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USA: Klimawandel drängt Pest zurück

Mittwoch, 22. September 2010

Oslo – Der derzeitige Klimawandel hat auch seine guten Seiten. In den USA ist er laut einer Studie im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene (2010; 83: 624-632) für den Rückgang der Pest verantwortlich.

Die Pest, die im Mittelalter ganze Landstriche entvölkerte, ist keineswegs ausgestorben. Von einer ernsthaften Bedrohung durch den Schwarzen Tod kann außer in der Phantasie einiger Bioterrorismusexperten keine Rede sein, doch hin und wieder werden kleine Epidemien gemeldet. Wie zuletzt im August dieses Jahres in Peru, wo es in einer kleinen Ortschaft an der Küste zu einem Ausbruch kam, der aber schnell gestoppt werden konnte.

Auch in den USA erkranken jedes Jahr zwischen 10 und 20 Menschen an der Pest, die heute noch tödlich enden kann, wenn die Patienten nicht rechtzeitig mit Antibiotikatherapie behandelt werden. Im Vierländereck der Staaten Utah, Arizona, New Mexico und Colorado ist Yersinia pestis endemisch.

Das natürliche Reservoir bilden hier Präriehunde, Eichhörnchen und andere Nagetiere. Der Vektor, der die Pestbakterien auf den Menschen überträgt, sind Flöhe, die gerne possierliche Haustiere als Zwischenstation nutzen.

Doch die Lebensbedingungen der Flöhe haben sich in den letzten Jahren verschlechtert, schreibt Nils Stenseth von der Universität Oslo. Schuld sei die frühzeitige Schneeschmelze auf den Bergen, die in der Region seit etwa 1990 nachweisbar ist.

Sie führt dazu, dass es in den Erdhöhlen der Nagetiere in den Sommermonaten trockener geworden ist. Die Flöhe benötigen zum Überleben jedoch eine gewisse Luftfeuchtigkeit, sonst sterben sie, schreibt Stenseth, der die Pesterkrankungen der letzten 56 Jahre mit klimatologischen Daten verglichen hat.

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Dabei stellte er fest, dass die Verbreitung der Pest an zwei periodische Klimaphänomene gebunden ist. Die El Niño Southern Oscillation (ENSO) und die Pacific Decadal Oscillation (PDO) beeinflussen das Klima in den Pazifikanrainern und damit auch in den westlichen Staaten der USA. ENSO und PDO sind periodische Phänomene: ENSO tritt alle drei bis vier Jahre, die PDO etwa alle zehn Jahre auf.

In diesen Jahren ist es feuchter und milder. Dann stieg in der Vergangenheit die Zahl der Pesterkrankungen an. Das letzte Zusammentreffen von El Niño und PDO fand 1998 statt. Doch der Anstieg der Pesterkrankungen blieb aus.

Stenseth führt dies auf ungewöhnlich hohe nächtliche Temperaturen zurück, die seit den 1990er Jahren beobachtet werden. Sie könnten zu einer beschleunigten Schneeschmelze im Frühjahr geführt haben – mit empfindlichen Auswirkungen auf die Vektoren der Pest. Ob die Pest in der Region völlig ausstirbt, ist unklar.

Es sei durchaus möglich, dass sie sich weiter nach Norden und in höhere Gebirgslagen verschiebt, wie dies einige Experten vermuten. Stenseth berichtet von einer Tendenz, die aber noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden müsse. © rme/aerzteblatt.de

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