Hepatitis-C: Neue Hoffnung durch Enzym-Hemmung
Donnerstag, 14. Oktober 2010
San Francisco – Ein Enzym, das normalerweise Fett in der Leber speichert, ist auch dafür zuständig, Hepatitis-C-Viren zu aktivieren und die Infektionskrankheit auszulösen. Das berichten Wissenschaftler unter der Leitung von Melanie Ott vom Gladstone Institute of Virology and Immunology in einer neuen Untersuchung. Die im Journal Nature Medicine (doi: 10.1038/nm.2238) publizierte Studie könnte laut den Autoren den Weg für eine neue Therapie der Hepatitis-C-Infektion bahnen.
Während über 160 Millionen Menschen auf der Welt mit dem Virus infiziert sind, gibt es bisher keine effektive Impfung gegen Hepatitis C. Auch aktuelle Behandlungsstrategien sind laut den Wissenschaftlern oft nicht wirksam genug.
Der Lebenszyklus von Hepatitis-C-Viren ist weitestgehend gut erforscht. Nach dem Eintritt des Virus in die Zelle werden neue Virus-Partikel hergestellt und schließlich in den Blutkreislauf abgegeben, um mehr Zellen zu infizieren.
Während bisher angenommen wurde, dass diese Vermehrungs-Prozesse in bestimmten Membranen innerhalb der Zelle ablaufen, zeigen Ott und ihre Kollegen, dass stattdessen Fett-aufnehmende Zellen dafür verantwortlich sind. Bei dem in der Studie untersuchten Enzym handelt es sich um das sogenannte DGAT-1-Enzym, dass genau diese Fett-Aufnahme katalysiert.
Auf der Basis dieser Erkenntnisse untersuchten sie Leberzellen, die eine verminderte Aktivität dieses Enzyms hatten. Die Forscher entdeckten, dass sowohl die Replikation der Virus-Kopien als auch die Infektion weiterer Zellen dort wesentlich geringer waren.
Deshalb müsse es möglich sein, durch Inhibitoren des DGAT-1 auch den Vermehrungszyklus des Hepatitis-C-Virus zu schädigen, vermuten die Wissenschaftler. „Möglicherweise haben wir hier die Achillesferse der Hepatitis-C-Infektion getroffen“, so Ott.
Zu DGAT-1-Inhibitoren laufen bereits pharmakologische Studien zur Behandlung von Adipositas. Genau so gut könnten diese Medikamente auch gegen Hepatitis-C helfen, hofft die Wissenschaftlerin.
© hil/aerzteblatt.de
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