Politik

Kuschs Verein leistete 2010 über zehn Mal Sterbehilfe

Montag, 18. Oktober 2010

Berlin – Der Verein „SterbeHilfe Deutschland“ hat nach Angaben seines Gründers, des früheren Hamburger Justizsenators Roger Kusch, 2010 bereits mehr als zehn Suizid-Kandidaten in den Tod begleitet.

Kusch sagte dem Focus, er sei „für Beratungsgespräche zu Sterbewilligen in ganz Deutschland gereist“. Persönlich habe er aber keine Sterbehilfe geleistet. Dies hatten ihm Polizei und das Hamburger Verwaltungsgericht 2009 untersagt.

Zuletzt hatte die Hamburger Staatsanwaltschaft im Juni 2010 ein Ermittlungsverfahren gegen Kusch eingestellt. Sie hatte gegen den Gründer des Vereins „SterbeHilfe“ wegen des Verdachts ermittelt, er habe selbst Sterbewilligen verschreibungspflichtige Medikamente beschafft und damit gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen. Die Staatsanwaltschaft erklärte sprach von Indizien, für die aber ein tragfähiger Beweis fehle. Alle Verstorbenen hätten sich offenbar aufgrund eigener Entscheidung zum Suizid entschlossen.

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In den vergangenen Jahren hatte Kusch in mehreren Fällen gegen Zahlung von mehreren tausend Euro Menschen bei der Selbsttötung geholfen. Nachdem ihm das Hamburger Verwaltungsgericht die Beihilfe zum Suizid untersagte, kündigte er im Februar 2009 zunächst an, keine Sterbehilfe mehr leisten zu wollen.

Anfang 2010 gründete der Jurist jedoch in Hamburg den jetzt aktiven Verein. Der Verein handele „nicht zur Gewinnerzielung“, sondern setze auf „freie Mitgliedschaft“, heißt es auf der Internetseite. Der Jahresbeitrag beträgt 100 Euro; eine lebenslange Mitgliedschaft kostet 1.000 Euro. © kna/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Mittwoch, 20. Oktober 2010, 09:15

Diskussion jenseits der "causa Kusch"!

Suizidbeihilfe ist nicht strafbar und es steht nicht zu erwarten an, dass es auch künftig eine lex Kusch geben wird.

Der Wertediskurs wird in einem zunehmenden Maße unabhängig von Einzelfällen geführt und dies ist nachhaltig zu begrüßen, da hiermit ein stückweit mögliche "Feindbilder" aus dem Fokus geraten, die insgesamt lediglich dazu beitragen sollen, von den zentralen Fragen der Suizidbeihilfe (auch bei Einzelfällen in aktiver Form) ablenken zu können.

Die Gegner der ärztlichen Suizidbeihilfe sind mehr denn je in Argumentationsnöte gekommen und von daher ist es an der Zeit, dass die "Lebensschützer-Fraktion" ihren ethischen und moralischen Widerstand aufgeben.

Schwersterkrankte und sterbende Menschen werden es ihnen danken, auch wenn diese in der Mehrheit sich für eine palliativmedizinische Betreuung aussprechen sollten.

Ich halte es für ausgesprochen vermessen und ignorant, gerade dieser Patientengruppe moralische Pflichten auferlegen zu wollen und dabei ungeniert auch noch darauf hinzuweisen, dass derjenige, der einen Suizid begehen möchte, letztlich "unanständig" sei.

Unglaublich, aber leider wahr und da frage ich mich dann schon einmal in einer stillen Stunde, welche (Hiobs-)Botschaften die Medizinethik noch für uns bereithält.

Mit Verlaub: So geht das nicht und es ist ein echtes Ärgnernis, dass einige Medizinethiker glauben, schwersterkrankte Patienten an ihrem Lebensende missionieren zu müssen, so dass diese sich mit ihrem Leid in den Dienst einer medizinischen Therapierichtung zu stellen haben.

Derartigen "Überzeugungstätern" sollten m.E. deutlicher als bisher die Grenzen aufgezeigt werden!
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