Boston – Seit das Institute of Medicine auf häufiger medizinische Behandlungsfehler in aufmerksam gemacht hat, bemühen sich US-Kliniken, die Patientensicherheit zu verbessern. Ein Erfolg ist einer Studie im New England Journal of Medicine (2010; 363: 2124-2134) zufolge derzeit noch nicht erkennbar.
Das Institute of Medicine war 1999 in dem Bericht “To err is human” zu dem Ergebnis gekommen, dass in den USA jedes Jahr 98.000 Menschen durch medizinische Irrtümer ums Leben kommen und mehr als eine Million Verletzungen erleiden.
Der Bericht hat über die Grenzen des Landes hinaus Aufsehen erregt und auch in Deutschland bekannten sich schließlich prominente Ärzte dazu, dass ihnen schon einmal Fehler unterlaufen seien. In den USA investierten Kliniken viel Geld in Maßnahmen zur Reduzierung der Fehlerrate, wobei sich der Staat North Carolina besonders hervortat, wenn man Christopher Landrigan von der Harvard Medical School in Boston Glauben schenken darf.
Der Forscher wählte deshalb mit Bedacht 14 Kliniken dieses US-Staates aus, um zu prüfen, ob die Fehlerrate in den Jahren 2002 bis 2007 gesunken ist. Insgesamt 10 Kliniken waren einverstanden und erlaubten den Forschern Einblick in ihre Krankenakten.
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Die meisten Behandlungsfehler sind jedoch geringfügig und sie fügen den Patienten keinen dauerhaften Schaden zu. Immerhin 50 der 588 Ereignisse wurden jedoch als lebensbedrohlich eingestuft, 17 führten zu dauerhaften Schäden bei den Patienten und 14 waren sogar teilweise oder ausschließlich für den Tod des Patienten verantwortlich.
Ein kürzlich vom US-Gesundheitsministerium veröffentlichter Bericht kommt zu ähnlichen Zahlen: Danach erleiden 13,5 Prozent der Medicare-Begünstigten durch einen Krankenhausaufenthaltes “Nebenwirkungen” mit Folgekosten von mehreren Milliarden US-Dollar im Jahr. Die Studie, die auf einer Analyse von Entlassungsdokumenten beruht, kommt zu dem Ergebnis, dass die Fehler bei 1,5 Prozent der Patienten am Tod der Patienten zumindest beteiligt waren.
Ein wichtiges Ergebnis der Harvard-Studie war, dass über den Studienzeitraum von 2002 bis 2007 keinerlei Trend zu einem Rückgang der Behandlungsfehler zu erkennen war. Dies war nach Ansicht von Landrigan auch nicht zu erwarten. Zum einen sei die Implementierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit schwierig und kostenintensiv.
Der Forscher nennt als Beispiel die Umstellung auf elektronischen Krankenakten oder kontrollierte Regelungen zur Arbeitszeitverkürzung. Die Auswirkungen würden sich vermutlich erst langfristig zeigen.
Außerdem sei für viele Maßnahmen nicht belegt, dass sie die Patientensicherheit verbessern. Die wissenschaftliche Forschung stehe in diesem Bereich noch am Anfang, meint Landrigan. Was sinnvoll ist und was nicht, könne man erst in einigen Jahren wissen.
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