Yersinia pestis für Schwarzen Tod im Mittelalter verantwortlich
Montag, 11. Oktober 2010
Mainz – Das Bakterium Yersinia pestis ist tatsächlich der Erreger, des „Schwarzen Todes“ im Mittelalter. Das haben Anthropologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) anhand von DNA- und Proteinanalysen an Pestskeletten belegt. Sie publizierten ihre Ergebnisse im open access journal PLoS Pathogens (doi:10.1371/journal.ppat.1001134).
Die Untersuchung alter Erbsubstanz aus Massengräbern in fünf Ländern zeigte außerdem, dass zumindest zwei Varianten von Yersinia pestis, die beide bisher unbekannt waren, als Krankheitserreger der Pest aufgetreten sind.
„Unsere Befunde lassen vermuten, dass die Pest über mindestens zwei Kanäle nach Europa eingeschleppt wurde und dann jeweils eine individuelle Route genommen hat“, sagte die Projektleiterin Barbara Bramanti vom Institut für Anthropologie.
Nachdem die Wissenschaftler die Infektion mit Yersinia pestis in ihren Proben eindeutig nachgewiesen hatten, haben sie anhand einer Analyse von rund 20 Markern untersucht, ob eine der bekannten Bakterienvarianten „Orientalis“ oder „Medievalis“ vorliegt.
Sie fanden aber stattdessen zwei unbekannte Formen, die älter sind und sich von den modernen Erregern in Afrika, Amerika, dem Nahen Osten und dem Gebiet der früheren Sowjetunion unterscheiden.
Eine dieser beiden Formen, die vermutlich wesentlich zu dem katastrophalen Verlauf der Seuche im 14. Jahrhundert beigetragen haben, ist heute mit großer Wahrscheinlichkeit ausgestorben. Die andere scheint Ähnlichkeiten mit Formen zu zeigen, die vor kurzem in Asien isoliert worden sind.
Die Wissenschaftler zeichnen in ihrer Rekonstruktion der Ereignisse eine Ausbreitungsroute, die von der anfänglichen Einschleppung des Erregers im November 1347 aus Asien nach Marseille über Westfrankreich nach Nordfrankreich bis England verläuft.
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