Behandlungsfehler bei chronischen Nackenschmerzen
Mittwoch, 3. November 2010
North Carolina – Während diagnostische, bildgebende Maßnahmen und Medikamente bei Personen mit chronischen Nackenschmerzen zu häufig und mit geringem Nutzen verordnet werden, sind hilfreiche Maßnahmen deutlich unterrepräsentiert.
Das meinen Wissenschaftler um Adam Goode von der Duke University of Medicine in North Carolina. Sie publizierten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Arthritis Care and Research (DOI:10.1002/acr.20270).
30 bis 50 Prozent der Erwachsenen leiden regelmäßig an Nackenschmerzen. 50 bis 85 Prozent der Betroffenen beschreiben ihre Schmerzen als chronisch. Chronische Nackenschmerzen sind häufig schlecht therapierbar, ebenso wie Rückenschmerzen.
Für ihre Studie verwendeten Adam Goode und seine Kollegen die Daten einer telefonischen Untersuchung aus dem Jahr 2006, die 5.357 Haushalte aus North Carolina einbezog. Die Forscher analysierten die Daten von 135 Erwachsenen ab 21 Jahren, die an chronischen Nackenschmerzen litten. Chronischer Nackenschmerz war definiert als Schmerz oder Aktivitätsbeeinträchtigung, die fast täglich über einen Zeitraum von drei Monaten auftrat.
Die Studie zeigte, dass die Studienteilnehmer durchschnittlich 1,6 diagnostische Tests wie spinales Röntgen, Magnetresonanztherapie oder Computertomographie erhielten. „Für Patienten mit solch einer langen Krankheitsdauer kann die Wahrscheinlichkeit, dass bildgebende Maßnahmen klinisch wichtige Schlussfolgerungen zeigen, abnehmen“, erklärte Goode.
Mehr als 56 Prozent der Studienteilnehmer nahm rezeptfreie Medikamente, beispielsweise nichtsteroidale antientzündliche Medikamente. 29 Prozent der Studienteilnehmer verwendeten starke und 23 Prozent schwache Narkotika. Medizinische Hinweise für die Wirksamkeit dieser Medikamente bei chronischen Nackenschmerzen seien sehr limitiert, erklärten die Wissenschaftler.
Die Ergebnisse der Befragung zeigten außerdem, dass Ärzte effektivere Behandlungen für Nackenschmerzen, wie therapeutische Übungen, übersehen. Physiotherapie könne Nackenschmerzen sehr lindern, werde aber nur in 53 Prozent der Fälle verordnet.
„Physiotherapeutische Maßnahmen und Akupunktur sind wirksame Behandlungsformen, die nur selten von Patienten mit chronischen Nackenschmerzen verwendet wurden“, sagte Goode.
Die meistens verwendeten Therapieformen der Studienteilnehmer waren oberflächliche Hitze (57 Prozent), Kälte (47 Prozent) und therapeutische Massagen (28 Prozent).
„Unsere Beispielgruppe war hochgradig eingeschränkt, trotz mehrerer diagnostischer Maßnahmen und Behandlungen. Beruhend auf der gegenwärtigen Studie wurden mehrere Behandlungsmöglichkeiten zu häufig und einige wirksame Behandlungen zu selten benutzt“, schloss Goode. © hil/aerzteblatt.de
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