Computergestützte Sturzprävention im Krankenhaus erfolgreich
Mittwoch, 3. November 2010
Boston – Eine auf das Risiko der Patienten zugeschnittene Sturzprävention hat in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 1912-1918) vor allem bei älteren Krankenhauspatienten die Zahl der Stürze verringert.
Ein Sturz hat bei älteren Patienten schnell eine Fraktur zur Folge und die Bettlägerigkeit begünstigt dann Lungenembolien und Pneumonien. Besonders gefährdet sind Patienten im Krankenhaus, da sie zumeist körperlich geschwächt sind und ihnen die Umgebung nicht vertraut ist.
Stürze steigern häufig die Behandlungskosten und verlängern den Klinikaufenthalt. Einige der Harvard Universität in Boston angegliederte Kliniken ließen sich deshalb ein “fall prevention tool kit” (FPTK) entwickeln, das in die Kliniksoftware integriert wurde.
In einem ersten Schritt nimmt das Pflegepersonal eine Einschätzung anhand der “Morse Fall Scale” vor. Ein Computerprogramm errechnet daraus nicht nur das individuelle Sturzrisiko. Es druckt auch auf die Bedürfnisse des Patienten angepasste Poster, Aufkleber und Informationsbroschüren für Pflegepersonal und Patienten aus.
In einer randomisierten Studie haben Patricia Dykes von Partners HealthCare System in Boston und Mitarbeiter das FPTK ein halbes Jahr auf acht Stationen des Brigham and Women's Hospital und anderer Kliniken getestet. Die Zahl der Stürze wurde gegenüber einer Vergleichsgruppe von 4,18 auf 3,15 pro 1000 Patiententage gesenkt.
Besonders erfolgreich war das FPTK bei den über-65-Jährigen, bei denen die Sturzhäufigkeit von 4,75 auf 2,66 pro 1.000 Patiententage gesenkt wurde. Für die acht beteiligten Stationen bedeutet dies, dass alle vier Tage ein Sturz vermieden wurde. Laut Dykes ist es das erste Mal, dass eine auf die Patienten zugeschnittene Sturzprävention in einer randomisierten Studie untersucht wurde.
© rme/aerzteblatt.de
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