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Genetische Ursachen für ADHS?

Donnerstag, 30. September 2010

Cardiff – Ist die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eine genetisch bedingte Entwicklungsstörung des Gehirns mit einer entfernten Verwandtschaft zu Schizophrenie und Autismus? Eine Studie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(10)61109-9) liefert hierfür erstmals Hinweise, ohne aber eine genetische Genese abschließend beweisen zu können.

Auf eine genetische Prädisposition zur ADHS weise die familiäre Häufung hin sowie die Tatsache, dass im Fall der Erkrankung eines Zwillings der andere eine Chance von drei zu vier habe, ebenfalls an einem ADHS zu erkranken, führt Anita Thapar von der Universität Cardiff aus, deren Arbeitsgruppe das Genom von 366 ADHS-Patienten und 1156 gesunden Kindern verglichen hat.
Dabei wurde nicht nach Genvarianten (SNP) gefahndet, hinter denen sich Genmutation verbergen können. Mit Unterstützung des Wellcome Trust wurden vielmehr Abweichungen in der Anzahl der Kopien in bestimmten DNA-Abschnitten gesucht.

Solche Copy Number Variants (CNV, Genkopiezahlvarianten) wurden zuvor bei Entwicklungsstörungen des Gehirns, von Lernstörungen bis zu Schizophrenie und Autismus gefunden, ohne dass deren Bedeutung für das Krankheitsgeschehen derzeit klar ist. Hierzu müsste der Einfluss der einzelnen Gene bekannt sein.

Die Forscher fanden CNV bei 15 Prozent der ADHS-Patienten und bei 7 Prozent der Kontrollen. Der Unterschied war statistisch signifikant, doch ob er eine klinisch relevante Bedeutung von Genen für die Entstehung der Erkrankung belegt, dürfte umstritten bleiben.

Thapar sagte gegenüber der Presse, die Studie beweise zweifelsfrei den Einfluss von Genen auf die Erkrankung. Andere Forscher, die die Ursachen bisher in Umwelteinflüssen, etwa in Erziehungsfehlern oder einer ungesunden Ernährung gesucht haben, müssten erkennen, dass sie sich geirrt haben.

Die Patienten seien zu Unrecht stigmatisiert worden, meint die Lehrstuhlinhaberin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Tim Kendall, ein Leiter des National Collaborating Centre for Mental Health (NCCMH), das für das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) Behandlungsleitlinien erarbeitet, meinte gegenüber der BBC, der Nachweis von genetischen Varianten bei gerade einmal einem Sechstel der Patienten könne kaum belegen, dass das ADHS eine genetische Erkrankung sei. Gene würden seiner Ansicht auch nicht erklären, warum einige Kinder an einem ADHS erkranken, andere jedoch nicht.
 

Für pauschale Bewertung der Studienergebnisse scheint es tatsächlich etwas zu früh zu sein. Einen Einfluss auf Diagnose und Therapie der Erkrankung haben die Ergebnisse der Studie ohnehin nicht. Der Editorialist Peter Burbach von der Universität Utrecht hofft jedoch, dass sich aus der Entdeckung der CNV Einsichten in die Pathogenese und Neurobiologie der Erkrankung ergeben werden.

Das Forschungsinteresse wird vor allem auf eine Region des Chromosoms 16p13,11 gelenkt, wo mehrere CNV gefunden wurden. Von besonderem Interesse ist für Burbach das in dieser Region lokalisierte Gen NDE1 (nuclear distribution gene E homologue 1), das offenbar an der Hirnentwicklung beteiligt ist.

Es interagiert laut Burbach mit dem Gen DISC1 (disrupted in schizophrenia 1), das auf eine Schizophrenie prädisponiert. Die meisten Hirnforscher sehen die Schizophrenie heute als eine Entwicklungsstörung des Gehirns, was vermutlich auch auf den Autismus zutrifft, zu dem es laut den Ergebnissen der jetzigen Studien ebenfalls „CNV-Überlappungen“ mit dem ADHS gibt.

Die Bedeutung einer etwaigen Verwandtschaft sollte jedoch nicht überstrapaziert werden. Laut Burbach erklären die CNV bei der Schizophrenie und beim Autismus allenfalls 1 bis 2 Prozent der Fälle. Bei der ADHS dürfte es ähnlich sein, auch wenn die Autoren hierzu in der Studie keine Angaben machen.

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© rme/aerzteblatt.de

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Alternativmed
am Montag, 4. Oktober 2010, 17:00

Immer wieder sucht man nach dem Kandidatengen für Autismus, ADHS oder Schizophrenie

mittlerweile gar nach gemeinsamen Genen, und scheinbar gibt es sogar so etwas wie eine Vererbbarkeit, beim Autismus sogar recht gut belegt, immerhin haben Geschwister ein mehrfach höheres Risiko als Nichtgeschwister. Auch die Epigenetik wird strapaziert, die ja mit Umwelteinflüssen im weitesten Sinne bis hin zu Ernährung und familiärem Umfeld zu tun hat. Aber das eine Kandidatengen gibt es nun mal nicht, vielmehr ist es eine bestimmte Kombination zahlreicher unterschiedlicher Einflüsse, und auch Ernährungsumstellungen haben in Verbindung mit anderen therapeutischen Maßnahmen manch aussichtslose Prognose wesentlich aufgehellt und Psychopharmaka überflüssig gemacht. Und manches lässt sich bis hin zu molekularen Mechanismen sogar wissenschaftlich erklären, wenn auch vieles noch widersprüchlich und unverstanden ist. Man sollte jedenfalls kein Fachidiot sein und die Kompexität und individuelle Vielfalt dieser Erkrankungen berücksichtigen. Wer heilt, hat Recht.
marc
am Donnerstag, 30. September 2010, 22:43

Sind das Neuigkeiten?

Früher hiess das Persönlichkeitstörung, heute ADHS und man füttert mit Ritalin
adonis
am Donnerstag, 30. September 2010, 20:02

Mir ist ein Rätsel wie die Menschheit

ohne Ritalin bis in das 21. Jahrhundert überlebt hat.

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