Politik

Verbände warnen vor Entprofessionalisierung in der Pflege

Dienstag, 23. November 2010

Berlin – Der Verband Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen (BALK) und der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordost haben davor gewarnt, im Zuge des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen immer mehr Aufgaben an Niedrig-Qualifizierte zu vergeben.

Gleichzeitig kritisierten sie einen zunehmend inflationären Gebrauch des Begriffes „Fachkraft“. Insbesondere bei zertifizierten Bildungsangeboten sei eine solche Begriffsinflation nicht zu tolerieren.

Ein Beispiel hierfür sei der zehnmonatige Kurs der Malteser zur „Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen in der kultursensiblen Pflege“, der sich an Interessenten mit Migrationshintergrund wende. Die Ausbildung beinhalte den Pflegebasiskurs. Flankierend werde fachbezogener Deutschunterricht erteilt.

„Es geht nicht darum, einen geeigneten niedrig schwelligen beruflichen Einstieg zu unterbinden – nur die Abschlussbezeichnung ist ungeeignet und suggeriert ein Qualifikationsniveau mit einer ausgewiesenen Expertise, das so nicht erreicht werden kann“, sagte Anja Kistler vom DBfK.

„Auf der anderen Seite ist mit Nachdruck davor zu warnen, dass zukünftig Pflegefachkräfte durch solch gering qualifizierte ‚Fachkräfte’ ersetzt werden“, sagte Andrea Lemke, Vorstandsmitglied des Verbandes BALK. Fachliche Qualitätsstandards in der pflegerischen Leistungserbringung seien dann nicht länger gesichert. 

Der Deutsche Pflegerat dringt unterdessen darauf, vor allem mehr Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen. „Wenn wir nicht gegensteuern, werden 2020 allein im stationären Bereich 140.000 Fachkräfte fehlen“, sagte der Vorsitzende Andreas Westerfellhaus der Rheinischen Post vom Dienstag. In den Schulen müsste in der siebten und achten Klasse für Pflegeberufe geworben werden. Ältere Beschäftigte sollten mit betrieblichem Gesundheitsmanagement länger im Pflegeberuf gehalten werden.

Nach neuesten Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 50 Prozent auf 3,4 Millionen steigen. Deshalb will die Koalition auch die Attraktivität der Pflegeberufe durch eine veränderte Ausbildung und bessere Vergütung erhöhen. 

Unter anderem sollen Kinderkranken-, Kranken- und Altenpflege zu einer Ausbildung zusammengeführt werden, wie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), der Thüringer Allgemeine vom Dienstag sagte. Der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte sei zudem "ein erster Schritt in die richtige Richtung" gewesen. © hil/dapd/aerzteblatt.de

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KrankerPfleger
am Mittwoch, 24. November 2010, 15:47

Fortschritt...

...nicht der, sonder VON der professionellen Pflege. Im Adolf-Sauerland-Duisburg dürfen etwa 20% der Heime nicht mehr von Sozialhilfeempfängern genutzt werden. Merkel will Hartz-IVer in der Pflege. Das kanns doch nicht sein!
Vgl: http://weblog.hundeiker.de/item-2623.html
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