Medizin

Alkohol-Exzesse als Herzinfarktrisiko

Mittwoch, 24. November 2010

Toulouse – Die unter­schied­lichen Trinkgewohnheiten dies- und jenseits des Ärmelkanals sollen einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 341: c6077) zufolge erklären, warum Menschen in Nordirland doppelt so häufig an einem Herzinfarkt erkranken wie in Frankreich.

In Großbritannien wird der Alkohol vor allem am Feierabend und an Wochenenden, dann aber häufig exzessiv getrunken. Bier und Schnaps werden bevorzugt.

In Frankreich gehört ein gutes Glas Rotwein zur jeder Mahlzeit. Sturzbetrunkene Menschen sieht man seltener, auch wenn das „Komasaufen“ unter französischen Jugendlichen wie in anderen Ländern zum Problem geworden ist.

Zu einem Problem, das möglicherweise Spätfolgen hat, wie eine Auswertung der Prospective Epidemiological Study of Myocardial Infarction oder PRIME-Kohorte durch Jean-Bernard Ruidavets von der Universität Toulouse und Mitarbeiter zeigt. Die Studie verglich die Lebens- und Trinkgewohnheiten in der nordirischen Hauptstadt Belfast und in drei französischen Regionen (Lille, Strasbourg und Toulouse), um zu erklären, warum in Nordirland zwei bis dreimal so viele Menschen an einem Herzinfarkt erkranken und sterben.

Ein Grund könnten tatsächlich die Trinkgewohnheiten sein: In Belfast tranken nur 12 Prozent der Männer jeden Tag Alkohol, in Frankreich waren es 75 Prozent. Auch die durchschnittliche Tagesdosis war mit 22,1 Gramm in Belfast gegenüber 32,8 Gramm in Frankreich geringer.

Doch in Belfast war mit 9,4 Prozent fast jeder zehnte Erwachsene ein sogenannter Binge-Trinker, definiert als die Zufuhr von wenigsten 50 Gramm Alkohol bei einer Gelegenheit: Dies entspricht 4 bis 5 Getränken (kleine Biere oder ein Viertele Wein). In Frankreich betrinkt sich auf diese Weise nur jeder hundertste Erwachsene (0,9 Prozent).

Nach den Berechnungen von Ruidavets erlitten exzessive Trinker doppelt so häufig ein koronares Ereignis wie Menschen, die Alkohol zwar regelmäßig, aber in Maßen konsumieren (Hazard Ratio 1,97; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,21-3,22). Der Einfluss des Binge-Trinkens erklärte in einer Multivariat-Analyse nahezu vollständig die in Belfast um 76 Prozent höhere Zahl kardialer Ereignisse.

Die Studie schließt nicht aus, dass die Wahl von Bier und Spirituosen gegenüber Wein einen Einfluss hat, wie dies zahlreichen frühere Untersuchungen zum “french paradox” gezeigt hatten. Dass ein exzessiver Alkoholkonsum am Wochenende nicht unbedingt gesund ist, hatte schon eine frühere Auswertungen der PRIME-Studie in Hypertension (200; 38: 1361-6) angedeutet: Alkoholtrinker hatten in Belfast zu Wochenanfang höhere Blutdruckwerte als in den französischen Städten.

Binge-Trinken hat laut Ruidavets auch ungünstige Auswirkungen auf den Lipid- und Glukosestoffwechsel und die Fibrinolyse, was ein erhöhtes Herzinfarktrisiko plausibel erklären könnte. Die British Heart Foundation hat die Bevölkerung in einer Pressemitteilung aufgerufen, auf Alkoholexzesse zu verzichten. © rme/aerzteblatt.de

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Baufixx
am Donnerstag, 25. November 2010, 08:10

Gefährlichkeit des sich besaufens!

Dann ist es wohl auch ungesund 1 x die Woche 2 oder 3 Schachteln Zigaretten am Stück zu rauchen als jeden Tag eine oder zwei Zigaretten!??
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