Poppers-Warnung: Wenn Sex blind macht
Dienstag, 19. Oktober 2010
Paris – Französische Augenärzte warnen vor der Anwendung von „Poppers“. Die Partydroge, die als sexuelles Stimulans eingesetzt wird, könne der Retina langfristige Schäden zufügen, berichten sie im New England Journal of Medicine (2010; 363: 1583-1585).
„Poppers“ ist eine Slang-Sammelbezeichnung für eine Gruppe aliphatischer Nitrite, die früher wegen ihrer vasodilatatorischen Wirkung als Medikament gegen Angina pectoris eingesetzt wurden. Die Substanzen verdampfen bei Raumtemperatur.
Sie wurden in Glasampullen verkauft, bei deren Öffnen ein Geräusch entsteht, dem die Droge ihre Bezeichnung verdankt. Nitrite werden wegen der Methämoglobinbildung in der Medizin nicht mehr eingesetzt.
Als sogenannte Partydroge erfreuen sie sich jedoch einer gewissen Beliebtheit. Denn die Vasodilatation, die durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid vermittelt wird, steigert – ähnlich wie Sildenafil – die Erektionsfähigkeit, wobei die Wirkung schneller einsetzen dürfte. Poppers werden aber auch von Frauen als Aphrodisiakum verwendet.
Stickstoffmonoxid wirkt indes nicht nur im Genitalbereich, sondern – unter anderem – auch im Auge, wo es in den Stoffwechsel der Photorezeptoren eingreift. Dadurch erklären sich die Berichte über Phosphene, spontane Lichtwahrnehmungen, mit denen Anwender in Internetforen prahlen.
Die buchstäblich dunkle Seite dieses Phänomens erfuhr eine 27-jährige Frau, die nach der Anwendung von “Jungle Juice” (in Kombination mit Alkohol) über einen anhaltenden Visusverlust klagte, in Kombination mit einem nicht verschwinden wollenden hellen Fleck im zentralen Sehbereich.
Der Ophthalmologe Michel Paques von der Quinze-Vingts Klinik in Paris konnte den Fleck im Augenhintergrund der Patientin sehen und in der optischen Kohärenztomografie auf die äußere Schicht der Photorezeptoren in der Retina lokalisieren.
Die Veränderungen waren auch bei einer Nachuntersuchung nach einem Monat noch erkennbar. In den folgenden drei Monaten konnten die Ophthalmologen drei weitere Patienten untersuchen. Sie vermuten deshalb, dass es sich um keine Einzelfälle handelt.
© rme/aerzteblatt.de
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