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Tonische Inhibition: Wirkstoff soll Erholung nach Schlaganfall fördern

Donnerstag, 4. November 2010

Los Angeles – Ein Wirkstoff, der die „tonische Inhibition“ in der Penumbra nach einem Schlaganfall unterbindet, hat in einer tierexperimentellen Studie in Nature (2010; doi:10.1038/nature09511) die motorische Rehabilitation von Mäusen gefördert.

Einmal abgestorbenes Hirngewebe kann nicht wieder zum Leben erweckt werden. Die Behandlung des Schlaganfalls konzentriert sich deshalb darauf, die Schäden in der unmittelbaren Umgebung des Infarktes, der sogenannten Penumbra, zu begrenzen.

Dies geschieht derzeit durch die frühzeitige Thrombolyse, die die Durchblutung wieder herstellt. Einen anderen Ansatz verfolgt die Gruppe um Tom Carmichael von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles.

Die Forscher möchten die bekannte Plastizität des Gehirns fördern, dem es während der Rehabilitation oft auf erstaunliche Weise gelingt, verloren gegangene Fähigkeiten den benachbarten gesunden Hirnarealen zuzuordnen.

Diese “Selbstreparatur” sei in der Penumbra gestört, berichten die Forscher, weil es nach dem Infarkt zu einer „tonischen Inhibition“ komme, die die Hirnaktivität vermindere. In der ersten Stunden und Tagen nach dem Infarkt sei dies ein wichtiger Selbstschutzmechanismus, der das Überleben der Hirnzellen unter den Bedingungen einer eingeschränkten Sauerstoffversorgung sicherstelle. Doch auf die Dauer behindere die „tonische Inhibition“ die Reorganisation von Hirnfunktionen.

Als wesentlichen Neurotransmitter der „tonischen Inhibition“ hat Carmichael extrasynaptische GABA-A Rezeptoren ausgemacht. Sein therapeutischer Ansatz besteht deshalb in der Gabe eines „inversen Agonisten“ am GABA-A Rezeptor.

Dies wurde jetzt an Mäusen untersucht - mit viel versprechenden Ergebnissen, wie Carmichael berichtet. Die Tiere erholten sich nach einem Schlaganfall unter der Therapie deutlich schneller von den motorischen Störungen.

In einem weiteren Experiment haben die Forscher ihr Konzept weiter untermauert. Durch einen Eingriff in das Erbgut der Mäuse senkten sie die Zahl der GABA-A Rezeptoren. Der Effekt war der gleiche wie nach der Gabe des Wirkstoffs. Die Tiere erholten sich nach dem Hirninfarkt schneller.

Bis zum Beginn klinischer Studien dürfte es allerdings noch einige Zeit dauern. Die Forscher wollen zunächst weitere tierexperimentelle Studien durchführen. Dabei wird es auch auf den genauen Zeitpunkt der Therapie ankommen.

Ein zu früher Beginn könnte schädlich sein, weil er die anfängliche Schutzwirkung der „tonischen Inhibition“ aufheben würde. Die Folge könnte ein weiterer Verlust von Nervenzellen in der Penumbra sein. Sie bei der Lysetherapie könnte es ein therapeutisches Fenster geben, dass sich aber möglicherweise erst Tage nach dem Schlaganfall öffnet und wieder schließt. © rme/aerzteblatt.de

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