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Akne: Suizidrisiko und Isotretinoin

Freitag, 12. November 2010

Stockholm – Patienten mit schwerer Akne vulgaris haben ein erhöhtes Suizidrisiko, das unter der Therapie mit Isotretinoin und in den Monaten danach noch ansteigt, wie eine retrospektive Studie im Britischen Ärzteblatt (2010; 341: c5812) ergab.

Das Anfang der 80er Jahre eingeführte Isotretinoin entfaltet vor allem bei der schweren nodulären Akne oft eine verblüffende Wirkung. Da die Akne für die Patienten eine starke psychische Belastung darstellt, sind Berichte über Depressionen und Suizide bei einigen Patienten nicht ungewöhnlich.

Dies hat zu Warnhinweisen in den Fachinformationen geführt, obwohl eine Kausalität gerade infolge der psychischen Auswirkungen der Erkrankung schwer herzustellen ist. Die Ergebnisse der prospektiven Beobachtungsstudien hierzu waren widersprüchlich.

Die Beweiskraft einer retrospektiven Kohortenstudie, wie sie Anders Sundstrom vom Karolinska Institut in Stockholm vorlegt, ist noch geringer. Aufgrund der hohen Zuverlässigkeit der schwedischen Krankenregister kann aber das Ausmaß des Problems abgeschätzt werden.

Die Daten zeigen, dass die Suizidalität bei Aknepatienten erhöht ist. Von den 5.756 Patienten, denen schwedische Ärzte in den Jahren 1980 bis 1989 Isotretinoin verschrieben, begingen 128 einen Suizid oder wurden wegen eines Suizidversuchs hospitalisiert.

Das ist ein Anteil von 2,8 Prozent, der deutlich über der in der Altersgruppe zu erwartenden Suizidalität liegt. Nur ein geringer Teil der Suizide oder Suizidversuche, nämlich 20 Fälle, entfiel indes auf die Therapiephase und das darauf folgende Jahr.

Die Analyse von Sundstrom zeigt, dass die Suizidalität bereits vor Therapiebeginn erhöht war. Sie stieg in den letzten Monaten davor immer weiter an, was darauf hindeutet, dass der psychische Leidensdruck an der Entscheidung zur systemischen Therapie der Akne mit Isotretinoin beteiligt gewesen sein dürfte.

Den Gipfel erreichte die standardisierte Inzidenzrate indes erst während der Therapie und in den Monaten danach. Dies überrascht insofern, als man von der rasch eintretenden Besserung der Akne eigentlich eine ebenso schnelle psychische Entlastung der Patienten erwarten würde.

Dass diese nicht eintrat, könnte darauf hindeuten, dass schwere Stimmungsschwankungen eine Nebenwirkung des Medikaments sind. Es ist aber auch möglich, dass die Patienten sich zu viel von dem Medikament erhofft haben, schreibt der Autor: Die plötzliche Abheilung der Akne führe nicht automatisch zu einer Verbesserung der sozialen Kontakte, die möglicherweise durch die längere Erkrankung zuvor gelitten haben.

Die Studie kann die Kausalität weder belegen noch widerlegen. Den Ärzten sollte sie nach Ansicht Sundstroms jedoch zeigen, dass Aknepatienten psychisch labil sind und dass sich diese Labilität nicht so schnell bessert wie die Akne. Der Hautarzt sollte deshalb den mentalen Status seiner Patienten im Auge behalten. © rme/aerzteblatt.de

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