Medizin

Cannabis-Schmerz­mittel ohne Drogen­neben­wirkung

Mittwoch, 22. September 2010

Irvine/Genua – Ein Molekül, das den Abbau des Endocannabinoids Anandamid im peripheren Gewebe hemmt, hat sich in tierexperimentellen Studien in Nature Neuroscience (2010; doi: 10.1038/nn.2632) als wirksames Schmerzmittel erwiesen. Da es nicht ins Gehirn übertritt, kam es zu keinen unerwünschten Drogennebenwirkungen.

Seit längerem ist bekannt, dass es auch außerhalb des Gehirns Cannabinoid-Rezeptoren gibt, die dort die Entwicklung von Schmerzen hemmen. Dass Patienten vor schmerzhaften Eingriffen im Operationsraum Marihuana angeboten wird, ist vor dem gegenwärtigen kulturellen Hintergrund kaum vorstellbar. Es gibt aber, vor allem in Nordamerika viele Patienten, die ihre chronischen neuropathischen Schmerzen privat – mehr oder weniger illegal – mit der Cannabisdroge behandeln.

Die gesetzlichen Verbote ergeben sich aus den zentralnervösen Wirkungen, die aber möglicherweise von der analgetischen Wirkung getrennt werden können. Dies zeigen erste Erfahrungen mit URB937, das eine Forschergruppe um Daniele Piomelli am Istituo Italiano di Tecnologia (iiT) entwickelt hat.

URB937 ist ein Inhibitor des Enzyms FAAH (“fatty acid amide hydrolase”), das im peripheren Gewebe Anandamid abbaut. Anandamid ist ein körpereigenes Endocannabinoid mit analgetischen Eigenschaften. URB937 verlängert die Wirkung von Anandamid. Da URB937 die Bluthirnschranke nicht passiert, sind keine zentralnervösen Drogenwirkungen zu erwarten.

Erste Experimente, die ein Team um Piomelli, zwischen Leiter des Center for Drug Discovery an der Universität von Kalifornien in Irvine, durchgeführt hat, verliefen vielversprechend. URB937 zeigte eine analgetische Wirkung sowohl gegen akute als auch gegen chronische periphere Schmerzen, ohne dass bei den Tieren Zeichen einer zentralnervösen Drogenwirkung beobachtet wurden.

Die Forscher kündigten weitere Experimente an, um eine klinische Prüfung vorzubereiten. Ob und wann das Mittel auf den Markt kommt, lässt sich nicht absehen. © rme/aerzteblatt.de

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adonis
am Donnerstag, 23. September 2010, 13:41

Pawlow funktioniert immer

Habe ich es mir doch gedacht, dass taktgenau seinen Cannabiskonsum gefährdet sieht. Und prompt meldet er sich auch. Na, einige vermisse ich noch.
Also mal bei den Nebenwirkungen des Konsumes nachsehen und sich evt mal bei der Drogenhilfe erkundigen. Nebenbei einen kleine Link zu einer ganz unverschämten Seite: http://www.bmg.bund.de/nn_1351270/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/D/Glossar-Drogenbeauftragte/Risiken-des-Cannabiskonsums.html
Komisch dass es das Gesundheitsministerium genauso sieht wie ich. Aber man braucht sich nur den aktuellen STand der Diskussion um das Rauchverbot beim Wies´n Fest anzusehen. Unglaublich mit welchen Argumenten das hantiert wird. Ich bleibe dabei: Nikotinfrei, Alkoholfrei, Drogenfrei, Medikamentenfrei!!
taktgenau
am Donnerstag, 23. September 2010, 10:10

an die blindkonservativantifortschrittsfraktion

ich rate das nicht vielen leuten, aber vielleicht sollte hier der eine oder andere kommentator mal einen durchziehen. ich habe gehört das führt neben den bösen nerversystemzermürbenden und dna-schädigenden wirkungen zu mehr gelassenheit, weitsicht und gibt unter umständen einen blick auf das große und ganze. ich glaube das würde einigen sehr helfen.

PS. und falls irgendwelche schmerzen bestehen. von einem elchtritt oder so. hilft das anscheinend auch. ;o)
adonis
am Donnerstag, 23. September 2010, 09:12

Lieblingsthema des Deutschen Ärzteblattes?

Das Deutsche Ärzteblatt zitiert in letzter Zeit doch sehr häufig unterstützende Studien über Cannabis and friends. Das irritiert mich doch ein wenig. Woher die Euphorie für diese Pflanze. Man könnte ja auch mal eine kritische Untersuchung zitieren. Wie wäre es, wenn man mal die Redaktion zum Drogentest schickt, vielleicht ergeben sich dort Aspekte für die Artikelauswahl. Ein Schelm, der Schlimmes dabei denkt.
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