Ann Arbor – Die Sepsis ist nicht nur ein medizinischer Notfall, von dem sich die Patienten nach erfolgreicher Behandlung vollständig erholen. Nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2010; 304: 1787-1794) erleidet jeder zehnte ältere Patient bleibende kognitive Schäden.
Ältere Menschen sind aufgrund ihres geschwächten Immunsystems besonders anfällig gegenüber schweren Infektionen. Wenn es zur Sepsis kommt, müssen sie häufig längere Zeit auf der Intensivstation behandelt werden.
Dort sind sie immobilisiert, und nach einer erfolgreichen Therapie fällt es vielen sichtlich schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Schuld ist allerdings nicht allein die Muskelschwäche, sondern offenbar auch eine Schädigung des Gehirns, zu der es vielleicht infolge der generalisierten Entzündungsreaktion infolge der Sepsis kommt. Möglich ist auch, dass die Behandlung (Beatmung und eingesetzte Medikamente) ihre Spuren im Gehirn hinterlassen.
Die Ergebnisse von Theodore Iwashyna vom der Universität von Michigan in Ann Arbor und Mitarbeitern sind frappierend: Hatten vor der Sepsis 6,1 Prozent der Studienteilnehmer der Health and Retirement Study (die fast 17.000 Medicare-Begünstigte begleitet) eine schwere kognitive Störung, so waren es nach der Krankenhausentlassung 16,7 Prozent. In der adjustierten Analyse bedeutet das mehr als eine Verdreifachung (Odds Ratio 3,34; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,53-7,25).
Viele Senioren waren nach der Entlassung in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt: Mehr als 40 Prozent hatten Schwierigkeiten beim Gehen und fast jeder fünfte hatte Probleme beim Einkaufen oder bei der Zubereitung der Mahlzeiten. Viele Patienten waren bei wesentlichen Tätigkeiten des täglichen Lebens wie Baden oder der Benutzung der Toilette eingeschränkt.
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