Medizin

WHO-Studie: Jährlich 600.000 Tote durch Passivrauchen

Freitag, 26. November 2010

Genf – Die Exposition von Nichtrauchern mit Tabakrauch ist weltweit für jeden hundertsten Todesfall verantwortlich. Betroffen sind vor allem Frauen und Kinder, berichten Forscher der Weltgesundheitsorganisation im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140- 6736(10)61388-8).

Die Exposition durch Passivrauchen ist erheblich. Weltweit lebten 2004 etwa 40 Prozent der Kinder, 33 Prozent der männlichen Nichtraucher und 35 der weiblichen Nichtraucher in Haushalten, in denen geraucht wird, schreiben Annette Prüss-Ustün und Mitarbeiter vom WHO-Zentrum in Genf.

Sie stützt sich dabei auf Umfragen wie die Global Youth Tobacco Survey (GYTS), die an Schulen in 120 Ländern durchgeführt wurde, wobei die Daten auf die nicht beteiligten Länder extrapoliert wurden.

Die Passivrauchexposition wurde mit Untersuchungen zu den schädlichen Folgen des Rauchens in Beziehung gesetzt, die die WHO, die Californian Environmental Protection Agency, der US-Surgeon General oder die International Agency for Research and Cancer herausgegeben haben.

Danach erhöht die Passivexposition bei Kindern das Risiko von unteren Atemwegsinfektionen (Odds Ratio OR 1,55), Asthmaneuerkrankungen (OR 1,32), Mittelohrentzündungen (OR 1,38). Bei Erwachsenen erhöht Passivrauchen das Risiko auf Asthmaneuerkrankungen (OR 1,97), Lungenkrebs (OR 1,21 bis 1,22) und auf ischämische Herzerkrankungen (OR 1,27).

Aus diesen Angaben und den bekannten Mortalitätsziffern der Erkrankungen lässt sich die Erkrankungslast (disease burden) berechnen. Prüss-Ustün kommt auf 379.000 Todesfällen infolge ischämischer Herzerkrankungen und 165.000 Todesfällen infolge unterer Atemwegserkrankungen. 36.900 Menschen starben in dem Referenzjahr 2004 an Asthma und 21.400 an Lungenkrebs.

Insgesamt ergibt dies 603.000 Todesfälle, was ziemlich genau ein Prozent aller weltweiten Todesfälle ausmacht, wobei 47 Prozent auf Frauen, 26 Prozent auf Männer und 28 Prozent auf Kinder entfallen. Der hohe Anteil der Frauen ist laut Prüss-Ustün in vielen Ländern auf den höheren Anteil der Männer unter den Rauchern zurückzuführen.

Sie schädigen ihre Gesundheit durch aktives Rauchen, deren Auswirkungen in der Studie nicht erfasst wurden. Kinder rauchen sehr selten. Sie sind dem Passivrauchen weltweit schwerer ausgesetzt als jede andere Altersgruppe, beklagt die Autorin, und sie können den Hauptquellen nicht ausweichen: Es sind vorwiegend ihre engsten Verwandten, die zu Hause rauchen. Am stärksten ist die Passivrauchbelastung der Kinder derzeit in Asien und dem Mittleren Osten.

Kinder erleiden nach der Analyse die stärksten Einbußen in der Lebensqualität, und sie haben infolge der höheren Lebenserwartung länger unter den Folgen zu leiden. Dies zeigt sich im Verlust an behinderungsbereinigten Lebensjahren (disability adjusted life year, DALY), die infolge der gesundheitlichen Schädigung verloren gehen.

Nach den Berechnungen der Autoren gingen 2004 durch das Passivrauchen 10,9 Millionen DALY verloren, was etwa 0,7 Prozent der globalen Krankheitslast (burden of diseases) ausmacht, und 61 Prozent dieser Krankheitslast entfiel auf Kinder.

Die Krankheitslast könnte nach Ansicht der Autoren durch Raucherschutzmaßnahmen deutlich gesenkt werden. Solche Regelungen würden derzeit aber erst 7,4 Prozent der Weltbevölkerung schützen.

Dabei zeigen laut Prüss-Ustün Untersuchungen, dass die Gesetze die Belastungen durch Passivrauchen in Hochrisikoeinrichtungen wie Bars und Gaststätten um 90 Prozent und im Allgemeinen um 60 Prozent verringern.

Außerdem zeigen die Erfahrungen, dass die Nichtraucherpolitik den Zigarettenkonsum der aktiven Raucher senke und viele motiviere, das Rauchen aufzugeben. Weitere Maßnahmen hat die WHO in einer Framework Convention on Tobacco Control herausgegeben. Sie rät zu höheren Tabaksteuern, Warnhinweise auf Packungen und einem Werbeverbot.

