6.758 News Politik

Politik

Streit um Gentests an Embryonen geht weiter

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Bonn – Die Vorsitzende der Frauen-Union der CDU, Maria Böhmer, hat sich für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Böhmer, die auch Staatsministerin für Integration und CDU-Präsidiumsmitglied ist, sagte heute, mit der PID sei unvermeidlich eine Gewichtung des Lebens verbunden. Man dürfe „Leben aber nicht selektieren“. Deshalb sei es wichtig, die Gesetzeslücke zu schließen. 

Einer eingeschränkten Zulassung, wie sie auch einige Parteikollegen fordern, erteilte Böhmer eine klare Absage. Eine Begrenzung sei unrealistisch und nicht durchzuhalten. Das zeigten nicht zuletzt Erfahrungen im Ausland. Zudem fielen bei der PID sehr viele überzählige menschliche Embryonen an. Bei Klinikbesuchen im Ausland habe sie allein in einer Einrichtung 50.000 eingefrorene Embryonen vorgefunden. Damit würden ganz neue Fragen aufgeworfen. 

Böhmer sprach sich dafür aus, dass der CDU-Parteitag Mitte November diese Frage intensiv diskutieren solle. Sie gehe davon aus, dass die Delegierten den Beschluss des Grundsatzprogramms von 2007 bestätigen werden. Darin heißt es: „Wir treten für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) ein.“ 

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich ebenso wie Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bereits für ein PID-Verbot ausgesprochen. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) plädierte hingegen im Tagesspiegel vom Donnerstag dafür, „in sehr engen Fällen“ Ausnahmeuntersuchungen zuzulassen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sprach sich für die PID aus. Schwangerschaften auf Probe seien unzumutbar, erklärten die Mediziner in Lübeck. Bei der PID handele es sich um „einen medizinischen Fortschritt, der Betroffenen nicht vorenthalten werden darf“. 

In der politischen Debatte um die Zulassung der PID müsse „das Wohl der mündigen Mitbürger als zentrales Ziel begriffen und die Vermeidung von Leid für Betroffene in den Vordergrund“ gestellt werden, forderte die Fachgesellschaft weiter.

Sie bezeichnete es als widersprüchlich, dass eine im Reagenzglas befruchtete Eizelle besser geschützt werde als ein Embryo im Mutterleib, bei dem eine Abtreibung im Fall einer schweren Behinderung gesellschaftlich akzeptiert sei. Eine genetische Untersuchung im Reagenzglas bedeute eine weit geringere Belastung für eine Frau mit Schwangerschaftswunsch als die Perspektive eines viel späteren Schwangerschaftsabbruchs, so die DGGG. 

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen auf Gendefekte untersucht und im Fall von Schäden vernichtet. Anfang Juli hatte der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil überraschend festgestellt, dass die PID nicht gegen das Embryonenschutzgesetz verstößt und damit straffrei bleibt. Seitdem gibt es Forderungen nach einem expliziten Verbot dieser Untersuchungsmethode. 

Die katholische Kirche, Behindertenverbände und Lebensschutzgruppen lehnen jegliche Anwendung der PID in Deutschland strikt ab. Sie befürchten, dass es zur Selektion und Tötung von Embryonen kommt. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.758 News Politik

Nachrichten zum Thema

19.02.13
Berlin – Der Weg für Gentests an künstlich erzeugten Embryonen ist nun endgültig frei. Das Bundeskabinett stimmte am Dienstag in Berlin der Rechtsverordnung zu, die die sogenannte...
01.02.13
Berlin – Gentests an künstlich erzeugten Embryonen werden in Deutschland in Kürze möglich sein. Der Bundesrat stimmte heute der Verordnung zu, die die Einzelheiten bei der Durchführung der...
30.01.13
Berlin – Abgeordnete aus allen Fraktionen haben strengere Regeln für genetische Untersuchungen an künstlich erzeugten menschlichen Embryonen gefordert. In einer heute in Berlin veröffentlichten...
29.01.13
Berlin – Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Beschluss des Bundestags zu Gentests an Embryonen kann das Gesetz in die Praxis umgesetzt werden. Bundesregierung und Länder haben sich nach monatelangem...
04.01.13
Ethikrat-Chefin warnt vor Selektion von Embryonen nach Geschlecht
Bonn – Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, hat vor einem Missbrauch der Präimplantationsdiagnostik (PID) bei der Auswahl des Geschlechts der Kinder gewarnt. Es gebe auch in...
26.11.12
Düsseldorf – Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat Kritik an seiner Verordnung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) zurückgewiesen. Die Zahl der PID-Zentren sei „sehr wohl begrenzt“, auch...
23.11.12
Berlin – Die Regelung des Bundesgesundheitsministeriums für die Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) sorgt weiter für Unmut. Der Deutsche Ethikrat wirft der Regierung vor, sich mit der...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in