Parodontose: Erfolgreiche Therapie senkt Frühgeburtrisiko
Freitag, 17. September 2010
Philadelphia – Eine Parodontose ist möglicherweise ein bisher übersehener wichtiger Risikofaktor für eine Frühgeburt. In einer randomisierten Studie in BJOG (2010; doi: 10.1111/j.1471-0528.2010.02713.x) senkte eine erfolgreiche zahnmedizinische Sanierung die Häufigkeit der Frühgeburt überraschend deutlich.
Bei einer Entzündung kann die Gingiva schnell zu einem Streuherd für Bakterien werden. Über die Blutbahn könnten die Erreger die Plazenta erreichen. In der Fruchtblase von Schwangeren mit vorzeitigen Wehen, aber intakter Fruchtblase, lässt sich nicht selten genetisches Material von Krankheitserregern nachweisen (PLoS One 2008; 3: e3056).
Frühere Studien hatten auch gezeigt, dass eine Parodontose das Frühgeburtrisiko deutlich steigert (JADA 2001: 132 875-880). In einer randomisierten Studie haben deshalb Marjorie Jeffcoat von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia untersucht, ob eine Parodontosebehandlung das Risiko einer Frühgeburt senken kann. An der Studie beteiligten sich 322 Schwangere mit Parodontose, bei denen das Frühgeburtrisiko als sehr hoch eingeschätzt wurde.
Die Hälfte der Frauen erhielt eine Parodontosebehandlung mit Entfernung der Beläge (Scaling) und Reinigung der Wurzeloberflächen. Die Behandlung allein hatte keinen Einfluss auf das Frühgeburtrisiko, das von 52,4 auf 45,6 Prozent sank. Dies könnte jedoch daran gelegen haben, dass die Behandlung bei zwei Drittel der Frauen erfolglos blieb.
Bei ihnen wurde bei einer Nachuntersuchung 20 Wochen nach der Behandlung erneut eine schwere Parodontose festgestellt. Von den 49 Frauen, bei denen die Behandlung zu einer Ausheilung der Parodontose geführt hatte, erlitten jedoch nur 4 Frauen (8 Prozent) eine Frühgeburt – gegenüber 69 von 111 Frauen (62 Prozent) nach erfolgloser Parodontosebehandlung. Das ist eine deutliche Risikoreduktion, die sicher noch in weiteren Studien bestätigt werden muss.
Die Studie zeigt nach Ansicht der Autoren aber, dass eine sichere Therapie der Parodontose während der Schwangerschaft möglich ist, auch wenn sie offenbar nur selten gelingt. Für Jeffcoat ist sie deshalb ein lohnender Versuch, um das Frühgeburtrisiko zu senken.
© rme/aerzteblatt.de
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