Torrance – Die inzwischen weitgehend verlassene Hormonersatztherapie hat nicht nur die Brustkrebsinzidenz erhöht, wie frühere Auswertungen der Women's Health Initiative (WHI) bereits gezeigt hatten. In den Folgejahren kam es laut einer neuen Publikation im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2010; 304: 1684-1692) auch zu einem Anstieg der Brustkrebs- und Gesamtmortalität.
Der Östrogen-Gestagen-Arm der WHI wurde, wie allgemein bekannt, im Juni 2002 abgebrochen, weil es unter der Hormontherapie nach im Durchschnitt 5,6 Jahren zu einem Anstieg der Brustkrebsinzidenz gekommen war. Die meisten Frauen stimmten einer Nachbeobachtung zu, die jetzt 7,9 Jahre umfasst.
Wie Rowan Chlebowski vom Los Angeles Biomedical Research Institute in Torrance/Kalifornien jetzt mitteilt, sind auch in dieser Zeit vermehrt Brustkrebserkrankungen unter den Ex-Anwenderinnen aufgetreten: Im Gesamtzeitraum beträgt die Inzidenz 0,42 Prozent pro Jahr gegenüber 0,34 Prozent pro Jahr im Placebo-Arm.
Diese „Nachwirkung“ war erwartet worden, da bei Krebserkrankungen zwischen Einwirkung einer Noxe und der klinischen Manifestation in der Regel mehrere Jahre liegen. Viele Experten hatten jedoch gehofft, dass die Hormone nur das Wachstum der Tumoren beeinflussen würden, nicht aber deren Aggressivität, weil bevorzugt Östrogenrezeptor-positive und vielleicht auch HER2/neu-negative Tumoren angeregt würden. Die neuen Daten zeigen nun aber, dass bei den Ex-Anwenderinnen bei der Diagnose des Mammakarzinom der Lymphknotenbefund häufiger positiv ist (23,7 Prozent vs. 16,2 Prozent).
Die Folge war ein Anstieg der Brustkrebsmortalität von 1,3 auf 2,6 Todesfälle auf 10.000 Personenjahre. Diese Auswertung beruht zwar nur auf 25 Todesfällen an Brustkrebs (versus 12 im Placebo-Arm), die Hazard Ratio (HR) von 1,96 erreichte aber bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,00-4,04 das Signifikanzniveau (p=0,049).
Das trifft auch auf die Gesamtsterblichkeit zu, die infolge der Hormontherapie von 3,4 auf 5,3 Todesfälle pro 10.000 Personenjahre signifikant angestiegen ist (HR 1,57; 1,01-2,48; p=0,045). Ein Zufall scheint mithin ausgeschlossen.
Für den Editorialisten Peter Bach vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York werfen die Ergebnisse Fragen zum Einsatz der Hormone zur symptomatischen Behandlung von klimakterischen Beschwerden auf (JAMA 2010; 304: 1719-1720.).
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