Die Deutsche Krebsgesellschaft forderte mehr Schutzmaßnahmen. Dazu gehörten der Schutz vor Tabakrauch in Innenräumen, das Verbot der Tabakwerbung und die Erhöhung der Tabaksteuer, erklärte die Organisation am Freitag in Berlin. Auch müsse der Jugendschutz verbessert werden, um Kinder und Jugendliche vor den Folgen des Rauchens zu schützen. © rme/aerzteblatt.de

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polmu
am Dienstag, 30. November 2010, 19:39

Den Weihrauch in der Kirche

hat man in diesen "Studien" wohl vergessen. Man sehe sich mal die Zahl der Todefälle im engeren Umkreis von Kirchtürmen an. Entsprechende Studien würden erschreckende Ergebnisse liefern!
danielschaaf
am Montag, 29. November 2010, 16:53

Ich es eine Schande, dass man sich auf den Lancet nicht mehr verlassen kann.

Zu anderen Themen wäre eine Arbeit dieser Qualität sofort zurückgeschickt worden.
Diese Meta-Studie der WHO beruht auf anderen Meta-Studien der WHO und vergleichbarer Organisationen, die sich dem "Krieg gegen das Rauchen" verschrieben haben. Einige davon wiederum auf anderen Meta-Studien. (Wer was davon versteht, weiß was das über die Qualität aussagt).
In einer Ausarbeitung wurde sogar offen zugegeben, dass sie nur solche Untersuchungen berücksichtigt haben, wo ein Zusammenhang zwischen Passiv-Rauchen und den entsprechenden Erkrankungen hergestellt wurde. Studien die nicht zu dem Ergebnis kamen, wurden weggelassen.

Schaut man dann auf die Arbeiten, wo wirklich „geforscht“ wurde, wird es noch finsterer.
Die Zahlen z.B. bezüglich der Herztoten beruhen zum großen Teil auf Klein-Studien zu Krankenzahlen einzelner Krankenhäuser, die - ich habe die meisten gecheckt - fundamentale Designfehler aufweisen und keine vom Ergebnis her haltbar ist. Selten lagen die Fallzahlen höher als einige hundert. Ein Plausi-chek mit Sterbezahlen aus Ländern mit Rauchverboten ergibt, dass es keinen evidenten Zusammenhang zwischen Passiv-Rauchen und Herzkrankheiten gibt. Und schwup! sind 60% der 600.000 Tote weg.
Das gleiche gilt für die infektiösen Atemwegserkrankungen der Kinder. Die Original Studien sagen, dass es einen Zusammenhang zwischen Erkrankungen (nicht Todesfällen) und rauchenden Müttern bei Kindern unter 6-12 Monaten(!) in Industrieländern gibt.
In Anwesenheit eines Säuglings zu rauchen sollte nun auch wirklich verboten werden!
Die einzige Studie in einem Entwicklungsland (Brasilien) findet keine Zusammenhang zum Passiv-Rauchen der Eltern.
Aus dieser Datenlage auf 160.000 tote Kinder bis 6 Jahren (vor allem in Entwicklungsländern) erschließt sich mir nicht.
Einen Zusammenhang zwischen Passiv rauchen und Astma wird in den Studien zu Bronchitis außerdem ausdrücklich verneint. Haben die „Forscher“ vom Stockholmer Karolinska-Institut wohl überlesen.

Was hier von der WHO verlautbart wird ist reine Propaganda. Die Zahlen sind unhaltbar, die Annahmen alle in höchstem Maße angreifbar. Als Schlussfolgerung würde ich allenfalls zulassen, das Rauchen in Anwesenheit von Kleinkindern zu ahnden. Selbst wenn einige der Zahlen plausibel wären, gibt es keinen Zusammenhang zu Rauchverboten in der Gastronomie (und darum geht es ja wohl offensichtlich der WHO)
BEQUOL
am Freitag, 26. November 2010, 23:01

Passivraucher

Es tut mir in der seele weh,dass es in intelligenten Hirnen nichts anderes als derart blödes Zeug gibt...Feinstub ist korrkt,Rauche auch,doch steht allse in überhaupt keinem verhältnis zu der Schadensrate durch Nanopartikel,Alumosilikate in Tausenden Tonnen us BOEINGS versprüht in die Lungen und Hirne aller gerät,manipulierbar,da Blut-Hirn-Schranke überschritend...es gibt einen EID meine DAMEN und HERREN...Krebs u.a. Schäden durch das Rauchen ist schlimm,doch Nanochips im ZNS und "messerscharfe,ungegratete 3nm grosse SiO2-Partikel in allen Zellen aber primär im ZNS zu haben...es tut mir leid meine Damen und Herren...das ist schlicht und einfach pervers..wie eben BIGPHARMA sich verhält...ich schäme mich für SIE...mit Ausnahmen...!! Egon Tech etech-48 @web.de
zuse2000
am Freitag, 26. November 2010, 20:28

"Hochrisikoeinrichtungen...

...wie Bars und Gaststätten"! Ich lach mich tot. Wie hysterisch soll das ganze Thema eigentlich noch abgehandelt werden?
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