterstrich mit diesen Daten seine Forderung nach einer neuen Ausrichtung der gesetzlichen Krankenversicherung. „Bisher gilt der Grundsatz, dass das was an Bedarf da ist auch bezahlt wird. In Zukunft bestimmt nicht mehr der Bedarf die Mittel, die verbraucht werden, sondern die Mittel bestimmen die Leistungen, die noch erbracht werden können“, stellte er  fest.  Damit befände sich die GKV in der gleichen Situation wie andere öffentliche Haushalte. Deshalb müsse sich die Versorgung auf den Krankheitsfall konzentrieren. Beispielsweise sei Prävention keine Aufgabe der GKV.

Der IGSF-Direktor forderte die Politik auf, sich zu grundlegenden Gesundheitszielen zu bekennen und diese zu garantieren: Jeder solle Zugang zur medizinischer Versorgung haben. Eine notwendige Behandlung dürfe niemanden finanziell in existenzielle Not bringen. Alter dürfe kein Ausschlussgrund für eine Therapie sein. Außerdem solle medizinischer Fortschritt allen zugänglich sein. Unter diesen Aspekten müsse der GKV-Leistungskatalog überprüft werden, so Beske.

Dabei dürfe es auch keine ethischen Tabus geben, wie zum Beispiel ob es sinnvoll ist, Frühgeborene trotz zu erwartender Einschränkungen und schlechter Überlebenschancen aufzuziehen. Auch die starke Zunahme an Kaiserschnitten, die wahrscheinlich nicht medizinisch indiziert seien, als auch die Ausgestaltung der palliativmedizinischen Versorgung müssten diskutiert werden „Wir müssen den Mut haben, auch solche Dinge anzusprechen“, so der IGSF-Chef. © mei/aerzteblatt.de

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polmu
am Mittwoch, 15. September 2010, 22:12

In 50 Jahren

sollen die soviel Geld ausgeben wie sie wollen (für wen eigentlich, ich denke an die finsteren Prognosen der Demographen) - das juckt mich garantiert nicht mehr!
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