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Lebensstil bessert Typ-2-Diabetes mellitus

Mittwoch, 29. September 2010

Richmond/Providence – Der Typ-2-Diabetes mellitus ist zum großen Teil eine Zivilisationskrankheit. Diät und körperliche Bewegung können deshalb die Therapie effektiv unterstützen. Wie schwierig dies ist, zeigen die Zwischenergebnisse der bisher größten Langzeitstudie zur Lebensstilintervention in den Archives of Internal Medicine (2010; 170: 1566-1575).

An der Look AHEAD (Action for Health in Diabetes)-Studie des US-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases nehmen 5.145 übergewichtige oder fettleibige Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus teil.

Die Hälfte erhielt die üblichen Informationen über Krankheitsursachen und Möglichkeiten der Lebensstilintervention. Bei der anderen Gruppe wurden diese Konzepte aktiv umgesetzt. Im ersten Jahr wurde den Teilnehmern eine Diät verordnet, die das Körpergewicht um 7 Prozent senken sollte.

Die Kalorienzufuhr wurde auf 1.200 bis 1.800 kcal/die beschränkt mit einem Fettanteil von weniger als 30 Prozent (weniger als 10 Prozent gesättigte Fettsäuren) und einem Proteinanteil von mindestens 15 Prozent. Das Bewegungsziel lag bei 175 Minuten in der Woche.

Im ersten Jahr erreichten die im Durchschnitt 59 Jahre alten Teilnehmer das Ziel: Sie nahmen fast 7 Prozent an Gewicht ab, während der Erziehungseffekt der Aufklärungsbroschüren in der Vergleichsgruppe erwartungsgemäß gleich Null war.

Nach dem ersten Jahr hat bei vielen Teilnehmern der Interventionsgruppe jedoch die Motivation etwas nachgelassen. Sie haben wieder leicht zugenommen. Vier Jahre nach dem Beginn der Studie liegen sie aber noch etwa 5 Prozent unter dem Ausgangsgewicht. Auch die Fitness hat wieder nachgelassen. Die Tendenz zu einem Rückfall in alte Lebensgewohnheiten ist klar erkennbar.

Das Autorenteam um Rena Wing von der Brown Medical School in Richmond/Providence beschönigt die Ergebnisse ein wenig, indem sie die Durchschnittswerte über alle 4 Jahre angibt: Körpergewicht minus 6,2 Prozent; Ergometer-Fitness plus 12,7 Prozent (Vergleichsgruppe minus 0,9 und plus 2 Prozent). Das klingt positiv.

Das eigentliche Ziel der Look AHEAD-Studie ist aber nicht, den kurzfristigen Erfolg auf Körpergewicht und Ausdauer zu zeigen. Dazu hat es in den letzten Jahren genügend Studien gegeben. Die Look AHEAD-Studie will belegen, dass sich auch die langfristigen Folgen der Erkrankungen mildern. Beim Typ-2-Diabetes mellitus sind dies Makro- und Mikroangiopathie sowie Retino-, Nephro- und Neuropathie.

Ergebnisse hierzu werden erst in einigen Jahren vorliegen. Wing kann jetzt aber erste Auswirkungen auf etablierte kardiovaskuläre Risikomarker angeben. Mit der Ausnahme des LDL-Cholesterinwertes wurden in allen Laborparametern signifikante Verbesserungen erzielt: Der HbA1c-Wert sank um 0,36 Prozentpunkte (gegenüber minus -0,09 Prozentpunkte im Vergleichsarm), der Blutdruck sank um 5,33/2,92 vs. 2,97/2,48 mm Hg, das HDL-Cholesterin stieg um 3,67 vs. 1,97 mg/dl, die Triglyzeride gingen um 25,56 vs. 19,75 mg/dl zurück.

Ob diese Verbesserungen klinisch relevant sind, wird sich in weiteren Auswertungen zu den sogenannten harten klinischen Endpunkten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputationen, Sehverlust oder Dialysepflicht zeigen. © rme/aerzteblatt.de

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