IVF/ICSI: Mehrlingsschwangerschaften könnten Zerebralparesen begünstigen
Mittwoch, 3. November 2010
Aarhus – Die künstliche Befruchtung verdoppelt das Risiko einer späteren Zerebralparese des Kindes. Die Gefahr scheint jedoch abzunehmen, seit zunehmend Einzelschwangerschaften angestrebt werden. Dies geht aus zwei aktuellen Studien hervor.
Dass mit Hilfe der In-vitro Fertilisation (IVF) oder intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) gezeugten Kinder häufiger an einer Zerebralparese erkranken, ist seit längerem bekannt. Bisher führten die Reproduktionsmediziner dies auf die verminderte Fruchtbarkeit der Frau zurück.
Diese Hypothese wird jedoch von Jin Liang Zhu von der Universität Aarhus und Mitarbeiter in Human Reproduction (2010; doi: 10.1093/humrep/deq206) widerlegt. Die Forscher setzten die Angaben von mehr als 90.000 Kindern des dänischen Geburtenregisters mit den Daten des Dänischen Zerebralparese-Registers in Verbindung.
Ergebnis: Die Dauer des Kinderwunsches vor der Schwangerschaft, ein Marker für die relative Unfruchtbarkeit, war nicht mit der Häufigkeit einer Zerebralparese assoziiert. Für die Kinder, die per IVF oder ICSI gezeugt wurden, bestand indes eine signifikante Assoziation mit der Zerebralparese. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren errechnet Zhu eine Hazard Ratio von 2,30 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,12-4,73).
Das absolute Risiko ist indes gering: Von den etwa 3.000 Kindern, die in den Jahren 1997 bis 2003 nach IVF/ICSI geboren wurden, erkrankten 165 an einer Zerebralparese. Das ergibt eine Inzidenz von 0,57 Prozent gegenüber 0,18 Prozent in der Gesamtgruppe aller Kinder.
Das Risiko könnte seit 2003 gefallen sein, wie eine Untersuchung von Karl Nygren von der Universität Lund zeigt, der die Daten von 2,6 Mio. Kindern ausgewertet hat, die zwischen 1982 und 2007 in Schweden geboren wurden, davon 31.587 nach IVF. Für die ersten Jahre zeigte sich die auch von Zhu beschriebene höhere Prävalenz der Zerebralparese unter IVF-Kindern.
Sie war aber in den Jahren 2004 bis 2007 nicht mehr nachweisbar. Nygren vermutet einen Zusammenhang mit der Zahl der Mehrlingsschwangerschaften, die früher nach einer IVF fast die Regel waren, heute aber vermieden wird. Die Rate ist in Schweden auf unter 10 Prozent gesunken.
© rme/aerzteblatt.de
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