Meschede/Brüssel – Gentests an Embryonen sind nach Darstellung des Arztes und Gentechnik-Experten der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, Peter Liese, alles andere als sicher. „Würde die Präimplantationsdiagnostik (PID) nach den Standards bewertet, nach denen man Medikamente überprüft, hätte ich große Zweifel an der Zulassung“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Meschede.
Studien aus Ländern, in denen PID durchgeführt wird, besagten, dass nur bei etwa 6,2 Prozent der Behandlungszyklen die Frauen tatsächlich die Geburt eines Kindes erlebten, fügte Liese hinzu. „Über 30 Prozent der registrierten Schwangerschaften nach PID enden in Fehlgeburten oder Abtreibung.“
Der CDU-Politiker sprach sich für ein klares Verbot der PID in Deutschland aus. Er verwies darauf, dass bei der PID nicht alle Gendefekte erkennbar seien und dass sich viele Eltern nach der PID und der Einpflanzung des Embryos in den Mutterleib zusätzlich einer vorgeburtlichen Diagnostik unterzögen. Damit erweise sich die Behauptung, dass eine PID eine belastende Abtreibung ersparen könne, in vielen Fällen als falsch.
Liese bestritt zudem, dass sich der Einsatz der Gentests auf bestimmte schwere Krankheiten begrenzen lasse. Erfahrungen in anderen europäischen Ländern und den USA zeigten, dass mittlerweile auch schon nach Erkrankungen gesucht werde, die erst im Erwachsenenalter zu Problemen und oft keinesfalls zum Tode führen.
Künftig werde man vor der Entscheidung stehen, ob „Anlagen für Volkskrankheiten wie Herzinfarkt oder Krebs im Rahmen der PID diagnostiziert werden“. Der Arzt verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass „jeder Mensch die Erbanlagen für 4 bis 5 schwerwiegende Erkrankungen in sich trägt“.
Als falsch bezeichnete Liese die Befürchtung, dass Deutschland mit einem strengen Embryonenschutz international allein stehen könnte. „Italien, Österreich und die Schweiz haben ebenfalls ein PID-Verbot“, sagte er.
Der CDU-Politiker wies auch das Argument als wenig treffend zurück, dass ein PID-Verbot betroffene Paare ins Ausland ausweichen lasse. Das gleiche ließe sich auch sagen, wenn der Bundestag der von PID-Befürwortern geforderten Regelung zustimmte und die PID in ganz eng begrenzten Fällen zuließe.
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Ich habe bereits die Diskussion in der CDU zu diesem Thema verfolgt. Ich finde es richtig und wichtig, dass die PID verboten ist. Denn es würde nicht nur eine Selektion menschlichen Lebens und damit eine Abwertung, so ist zu befürchten, von Menschen mit Behinderung drohen, sondern wie Herr Liese erklärt, hilft die PID nicht einmal das zu erreichen, was immer als Argument für die PID angeführt wurde, nämlich Fehlgeburten und Abtreibungen verhindern. Also geben wir uns einfach einmal damit ab, nicht allem vorbeugen zu können, sondern auch einmal etwas zu akzeptieren. Der Mensch sollte einfach nicht auf alles Einfluss nehmen, schon gar nicht, wenn es darum geht entstandenes Leben doch noch zu verhindern, weil man es für minderwertig hält.
Es ist schon bedrückend, wie sehr wir versuchen Gott zu spielen. Nicht alles machbare ist auch ethisch vertretbar. Auch nicht in der Medizin.
maresakramer am Donnerstag, 2. Dezember 2010, 16:17
Gentest an Embryonen sehr unsicher
Vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Beitrag. Über diese Faktoren der PID wird die Öffentlichkeit nur sehr unzureichend aufgeklärt. Diese Argumente für ein PID-Verbot sind sehr einleuchtend und knapp und plausibel dargestellt. Damit kann die teils hochgradig emotional geführte Diskussion versachlicht werden. Ich werde diesen Artikel - als PID-Gegner - Freunden und Bekannten schicken, die sich noch nicht abschließend ihre Meinung gebildet haben.
Leserkommentare
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