Politik

Organspende: Auf der Suche nach „Organpaten“ in Einkaufszentren

Dienstag, 12. Oktober 2010

Berlin – „Wer über Organspende spricht, setzt sich immer auch mit dem Sterben auseinander. Das macht vielen Menschen Angst. Deshalb ist es wichtig, anschaulich und sachlich über das Thema zu informieren und den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich persönlich beraten zu lassen.“

Mit diesen Worten hat Bundes­gesundheits­minister Phillipp Rösler (FDP) die Auftakt­veranstaltung der Kampagne „Organpaten werden“ am Dienstag in Berlin eröffnet. Sie wird von der Bundeszentrale für gesund­heitliche Aufklärung (BZgA) organisiert und soll bewirken, dass mehr Menschen einen Organspendeausweis ausfüllen und bei sich tragen.

Um die Bundesbürger als „Organpaten“ zu gewinnen, will die BZgA sie dort erreichen,  wo sie sich täglich aufhalten. Deshalb wird eine Informationstour quer durch Deutschland organisiert, mit Infoständen in Einkaufszentren und auf Großveranstaltungen. Interessierte Bürger sollten sich „auf spielerische Art“ dem Thema Organspende nähern, hieß es.

Und weiter: „So geben beispielsweise Multi-Touch-Tische einen virtuellen Einblick in den Körper, interaktive Stelen bieten die wichtigsten Informationen zur Organspende, und bei einer Bodenprojektion kann man den Organspendeausweis als Puzzle mit den Füßen selber zusammensetzen.“

Einer Studie der BZgA zufolge sind zwar 74 Prozent der Deutschen bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Doch  nur 25 Prozent besitzen einen Spendeausweis. Als Gründe keinen Ausweis zu haben führen 62 Prozent an, sie könnten sich noch nicht entscheiden.  47 Prozent fürchten sich vor Organhändlern, 33 Prozent haben Angst, als potenzieller Organspender im Notfall schlechter behandelt zu werden.

Fast die Hälfte der Befragten gab zudem an, wenig oder schlecht zum Thema informiert zu sein. „Doch gerade durch fehlendes Wissen entstehen die meisten Ängste erst“, sagte Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Mit der Kampagne versuche man die Menschen besser zu informieren, ergänzte sie.  Sie sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen und eine eigene Haltung entwickeln. © rc/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

ironwolf
am Donnerstag, 14. Oktober 2010, 07:50

es gibt fälle

es gibt da diese geschichte von einem anwalt. er hat mal einen arzt in einem sehr gruseligen fall vertreten: einer jungen frau mitte 20 geht es eines abends nicht gut. sie fährt ins krankenhaus. am tag später wollen ihre angehörigen sie besuchen und finden "sie" ohne augen, minus eine hand, und was sich dann später herrausstellte auch ohne alle anderen inneren organe wieder. natürlich ist die frau tod. nach der frage woran die frau nun gestorben sei konnte man keine verbindliche auskunft geben, natrülich gab es einen bericht, wie es sein muss, aber da stand keine definitive ursache drin. die frau hatte ein organspende ausweis.
alle ärzte wurden angeklagt so auch der mandant des anwalts.

wer sich son todesausweis ich meine spenderausweis holt ist schön dumm. sicher gibt es fälle, in denen jemand unverschuldet sein organ verliert und ein neues braucht, aber in den meisten fällen liegt es mit drugabuse, alkohol, zigaretten, schweinefleisch, kein sport und ungesunder lebensstil zusammen. da sag ich nur: selber schuld.
in den anderen fällen: dumm gelaufen.
jetzt kommen die: ah wenn es dir dann selber mal so geht. ja und? wenn es keine Organtransplantation gibt muss man sich damit abfinden. man weiß es vorher.

denebola777
am Mittwoch, 13. Oktober 2010, 11:02

Andere Länder, andere Sitten

Warum kan man das nicht wie in anderen Ländern, z.B. Spanien, regeln. Da ist jeder Bürger automatisch ein potentieller Organspender. Nur wer sich selbst ganz bewußt dagegen entscheidet oder wenn die Angehörigen und Hinterbliebenen eine Organspende verweigern entfällt als Spender. Ich glaube das hier zu Lande auch viele einfach aus Bequemlichkeit (noch) keinen Ausweis haben. Wie im Artikel beschrieben wären auch sehr viele dazu gereit zu spenden, aber sich selber darum kümmer,sich selbst einen Ausweis besorgen und den dann auch noch immer mit sich zu führen??? Das ist für viele zu "anstrengend".
Wann dann jemand wirklich Hirntod ist, und damit als Spender in Frage kommt, ist dann nochmal ein anderes Thema. Erst mal geht es darum, dass ja fast keine Spender da ist.
sozi
am Mittwoch, 13. Oktober 2010, 10:31

INTERESSANTE FRAGE.....

