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Novoseven: Herzinfarkt und Schlaganfall bei Off-Label-Anwendung

Donnerstag, 4. November 2010

Amsterdam – Der rekombinante aktivierte Faktor VII (rFVIIa) wird zunehmend zur Stillung lebensbedrohlicher Blutungen eingesetzt. Die Anwendung ist jedoch nicht ohne Risiken. Eine Studie im New England Journal of Medicine (2010; 363: 1791-1800) dokumentiert eine erhöhte Inzidenz von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen thromboembolischen Ereignissen.

Das Präparat Novoseven® (Wirkstoff: Eptacog alpha) entspricht dem Enzym Prothrombinogen oder Faktor VII, das Teil der Gerinnungskaskade ist. Seine Besonderheit besteht darin, dass es die Gerinnung nur dort aktiviert, wo bereits Thromboplastin aus dem Gewebe mit dem Blut in Kontakt getreten ist, also am Ort der Blutung.

Novoseven® wird deshalb zunehmend als ein Hämostatikum bei schweren Blutungen eingesetzt, obwohl die Zulassung den Einsatz auf Patienten mit kongenitaler Hämophilie (mit Antikörperbildung gegen die substituierten Gerinnungsfaktoren) beschränkt.

Ein Problem jedes Off-Label-Einsatzes besteht darin, dass die Sicherheit nicht in Zulassungsstudien geprüft wurde. In den vergangenen Jahren hat es eine Vielzahl von Berichten über thrombotische Komplikationen im Off-Label-Einsatz von Novoseven® gegeben, die Zweifel an der lokalen Wirksamkeit ausschließlich am Ort der Blutung aufkommen ließen.

Eine frühere Übersicht schätzte die Inzidenz auf 1 bis 2 Prozent (Thromb Haemost 2008; 100: 557-62). Diese Zahl beruht aber auf 483 zumeist unkontrollierten und retrospektiven Studien. Marcel Levi vom Academisch Medisch Centrum in Amsterdam hat sich dagegen in seiner Analyse auf 35 placebokontrollierte Studien mit 4.468 Teilnehmern beschränkt, die ein zuverlässigeres und differenzierteres Bild ergeben.

Die Studie bestätigt, dass es tatsächlich häufiger zu arteriellen Thrombosen kommt, zu denen in erster Linie Herzinfarkte und Schlaganfälle gehören. Arterielle thromboembolische Ereignisse traten bei 5,5 Prozent der mit Novoseven® behandelten Patienten auf gegenüber 3,2 Prozent im Placebo-Arm (Odds Ratio 1,68; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,20-2,36).

Es handelte sich dabei zumeist um koronare Ereignisse (2,9 vs. 1,1 Prozent) oder zerebrovaskuläre Ereignisse (1,7 vs. 1,3 Prozent). Venöse Thromboembolien traten dagegen nicht häufiger auf (5,3 vs. 5,7 Prozent).

Besondere Vorsicht ist bei älteren Patienten angebracht: Bei den über 65-Jährigen kam es in 9,0 Prozent (vs. 3,8 Prozent) zu einem arteriellen thromboembolischen Ereignis, bei den über 75-Jährigen waren es sogar 10,8 Prozent (vs. 4,1 Prozent).

Diese Risiken müssen auch bei Notfallpatienten in die Bewertung einfließen, schreibt der Editorialist Louis Aledort von der Mount Sinai School of Medicine in New York (NEJM 2010; 363: 1853-1854). In lebensbedrohlichen Krisen haben die Ärzte jedoch häufig kaum eine andere Wahl. Ein unbedenklicher Einsatz dürfte durch die hohen Kosten der Behandlung verhindert werden. © rme/aerzteblatt.de

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