Ich stimme "Melancholie" zu.
Vor knapp vier Jahren starb mein Bruder und nachdem ich mich zuvor mit ihm über Organspenden unterhalten habe wußte ich, dass er einer Freigabe zustimmen wollte.
Wir Angehörigen hatten keine Minute lang den Eindruck, dass die Ärzte während der 6 Tage an denen er im Koma lag nur den "künftigen" Organspender sahen.
Mein Bruder wurde in der Klinik bestens versorgt und gepflegt und auch wir -seine Familie- wurden fürsorglich "behandelt".
Was aber m.E. alle die es wissen WOLLEN, wissen MÜSSEN:
kann die Organentnahme unter Vollnarkose erfolgen?
der "Hirntote" wird beatmet, d.h. die Angehörigen sehen ihn vor der Entnahme nicht wirklich als Toten (er atmet noch und ist warm)!!
der Verstorbene kann nach Eintreten des Hirntotes nicht lange liegen bleiben; die Angehörigen können sich nur kurz verabschieden!
die Entnahme der Organe ist eine sehr sehr blutige Angelegenheit (der Verstorbene wird -natürlich- "aufgeschnitten" und die Aorta durchtrennt, alles Blut wird aus dem Körper gespült);
die Einnahme von Immunsuppressiva für den Empfänger ist sehr belastend und das Leben mit einem verpflanzten Organ nicht einfach (es wird oft vorgegauckelt, dass danach alles ist wie vor der Transplantation, obwohl auf immer eine Abstoßung des Organs droht und die Medikamente Nebenwirkungen haben);
die DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) ist sehr entgegenkommend (berichtet auf Anfrage anonymisiert über die Empfänger, lädt zu Angehörigentreffen ein);
allerdings habe ich die (angebotene) Betreuung der Angehörigen vor Ort in der Klinik vermisst;
und: leider bleibt immer zu wenig Zeit für die Ärzte in Ruhe mit den Angehörigen zu sprechen (uns wurde der "Eintritt des Hirntodes" auf dem Klinikflur mitgeteilt;
vielleicht regt meine Erfahrung an, sich VORHER und für alle Fälle Gedanken zum Thema zu machen und seinen Willen klar zu äußern.
Es ist verdammt schwer für Angehörige eine solche Entscheidung zu treffen, zumal sie sich in einer absoluten Stressituation befinden.
Diese kritischen Aspekte wurden mir erst klarer, als der schlimmste Schmerz überwunden war.
Seither kämpfe ich mit dem Gedanken ob ich nach wie vor bereit bin alle Organe im Todesfall frei zu geben.
Für die Angehörigen und auch das "explantierende" Team ist eine Entnahme eine ganz große Belastung. Für den Empfänger die Rettung. Vielleicht.
Melancholie
am Dienstag, 12. Oktober 2010, 17:40

wie viel bekommt ein Hirntoter noch mit?

...das ist eine Frage, die m.E. nach noch nicht ausreichend geklärt wurde.
Warum bekommen Hirntote Schweißausbrüche, und ihr Blutdruck steigt an (eindeutige Anzeichen für Schmerzempfindung) wenn man ihnen ohne Narkose die Organe entnimmt?
Warum gibt es Hirntote, die nach so einer Organentnahme schneeweiße Haare haben, obwohl sie noch nicht einmal 20 Jahre alt sind?
Wie gut sind die medizinischen Geräte?
Kann es nicht sein, dass diese Hirnstrom messenden Geräte schlicht und ergreifend einfach nicht fein genug messen können, und der Mensch mehr mitbekommt, als man glaubt?
Man weiß inzwischen, dass es verschiedenste Arten von Koma gibt, in manchen Komazuständen können die Komapatienten nach dem Erwachen genau ihre Ärzte und Pflegepersonal beschreiben.
Ich habe nichts gegen eine Organentnahme, wenn SICHER gestellt ist, dass man davon NICHTS mitbekommt,so lange es aber den geringsten Zweifel daran gibt, dass ein hirntoter Patient tatsächlich keinen Schmerz dabei empfindet, muss entweder zur Organentnahme eine Vollnarkose eingesetzt werden, oder diese hat zu unterbleiben.
5.000 News Politik

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige